Buchtipp "Very Important People" Wie die Partynächte der Schönen und Reichen funktionieren

Soziologin Ashley Mears hat die Partys der Geldelite erforscht. Ihr Buch bietet die seltene Insiderperspektive in eine andere Zeit und Welt.
Inside out: Wissenschaftlerin Ashley Mears arbeitete früher als Model

Inside out: Wissenschaftlerin Ashley Mears arbeitete früher als Model

Nur Ahnungslose glauben, die Partynächte der Reichen und Schönen zwischen den Hamptons und Ibiza seien ein lässiges Vergnügen. Die Soziologin Ashley Mears von der Boston University liefert die Insiderperspektive: Sie hat 18 Monate lang mitgefeiert im "Nikki Beach" in Saint-Tropez, im "Downtown" in Manhattan, in den VIP-Klubs von Miami und dabei die Gesetze der Szene erforscht.

In ihrem Buch seziert sie das Nachtleben als modernes Stammesritual. Das mag zwar keine völlig neue Erkenntnis sein, aber Mears' Report ist durch seine Nähe und Klugheit besonders einprägsam. Wenn asiatische Finanzmagnaten, Oligarchen oder New Yorker Hedgefondsmanager an einem einzigen Abend Hunderte Flaschen teuersten Champagners ordern (die, geleert, als bizarre Pyramiden neben ihren Tischen gestapelt werden) zementieren sie unter ihrer Gefolgschaft Macht und Status: "Im Laufe der Nacht werden aus reichen Männern große Männer." Klubbetreiber und Promoter (sie schleppen junge Frauen an, vorzugsweise Models) inszenieren die Partys bis ins kleinste Detail.

Die Rolle der Frauen? Lächeln, tanzen, am Glas nippen: Mit diesen marginalen Aktivitäten kreieren sie, so Mears, "enorme symbolische und ökonomische Ressourcen" für die Big Spender, verdienen allerdings selbst nicht mit.

Mears bezeichnet die Klubs als Teil der "experience economy", die Werte erzeugt, indem sie Werte verbrennt. Wer mitfeiern will, braucht auch als Mann den richtigen Look - nur superreiche "Wale" dürfen immer rein. Wie Mears Zutritt erhielt? Sie war früher selbst Model.

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