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Auseinander gelebt

Comdirect/T-Online: Das Bündnis der beiden Internet-Firmen wird vor allem den Bankern zur Last.
Von Ulric Papendick
aus manager magazin 9/2001

Als Thomas Holtrop (46), seit Jahresbeginn Chef des Internet-Providers T-Online, Ende Mai 2001 erstmals zu seinen Aktionären sprach, redete er viel über Partnerschaften. Von der Zusammenarbeit mit dem ZDF erzählte Holtrop in der Hauptversammlung der Telekom-Tochter; von der Kooperation mit der "Bild"-Zeitung, mit DaimlerChrysler, mit der Ergo-Gruppe.

Ein Bündnis spielte in Holtrops Rede allerdings praktisch keine Rolle: die Partnerschaft mit der Commerzbank-Tochter Comdirect. Seltsam, immerhin ist T-Online mit 21 Prozent an dem Onlinebroker beteiligt, die Commerzbank hält ihrerseits 2 Prozent an T-Online. Vorstände beider Firmen sitzen im Aufsichtsrat des Partners; und noch im April hatte die Comdirect vermeldet, die Zusammenarbeit solle "intensiviert" werden.

Ein frommer Wunsch, so scheint es heute. Das Bündnis mache keinen Sinn mehr, klagt ein Comdirect-Manager. Holtrop habe offenbar zu viele Probleme im eigenen Haus, um die Zusammenarbeit voranzutreiben.

Die Kooperation hatte sich 1998 mit einem "Get it all" getauften Angebot durchaus erfolgreich angelassen. Vergangenes Jahr wurde die Partnerschaft deshalb durch die Über-Kreuz-Beteiligung bekräftigt.

Seither stockt die Entwicklung. Die zweite Initiative "Surf and Trade" brachte kaum zusätzliche Kundschaft; ein für das Frühjahr geplanter Relaunch lässt bis heute auf sich warten. Burkhard Graßmann (35), im Vorstand von T-Online für die Kooperation zuständig, erklärt die Verzögerung mit "neuen Produkten", die derzeit entwickelt würden.

Auf den Internet-Seiten der beiden Unternehmen gibt es allerdings nur noch spärliche Hinweise auf den Partner. Stattdessen wird bei T-Online die Präsentation der Börsennachrichten flankiert von Anzeigen des Comdirect-Konkurrenten Consors.

Nicht nur deshalb ist die Partnerschaft für die Banker zur Last geworden. Comdirect-Chef Bernt Weber (59), von Sorgen um die sinkenden Erträge geplagt (siehe Seite 116), würde gern im Ausland Verbindungen mit anderen Brokern eingehen, um seine Kundenzahlen zu erhöhen. Doch ein Aktientausch ist schwierig: 21 Prozent der Anteile liegen bei T-Online fest, 59 Prozent bei der Comdirect-Mutter Commerzbank.

Insider vermuten, das Bündnis könnte wieder aufgelöst werden. Offiziell weisen Commerzbank und T-Online aber jede Absicht von sich, die Beteiligung am Partner zu verkaufen.

Das wäre auch kein gutes Geschäft. Für keinen der beiden. Das Comdirect-Aktienpaket im Besitz von T-Online war Mitte August etwa 670 Millionen Euro weniger wert als zum Börsenstart des Direktbrokers; die Commerzbank-Beteiligung an T-Online hatte rund 470 Millionen Euro an Wert eingebüßt. Ulric Papendick

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