Zinswende in USA Fed erhöht Zinsen - die Zinswende ist da

Die Fed hat mit ihrer ersten Leitzins-Erhöhung seit fast zehn Jahren das Kapitel "Finanzkrise" beendet. Risiken bleiben jedoch. Deshalb verspricht Fed-Chefin Yellen, weiterhin vorsichtig zu sein - Dow und Dax legen zu.
Von mm-newsdesk
Fed-Chefin Janet Yellen: Erste Zinserhöhung seit fast 10 Jahren

Fed-Chefin Janet Yellen: Erste Zinserhöhung seit fast 10 Jahren

Foto: JONATHAN ERNST/ REUTERS

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erhöht nach sieben Jahren extrem billigen Geldes erstmals wieder ihre Leitzinsen. Die kurzfristigen Zinsen steigen um zunächst 0,25 Prozentpunkte auf ein Niveau zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Dies teilte der Offenmarkt-Ausschuss der Fed nach seiner Dezember-Sitzung am Mittwoch in Washington mit. Der Beschluss der Notenbanker fiel einstimmig. An der Börse reagierten die Indizes mit deutlichen Kursgewinnen. Der US-Leitindex Dow Jones (Kurswerte anzeigen) legte nach der Zinsentscheidung um 1,3 Prozent zu und stieg über die Marke von 17.700 Zählern, während der deutsche Leitindex Dax (Kurswerte anzeigen) bereits im nachbörslichen Handel am Mittwoch um 1,7 Prozent kletterte und die Marke von 10.600 Punkten übersprang. Am Donnerstag setzte der Dax seine Erholung fort.

Ausblick von Janet Yellen erfreut Anleger - "Fed wird vorsichtig vorgehen"

Fed-Chefin Janet Yellen hat nach der ersten Leitzinsanhebung seit der Krise weitere "graduelle" Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Die Zinsen sollten schrittweise steigen, sagte Fed-Präsidentin Janet Yellen am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Washington. Ein einfaches Kriterium, an dem weitere Schritte festgemacht werden könnten, gebe es aber nicht. Ohne eine Verminderung der geldpolitischen Stütze gäbe es die Gefahr, dass die Wirtschaft überschieße.

Der erste, nun gemachte Schritt sollte nicht überbewertet werden, sagte Yellen. Es handele sich um eine kleine Zinserhöhung. Die Fed werde die Märkte genau beobachten und auch künftig vorsichtig vorgehen.

"Beträchtliche wirtschaftliche Fortschritte"

Reaktion der Fed auf "beträchtliche wirtschaftliche Fortschritte"

Mit der Entscheidung, die Zinsen anzuheben, habe die Fed auf "beträchtliche wirtschaftliche Fortschritte" reagiert, sagte Yellen. Am Arbeitsmarkt und insbesondere bei der Lohnentwicklung habe es bedeutende Verbesserungen gegeben. Die langfristigen Inflationserwartungen seien übewiegend stabil, wenn auch der starke Dollar und die niedrigen Ölpreise auf die Teuerungsrate drückten.

Erste Zinserhöhung seit 2006

Zuletzt hatte es 2006 eine Erhöhung der Leitzinsen in den USA gegeben. Danach senkte die Notenbank den Zins schrittweise bis auf nahe Null, um den Folgen der Finanzkrise zu begegnen. Sie beließ ihn lange dort. Nach einer Erholung der US-Wirtschaft und der Vorlage stabiler Daten vom Arbeitsmarkt sah die Fed den Moment für eine Wende hin zu einer Normalisierung ihrer Geldpolitik gekommen.

Die Entscheidung war in aller Welt mit Spannung erwartet worden. Die Zinspolitik der USA hat weitreichende Bedeutung. Sie beeinflusst den Kurs des Dollars. In der US-Währung werden viele internationale Geschäfte abgewickelt. Zahlreiche Rohstoffpreise werden in Dollar errechnet, Finanzanlagen in Dollar gehalten.

Zinsschere: Zinsen in Europa werden noch lange nahe Null bleiben

Offenmarktausschuss sieht Verbesserung des US-Arbeitsmarktes

Der Offenmarktausschuss sei zu der Erkenntnis gekommen, dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt dieses Jahr noch einmal erheblich verbessert habe, hieß es in einer Mitteilung der Notenbank. Die Arbeitslosenquote ist von über zehn Prozent inmitten der Finanzkrise auf zuletzt fünf Prozent gesunken, im November kamen über 200 000 neue Stellen hinzu. Der Ausschuss sei auch überzeugt, dass sich die Inflation - derzeit durch niedrige Energie- und Lebensmittelpreise gedrückt - wieder der Zielmarke von zwei Prozent annähere.

Zinsen in Europa werden noch lange nahe Null bleiben

Für die Geldpolitik in Europa werden von der US-Entscheidung keine unmittelbaren Konsequenzen erwartet. "Die erste Straffung der US-Leitzinsen seit dem Jahr 2006 markiert sicher einen historischen Wendepunkt, das allgemeine Zinsniveau wird sich dadurch aber kaum ändern", sagte der Chefvolkswirt des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, Klaus Wiener, nach der Bekanntgabe des Fed-Beschlusses. "

Die Kapitalmarktzinsen im Euroraum werden im Gegensatz zu den USA wohl noch für lange Zeit auf ihrem extrem niedrigen Niveau verharren - dafür sprechen das schwache Wachstum und die niedrige Inflation in der Eurozone.

Experten sagten in ersten Reaktionen auf die Zinswende:

Deutsche Bank: "Das offizielle Ende der globalen Finanzkrise"

"Ende der Finanzkrise - Auftakt zur Normalisierung der Geldpolitik"

David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt der Deutschen Bank: "Die heutige Entscheidung der Fed, die Zinsen zum ersten Mal seit fast zehn Jahren zu erhöhen, ist ein historischer Moment. Die Zinsanhebung markiert das offizielle Ende der globalen Finanzkrise für die USA und bildet den Auftakt zu einer Normalisierung der amerikanischen Geldpolitik. Dieser Schritt wurde allgemein erwartet. Vor dem Hintergrund, dass auf dem US-Arbeitsmarkt nahezu Vollbeschäftigung herrscht und im kommenden Jahr ein Anstieg der Inflation erwartet wird, war eine Anhebung der Zinsen längst überfällig.

Diejenigen, die die Zinsanpassung kritisch sehen, lassen außer Acht, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durchaus Zinssätze zwischen zwei und drei Prozent und eine Fed-Bilanz ohne Überschussreserven rechtfertigen - eine Zinspolitik, die weit entfernt vom Krisenmodus ist, der selbst heute noch dominiert."

Commerzbank: "Der Dollar dürfte deutlich aufwerten"

"Der Dollar dürfte deutlich aufwerten"

Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank: "Der Lohnanstieg sollte sich wegen der niedrigen Arbeitslosenquote allmählich beschleunigen, so dass die Fed ihren Leitzins im kommenden Jahr weiter anheben wird. Wir erwarten bis Ende 2016 drei Zinserhöhungen auf dann 1,25 Prozent. Spätestens nach der zweiten Erhöhung wird der Markt seine Erwartung von nur sporadischen Zinserhöhungen aufgeben. Dann dürfte der Dollar deutlich aufwerten, worauf die Fed mit einer kurzen Zinserhöhungspause reagieren dürfte."

IfW: "Preisblasen an Aktienmärkten werden sich zurückbilden"

"Preisblasen an Anleihe- und Aktienmärkten werden sich zurückbilden"

Stefan Kooths, Institut für Weltwirtschaft: "Klar ist, dass sich im Zuge der Normalisierung des Zinsniveaus die Preisblasen an Anleihe-, Aktien- und Immobilienmärkten zurückbilden werden. Bei diesem Prozess lauern erhebliche Gefahren eines sprunghaften Verlaufs, nicht zuletzt auch für die Devisenmärkte und die in US-Dollar verschuldeten Schwellenländer. Es nützt aber nichts, aus Furcht davor den Ausstieg aus der ultra-expansiven Zentralbankgeldversorgung immer weiter hinauszuzögern.

Je länger die künstlich niedrigen Zinsen bestehen bleiben, umso mehr Verzerrungen entstehen und desto schmerzhafter würde eine noch spätere Korrektur. Von einer Normalisierung ist die US-Geldpolitik immer noch meilenweit entfernt. Entscheidend wird jetzt sein, wann die Marktteilnehmer den nächsten Schritt erwarten."

"Ein großer Schritt für das Finanzsystem"

"Ein großer Schritt für das Finanzsystem"

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank: "Ein kleiner Schritt für die Fed, aber ein großer für das Finanzsystem. Zwei Botschaften verbinden sich mit der Zinswende. Zum ersten begräbt damit die Fed symbolisch die Finanz- und Bankenkrise von 2008. Und zum zweiten schürt diese Zinswende die Hoffnung, dass auch in Euro-Land eine Umkehr bei den Zinsen irgendwann möglich ist, selbst wenn dies noch zwei oder drei Jahre hin sein sollte."

Zinsniveau in 2 Jahren: Der Dot Plot der Fed

la/reuters/mmo
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