Wohl nur begrenzte Wirksamkeit Südafrika stoppt Impfstart mit Astrazeneca

Er galt als große Hoffnung für Afrika. Doch gegen die südafrikanische Virusvariante ist der Impfstoff von Astrazeneca nur begrenzt wirksam. Jetzt stoppt das Land den Impfstart. Biontech und Pfizer melden derweil, ihr Impfstoff wirke gegen die Variante.
Enge und Armut in Johannesburg: Hier hat jedes Virus leichtes Spiel, Südafrika ist das zahlenmäßig auch am schwersten von Corona betroffene Land in Afrika

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Foto: Themba Hadebe/ dpa

Nach der Schweiz nun also auch Südafrika: Der afrikanische Staat hat den für Montag geplanten Impfstart mit dem Vakzin von Astrazeneca wegen Zweifeln an dessen Wirksamkeit bei der südafrikanischen Corona-Variante gestoppt. Eine Studie der südafrikanischen Universität Witwatersrand und der Universität Oxford zeigte nur einen "minimalen" Schutz durch die Impfung gegen eine milde oder moderate Infektion mit der südafrikanischen Variante bei jüngeren Menschen.

"Diese Studie bestätigt, dass das pandemische Coronavirus wie erwartet Wege finden wird, sich in geimpften Bevölkerungsgruppen auszubreiten", sagte Andrew Pollard (55), Leiter der Impfstoffgruppe der Uni Oxford, die den Impfstoff zusammen mit Astrazeneca entwickelt hat. Pollard verwies allerdings auf "vielversprechende Ergebnisse" anderer Studien in Südafrika, in denen ein ähnlicher viraler Vektor wie beim Astrazeneca-Impfstoff verwendet wurde. Die Studien deuteten darauf hin, dass schwere Krankheitsverläufe verhindert werden könnten.

Aber angeblich Schutz gegen schwere Verläufe

Südafrika, das zahlenmäßig am schwersten von Corona betroffene Land in Afrika, hatte vergangene Woche eine Million Dosen des Astrazeneca-Impfstoffes erhalten und geplant, schon bald mit der Impfung von Gesundheitsmitarbeitern zu beginnen. Gesundheitsminister Zweli Mkhize (65) aber hatte am Sonntag den Impfstart auf Eis gelegt und will nun erst Beratungen von Wissenschaftlern abwarten, wie man in dem Land am besten vorgehen solle.

Der Impfstoff galt eigentlich als große Hoffnung für Afrika, da er im Gegensatz etwa zu dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer keine ultrakalte Lagerung benötigt, damit leicht auszuliefern und auch günstiger ist. Zudem haben sich Astrazeneca und einige weitere große Pharmakonzerne verpflichtet, mit dem Impfstoff während der Corona-Pandemie keinen Gewinn zu erzielen.

Die in Südafrika kursierende Virusvariante B.1.351 wurde Ende vergangenen Jahres entdeckt und kommt mittlerweile auch in vielen anderen Ländern vor. Daher haben viele Staaten Einreisen aus Südafrika eingeschränkt, auch Deutschland. Die Variante hatte sich auch in den Tests anderer Impfstoff-Hersteller als resistenter erwiesen. Eine mögliche Anpassung der Vakzine an die Variante läuft bei mehreren Unternehmen bereits auf Hochtouren.

Biontech und Pfizer melden Erfolg mit Laborstudie gegen Südafrikavirus

Biontech und Pfizer meldeten am Montag indes, eine Laborstudie habe gezeigt, dass ihr Impfstoff auch gegen die britische und südafrikanische Variante wirke. Die Daten der Studie seien im Fachblatt "Nature Medicine" veröffentlicht worden. Es habe sich im Labor gezeigt, dass das Blut von 20 mit dem Impfstoff geimpften Menschen die Schlüsselmutationen der Coronavirus-Varianten aus Großbritannien und Südafrika neutralisiere, in dem Blut also ausreichend neutralisierende Antikörper waren. Nun brauche es klinische Daten, um noch mehr über die Wirkung des Impfstoffs gegen Virusvarianten zu lernen. Die anhaltende Weiterentwicklung von Sars-CoV-2 mache ein kontinuierliches Monitoring der Variationen und möglicher Folgen für die Effektivität von Impfstoffen nötig.

Kaum vermindertes Risiko bei mittelschweren Infektionen

Eine Analyse von Studiendaten von Infektionen mit der südafrikanischen Virusvariante zeigte, dass mit dem Vakzin nur ein 22 Prozent niedrigeres Risiko einer milden bis mittelschweren Covid-19-Infektionen besteht. Astrazeneca selbst geht davon aus, dass der Impfstoff auch Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bietet. Allerdings gibt es noch nicht genügend Erkenntnisse darüber, da es sich bei den Studienteilnehmern hinsichtlich der südafrikanischen Variante überwiegend um junge, gesunde Erwachsene handelte.

Der Leiter der südafrikanischen Studie, Shabir Madhi (55), zeigte sich dennoch hoffnungsvoll und verwies auf die Ähnlichkeit des Vakzins mit dem Impfstoffkandidaten von Johnson & Johnson, der einen Schutz von 85 Prozent vor schweren Krankheitsverläufen bieten soll. Es bestehe immer noch die Hoffnung, dass der Astrazeneca-Impfstoff in der besonders gefährdeten Altersgruppe genauso gut funktionieren könnte. An der Universität Oxford arbeitet man bereits an einer neuen Generation von Auffrischimpfungen, die vor neuen Varianten schützen sollen. "Das ist das gleiche Problem, mit dem alle Impfstoffentwickler konfrontiert sind", sagte Sarah Gilbert, Impfstoffforscherin an der Universität.

Britische Regierung stärkt Astrazeneca den Rücken

Zuletzt gab es vor allem wegen der in Großbritannien und in Südafrika aufgetretenen Varianten Sorgen, da diese als sehr viel ansteckender gelten. Die britische Regierung gab dem Astrazeneca-Impfstoff nach dem gestoppten Einsatz in Südafrika Rückendeckung. "Es gibt keine Beweise dafür, dass dieser Impfstoff nicht in der Lage ist, Krankenhausaufenthalte sowie schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zu verhindern", sagte Gesundheits-Staatssekretär Edward Argar dem Sender Sky. Zugleich sagte er, dass die südafrikanische Variante nicht zu den vorherrschenden im Vereinigten Königreich gehöre und es erst wenige derartige Fälle gebe. Gegen die dominierende britische Variante sei der Impfstoff "sehr wirksam".

Unterstützung erhielt Astrazeneca auch von Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran (40). Er ließ sich demonstrativ mit dem umstrittenen Corona-Impfstoff von Astrazeneca impfen. Der Minister sagte am Montag nach dem Termin im Pariser Vorort Melun, das Vakzin schütze "gegen mindestens 99 Prozent der Virenstämme", die in Frankreich im Umlauf seien.

Begrenzte Zulassung in Deutschland, vorerst keine in Schweiz und USA

Die deutsche Impfkommission (Stiko) hatte Ende Januar den neuen Impfstoff von Astrazeneca in Ermangelung ausreichender Daten nur für unter 65-Jährige empfohlen. Abgesehen von dieser Einschränkung sehe die Kommission das Vakzin als gleichermaßen geeignet an wie die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna.

Die Schweizer Zulassungsbehörde "Swissmedic" hatte dem Impfstoff Anfang Februar die Zulassung verweigert . Die bisher verfügbaren Daten reichten für eine Bewertung von Nutzen und Risiken noch nicht, argumentierte die "Swissmedic" und forderte weitere Studien von Astrazeneca. Auch die US-amerikanische FDA hatte eine Zulassung des Impfstoffs von Astrazeneca zunächst verweigert.

rei/Reuters/DPA
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