Mittwoch, 13. November 2019

Online-Modehändler Neue Verpackung, weniger Retouren - wie Zalando den CO2-Ausstoß vermindern will

Zalando: Weniger Abfall, weniger Retouren, mehr gebündelte Lieferungen

Der Online-Händler Zalando Börsen-Chart zeigen will mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen. Das Berliner MDax -Unternehmen verpflichtet sich für das eigene Geschäft sowie für Lieferungen und Retouren zur Klimaneutralität, wie Zalando am Mittwoch mitteilte. Dazu gehören den Angaben zufolge vom Unternehmen betriebene Gebäude, Pakettransporte sowie Verpackungen.

Verpackungen sollen bis 2023 so gestaltet werden, dass sich Abfälle verringern und Materialien häufiger wiederverwenden lassen. Bis 2023 will Zalando außerdem auf Einwegplastik verzichten. Zalando hatte im vergangenen Geschäftsjahr damit zu kämpfen, dass Bestellungen immer kleiner wurden, was höhere Paket- und Transportzahlen zur Folge hatte.

Ab sofort würden alle CO2-Emissionen kompensiert, sagte Zalando-Vorstandschef Rubin Ritter (37) in Berlin. Der E-Commerce-Händler präsentierte am Mittwoch vor Analysten und Journalisten umfassende Schritte, die das Management vorantreiben will - wie zum Beispiel Paket-Auslieferungen per elektrischer Flotte oder die Umstellung auf mehr Ökostrom.

Angesprochen auf Zalandos Wachstumsziele sagte Ritter, Nachhaltigkeit sei entscheidend, um das Unternehmen langfristig gut aufzustellen zu können. Aber: "Es wird kurzfristige Kompromisse geben müssen", so Ritter, und das könne die Profitabilität betreffen.

Lieferungen bündeln, Abholstationen stärken

Bis 2023 will das Unternehmen Einwegplastik komplett aus seinen Verpackungen eliminieren. Zalando versucht Vieles in Pilotprojekten: Lieferungen werden gebündelt und nicht mehr in mehreren Pakten verschickt. Die Bestellungen werden zu bestimmten Abholstationen gebracht, um mehrfache Zustellversuche zu stoppen.

Genauere Passform-Angabe soll Retouren senken

Um Retouren zu reduzieren, arbeitet das Unternehmen daran, die Größenangaben zu verbessern. Ein Drittel der Rücksendungen liege an der falschen Passform. Wie hoch die CO2-Emissionen der Retouren insgesamt sind, sagt Zalando nicht.

Viel wegschmeißen würde Zalando nicht, heißt es von einer Sprecherin: 97 Prozent der Retouren würden wieder aufbereitet und via Zalando verkauft. Knapp drei Prozent gingen in die Rabattkanäle Zalando Lounge oder in die Outlets. Was dann übrig bleibe, würde gespendet und weniger als 0,05 Prozent der Ware würde vernichtet, beispielsweise bei Schimmelbefall.

Schärfere Vorgaben für Partnerunternehmen

Auch bei Partnerunternehmen will Zalando genauer hinsehen. Das Unternehmen fährt eine Strategie hin zum Plattformunternehmen: Zalando bietet die technische Plattform; Marken können diese nutzen, um ihre Ware zu verkaufen. Für die Partnerunternehmen will Zalando bis 2023 verstärkte Regeln erarbeiten, welche Standards eingehalten werden müssen - und sich sonst auch von Partnern trennen.

Bei der Beurteilung sei man aber "von guten Informationen der Partnermarken abhängig", so David Schneider (37), Vorstand und Gründer von Zalando.

Nachhaltigkeit als Wachstumsstrategie

Zalando hat zum Ziel, bis zum Jahr 2020 zehn Milliarden Euro Außenumsatz (GMV) zu erzielen. Laut Ritter wachse auch das Segment der nachhaltigen Mode stark und werde voraussichtlich in diesem Jahr 260 Millionen Euro Außenumsatz erreichen - zehn Mal mehr als zwei Jahre zuvor.

Ein Trend, den Zalando scheinbar nicht verpassen will. Denn auch das Topmanagement wird mit neuen Konsumgewohnheiten der nachwachsenden Generationen konfrontiert.

Vorstand David Schneider sagte über seine neunjährige Tochter, sie bestelle zwar gerne bei Zalando. "Aber sie beschwert sich über das Plastik."

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