Führungskrise Weiterer Aufsichtsrat tritt zurück - Commerzbank verschiebt Hauptversammlung

Die Commerzbank kommt nicht zur Ruhe. Nach Chefkontrolleur Vetter ist nun auch Aufsichtsrat Schmitz zurückgetreten. Offenbar ist ihm seine Vergangenheit bei HSBC zum Verhängnis geworden. Die für Mai geplante Hauptversammlung wird verschoben.
Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Personalschwund im Aufsichtsrat

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Personalschwund im Aufsichtsrat

Foto: A3471 Boris Roessler/ dpa

Die Commerzbank verschiebt ihre für den 5. Mai geplante Hauptversammlung. Hintergrund dafür sind zwei vakante Posten im Aufsichtsrat. Das Institut braucht nicht nur einen Nachfolger für Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter (68), der sein Mandat Mitte März aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt hatte, sondern auch für Andreas Schmitz (61). Dieser hat sein Mandat am Mittwochabend mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Er galt als potenzieller Kandidat für den Job des Oberkontrolleurs.

Sein plötzlicher Abgang hat das Geldhaus tiefer in eine Führungskrise schlittern lassen, die zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt kommt: Commerzbank-Chef Manfred Knof (55) hat einen grundlegenden Umbau des Instituts auf den Weg gebracht. Dabei dürften etwa 10.000 Stellen wegfallen und fast jede zweite der 800 Filialen in Deutschland soll geschlossen werden.

Auslöser für den überraschenden Rücktritt von Schmitz war nach Informationen aus Finanzkreisen eine Debatte um die Rolle, die die Deutschland-Tochter der britischen Großbank HSBC im Cum-Ex-Steuerskandal spielte. Schmitz stand in den Jahren 2006 bis 2015 an der Spitze des deutschen HSBC-Ablegers. Einflussreiche Commerzbank-Aufsichtsratsmitglieder haben offenbar in ihrer Sitzung am Mittwochabend infrage gestellt, ob Schmitz angesichts der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen die HSBC ein geeigneter Aufsichtsrat sei und ob er das Kontrollgremium im ausreichenden Maße darüber informiert habe. "Es war schnell klar, dass Schmitz nicht das notwendige Vertrauen hat - und schon gar nicht, um Aufsichtsratschef zu werden", heißt es aus Kreisen, die mit der Sache vertraut sind.

Schmitz' Rolle bei HSBC-Tochter sorgte für Diskussion

Ein Sprecher von HSBC Deutschland bestätigte gegenüber manager magazin, dass gegen die Bank seit 2016 wegen Cum-Ex-Geschäften ermittelt werde. Man kooperiere mit den Behörden, sagte der Banksprecher. Und weiter: "HSBC Deutschland hat sich nicht bewusst an solchen Geschäfte beteiligt, bei denen eine mehrfache Erstattung der Kapitalertragsteuer erfolgt ist." Schmitz wollte sich auf Anfrage nicht zu den Gründen seines Abgangs äußern.

Seit dem Rücktritt von Hans-Jörg Vetter leitet sein Stellvertreter Uwe Tschäge (53) das Commerzbank-Kontrollgremium. Der Betriebsratschef hat deutlich gemacht, dass dies nur eine Interimslösung sein könne. Finanzkreisen zufolge hat die Bundesregierung, die mit gut 15 Prozent an dem Institut beteiligt ist, zwei externe Kandidaten für den Aufsichtsratsvorsitz in die Debatte gebracht: KfW-Chef Günter Bräunig (65) und Ingrid Hengster (60), die im KfW-Vorstand das Mittelstandsgeschäft verantwortet. Bräunig hat allerdings bereits klargemacht, dass er für die Commerzbank-Aufsichtsratsspitze nicht infrage kommt.

Neben Hengster werden in Finanzkreisen jetzt zwei weitere potenzielle Kandidaten gehandelt: Carola von Schmettow (57), die jüngst als Deutschland-Chefin der HSBC zurückgetreten ist, und der ehemalige DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch (66).

Commerzbank rechnet 2021 mit Konzernverlust

Ungeachtet der Verschiebung der Hauptversammlung arbeite der Vorstand unverändert weiter an der Umsetzung der neuen Strategie, teilte die Commerzbank weiter mit. Das Management halte am angestrebten Zeitplan für den Abschluss der notwendigen Rahmenregelungen zum geplanten Stellenabbau fest. Die Bank rechnet wegen der Kosten für die Restrukturierung und Corona-Belastungen im laufenden Jahr unter dem Strich mit einem Verlust. Im Tagesgeschäft will das Institut dagegen wieder in die Gewinnzone zurückkehren - das operative Ergebnis soll im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen.

la/slo/dpa/reuters
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