Fahrgastschwund 9-Euro-Ticket belastet Fern- und Reisebusunternehmen

Für neun Euro einen Monat lang den Nahverkehr in ganz Deutschland nutzen - Busunternehmer können derlei Angebote nicht machen. Sie klagen über einen massiven Fahrgastverlust und fordern finanzielle Entlastung.
Massiver Fahrgastschwund: Fernbusse am ZOB Hannover (Archiv)

Massiver Fahrgastschwund: Fernbusse am ZOB Hannover (Archiv)

Foto: Ole Spata/ picture alliance / dpa

Das 9-Euro-Ticket erfreut sich weiter hoher Beliebtheit - doch andere Verkehrsbranchen stellt das günstige Angebot für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vor Schwierigkeiten. So meldete etwa rund die Hälfte aller Reise- und Fernbusunternehmen bei einer Blitzumfrage des eigenen Verbands eine rückläufige Nachfrage nach den eigenen Angeboten, teilte der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) am Samstag mit.

Insbesondere für Klassen- und Vereinsfahrten würden die Veranstalter aufgrund des günstigen ÖPNV-Tickets seltener ein privates Busunternehmen beauftragen, hieß es. Bei diesen beiden Kundengruppen sei die Nachfrage bei den Busunternehmen im Schnitt um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Bei Senioren, der dritten wichtigen Kundengruppe, verzeichnete die Branche im Schnitt sogar einen Rückgang von mehr als zwei Drittel.

Vor allem Schulklassen, Vereine und Senioren bleiben weg

"Ziel eines durch Steuermittel finanzierten ÖPNV-Billigtickets kann nicht sein, dass sich ohnehin schon umweltfreundliche Verkehrsmittel gegenseitig Fahrgäste abwerben und hierdurch Wettbewerbsverzerrungen zulasten der Reisebusbranche neu etabliert werden", teilte bdo-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard mit. "Die gemeinsame politische Aufgabe muss vielmehr sein, den Individualverkehr mit Pkw zu reduzieren, um endlich die Verkehrswende und den Klimaschutz erfolgreich voranzubringen."

Der Verband forderte finanzielle Entlastungen durch die Politik. "Nur so können die Busunternehmen nach dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets ihren notwendigen Beitrag zum Erhalt der klimafreundlichen Mobilität in Stadt und Land erbringen." Die Blitzumfrage des Verbands bei den eigenen Unternehmen bezog sich auf Auswirkungen des 9-Euro-Tickets für die Reise- und Fernbusanbieter im Juni. Aktuellere Erkentnisse liegen demnach noch nicht vor.

Die im Juni gestarteten 9-Euro-Tickets gelten noch im Juli und August und ermöglichen bundesweit jeweils für einen Monat Fahrten in Bussen und Bahnen des Nahverkehrs.

Eine große Mehrheit der Bundesbürger wünscht sich auch nach dem Ende des 9-Euro-Tickets ein günstiges Angebot im Nah- und Regionalverkehr. In einer Umfrage des Instituts Kantar im Auftrag des Nachrichtenmagazins "Focus" befürworten 79 Prozent ein ähnliches Ticket, das vom Staat unterstützt wird. 16 Prozent sind dagegen. Am größten ist die Zustimmung mit 90 Prozent bei den unter 30-Jährigen.

rei/dpa-afx
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