Daimler passt seine Strategie an 2025 soll jeder zweite neue Mercedes elektrisch fahren

Daimler beschleunigt bei Mercedes-Benz die Elektrifizierung: Bis 2025 soll die Hälfte der verkauften Wagen reine E-Autos oder Plug-in-Autos sein, kündigte Daimler-Chef Ola Källenius an.
Ola Källenius: Der Daimler-Chef will trotz des kostenintensiven Schwenks auf Elektroautos die Margenziele beibehalten

Ola Källenius: Der Daimler-Chef will trotz des kostenintensiven Schwenks auf Elektroautos die Margenziele beibehalten

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Silas Stein / dpa

Daimler wappnet sich für das Aus von Verbrennerautos bis zum Ende dieses Jahrzehnts, macht das aber von der Entwicklung der Nachfrage abhängig. "Der Wendepunkt rückt näher, und wir werden bereit sein, wenn die Märkte bis zum Ende des Jahrzehnts vollständig auf Elektroautos umstellen", sagte Ola Källenius (52), Vorstandschef von Daimler und Mercedes-Benz am Donnerstag.

Kein klares Datum für Aus des Verbrenners

Ein Absatzziel für reine Elektroautos definierte Mercedes-Benz Cars & Vans nicht, verdoppelte aber den erwarteten Anteil elektrifizierter Fahrzeuge - also E-Autos und Plug-in-Hybrid-Modelle - für 2025 auf 50 Prozent. "Bis vor Kurzem erwarteten wir eine moderate Entwicklung des Elektroauto-Marktes, jetzt glauben wir, die Kunden stellen sich schneller um", erklärte Vertriebschefin Britta Seeger. Mercedes sei bereit, bis 2030 voll elektrisch zu werden. "Aber keiner kann vorhersehen, wann der letzte Verbrennungsmotor gebaut wird, das hängt vom Kunden ab", ergänzte sie.

Ab 2025 sollen drei Elektro-Fahrzeugarchitekturen für mittlere und große Wagen, Hochgeschwindigkeitsantriebe der Marke AMG und Vans in die Produktion kommen, teilte Daimler weiter mit. Mit der Übernahme des britischen Elektromotorspezialisten Yasa werden Ultra-Hochleistungsantriebe gebaut. Ab 2025 würden neue Plattformen nur noch rein elektrisch angelegt, also ohne Verbrennertechnik.

Daimler legt sich damit nicht so fest wie Volkswagen und Audi, die bis Anfang der 30er Jahre Verbrennermodelle ausmustern wollen.

Von 2022 bis 2030 sollen mehr als 40 Milliarden Euro Investitionen in Batteriefahrzeuge gesteckt werden. Unter anderem in acht Gigafabriken für Batteriezellen weltweit. Gemeinsam mit Partnern werde Mercedes-Benz Batteriezellkapazitäten von mehr als 200 Gigawattstunden installieren. Bisher hatte der Konzern eine eigenständige Großserien-Zellproduktion abgelehnt und auf Zulieferer gesetzt.

40 Milliarden Investitionen - acht Gigafabriken

Die geplanten Batteriezellfabriken sollen das bereits geplante Netz an neun Fabriken ergänzen, die Batteriesysteme aus den Zellpaketen zusammensetzen. Die nächste Batteriegeneration werde hochgradig standardisiert und für den Einsatz in mehr als 90 Prozent aller künftigen Mercedes-Pkw geeignet sein, hieß es. "Die Elektromobilität gewinnt an Fahrt - vor allem im Luxus-Segment, wo Mercedes-Benz zuhause ist", sagte Källenius.

Die Investitionen in Verbrennerautos und Plug-in-Hybride sollen bis 2026 um 80 Prozent im Vergleich zu 2019 sinken. Die Renditeziele von Herbst 2020 bestätigte Källenius trotz des schnelleren Umschwungs zu anfangs noch unprofitableren Elektroautos. Demnach soll in normalen Zeiten eine operative Marge in niedriger bis mittlerer einstelliger Prozenthöhe, in guten Zeiten eine zweistellige Marge erreicht werden.

Autoproduktion soll ab 2022 CO2-neutral sein

Die Autoproduktion soll in den Fabriken schon ab 2022 CO2-neutral sein, das heißt, noch entstehende Emissionen werden durch Klimaschutzmaßnahmen kompensiert. Unter dem Druck schärferer Klimaschutzvorschriften haben alle Autohersteller in Europa in den vergangenen Monaten ihre Pläne zur Umstellung auf Batterieautos beschleunigt. Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, dass die CO2-Emissionen von Neuwagen bis 2030 um 55 Prozent sinken müssen, ab 2035 sollen keine neuen Verbrennerautos mehr auf den Markt kommen. "Die Regulierung wird strikter weltweit, aber die Nachfrage wird vor allem dadurch getrieben werden, dass die Kunden das als überlegene Technik betrachten werden", sagte Källenius.

rei/dpa-afx/Reuters