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Auf der Abschussliste

WestLB: Der neue Chef will mit frischen Leuten zusammenarbeiten. Drei Vorstände sollen gehen.
Von Georg Jakobs
aus manager magazin 9/2001

Als Friedel Neuber (66) im September 1981 den Spitzenposten bei der Westdeutschen Landesbank (WestLB) antrat, übernahm er einen Sanierungsfall. Wenn der dienstälteste deutsche Spitzenbanker nun, nach 20 Jahren, den Vorstandsvorsitz an Jürgen Sengera (58) abgibt, steht die größte deutsche Landesbank wirtschaftlich zwar auf solidem Fundament; die Rahmenbedingungen für Neubers Nachfolger sind jedoch umso schwieriger.

Sengera muss die WestLB in den nächsten Monaten quasi neu erfinden. Die Wettbewerbshüter der Europäischen Union haben den Wegfall der staatlichen Privilegien für Deutschlands öffentlich-rechtliche Kreditinstitute erzwungen. Als Reaktion wird in Düsseldorf die Aufspaltung der Landesbank in eine öffentlichrechtliche Mutter und eine privatrechtliche Tochter für das kommerzielle Geschäft vorangetrieben.

Sengera, obgleich schon seit 17 Jahren im Vorstand der WestLB, scheint den öffentlichen Eigentümern der richtige Mann für diesen Neuanfang zu sein. "Rational und knochenhart", wie es seine Art sei, werde der Manager, der zuvor für das Investmentbanking

und internationale Spezialfinanzierungen zuständig war, auch seinen neuen Job angehen, glauben sie.

Das tut Not. Denn Sengera muss nicht nur die neue Struktur entwickeln, sondern auch die Effizienz- und Rentabilitätsschwäche des fünftgrößten deutschen Geldhauses beheben. Er hat sich zudem vorgenommen, in dem überalterten Führungsgremium kräftig aufzuräumen.

Von seinen - nach Neubers Abgang Ende August - noch sechs Vorstandskollegen möchte Sengera drei loswerden: die stellvertretenden Vorsitzenden Hans Henning Offen (61) und Wolf-Albrecht Prautzsch (61) sowie Gerhard Roggemann (53). Bleiben dürfen vom derzeitigen Personal außer dem erst kürzlich aufgerückten Andreas Seibert (53) nur Johannes Ringel (60) und Adolf Franke (59).

So schnell wie möglich nach seinem Amtsantritt will der neue Chef mit dem Aussortieren beginnen - womöglich schon am 26. September, wenn der Verwaltungsrat zu seiner nächsten turnusmäßigen Sitzung zusammenkommt. "Es spricht einiges dafür, dass es einen Tagesordnungspunkt Vorstandsangelegenheiten geben wird", sagt ein WestLB-Aufseher.

Offen ist noch, wer die frei werdenden Plätze im Vorstand einnehmen wird. Sengera fällt es offenbar nicht so leicht, Topleute zu gewinnen. Das liegt unter anderem daran, dass er bei der Rekrutierung nicht ganz frei agieren kann. Die Sparkassen, denen über ihre Regionalverbände ein Drittel der Bank gehört, wollen bei den wichtigen Personalien mitreden und sähen am liebsten Vertreter ihres Lagers in der Führungsriege.

Doch selbst wenn alle wichtigen Mitentscheider ihr Einverständnis signalisieren, läuft es nicht unbedingt im Sinne des neuen WestLB-Primus. Gern hätte Sengera den Vorstandschef der Sparkasse in Münster, Norbert Emmerich, geholt. Der aber winkte ab.

Der Grund: Die Bezahlung bei der WestLB erschien dem Sparkassenchef nicht attraktiv genug. In der beschaulichen westfälischen Provinz verdient er als Nummer eins jetzt schon mehr als eine Million Mark im Jahr. Als Vorstandsmitglied in Düsseldorf hätte er sich wohl kaum wesentlich verbessern können.

Georg Jakobs

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