Mögliche Elefantenhochzeit von HP und Xerox Wie aus zwei wankenden Riesen eine Erfolgsstory werden soll

Logos von HP und Xerox: Die beiden US-Ikonen prüfen eine Fusion

Logos von HP und Xerox: Die beiden US-Ikonen prüfen eine Fusion

Foto: AFP; picture alliance/XEROX/EPA/dpa

Sie sind bekannte Haushaltsnamen mit jahrzehntelanger Historie, tausenden Beschäftigen und haben eines gemeinsam: Ein schrumpfendes Traditionsgeschäft. Dennoch scheint der US-Druckerhersteller Xerox Gefallen am Plan zu finden, mit seinem Konkurrenten HP zusammenzugehen.

Jedenfallls denkt die im US-Staat Connecticut beheimatetet Xerox Holding laut einem Bericht des "Wall Street Journals"  darüber nach, HP zu kaufen - das Computer- und Druckergeschäft, das nach der Abspaltung des Unternehmens- und Dienstleistungsgeschäftes vor einigen Jahren vom einstigen Traditionskonzern HP übrig geblieben ist. Doch auch der verbleibende Rest der einstigen US-Ikone ist mit einer Marktkapitalisierung vom rund 27 Milliarden Dollar noch ein stolzer Brocken - und mehr als drei Mal so groß wie Xerox.

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Eine Finanzierungszusage einer großen Bank soll sich Xerox schon gesichert haben. Ob die Übernahme tatsächlich zustande kommt, ist zum aktuellen Zeitpunkt aber noch völlig unklar. Ebenso die Details eines möglichen Deals.

Doch eine Übernahme könnte für Xerox durchaus Charme haben. Denn beide Traditionsunternehmen sind in einem schwierigen Umfeld unterwegs. Das Geschäft mit Druckern schrumpft und wird immer weniger lukrativ, weil viele Kunden ihre Tintenpatronen mittlerweile im Internet kaufen - und immer häufiger auf billige No-Name-Produkte setzen. Angesichts der Tatsache, dass es lange vor allem die Patronen waren, die das Geschäft lukrativ machten und die Marge bei den Druckern selbst traditionell eher gering ist, ein beträchtliches Problem.

Entsprechend schrumpfen die Erträge. HPs Druckergeschäft sei wie ein "schmelzender Eiswürfel", brachten es Analysten von Sanford C. Bernstein auf den Punkt. HP versucht mit neuen Preis-Modellen entgegenzusteuern. Und spart auch kräftig in den eigenen Reihen: Im Oktober kündigte HP ein weitreichendes, rund eine Milliarde teures Restrukturierungsprogramm an, in dessen Zuge der Konzern 16 Prozent seiner Beschäftigten abbauen will.

Wo HP Xerox nutzen könnte

HPs schwierige Situation schlägt sich auch im Börsenwert nieder: Binnen Jahresfrist hatte die Aktie des PC- und Druckerherstellers zuletzt bis zu 30 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Was sie für Xerox zum attraktiven Schnäppchen machen könnte.

Zwar soll Xerox laut "WSJ"  bereit sein, bei seiner Bewertung über den aktuellen Börsenwert zu gehen. Doch auch Xerox steht vor massiven Umbrüchen, bei denen sich ein Zusammengehen mit HP als hilfreich erweisen könnte.

Auch bei dem 1906 gegründete Druckerhersteller, dessen Firmenname in den USA zum Teil als Synonym für "kopieren" steht, schrumpfen die Umsätze. Und das Unternehmen, das den meisten Umsatz mit der Vermietung und Wartung großer Drucker und Kopierer macht, hat sich gerade von einem 57 Jahre alten Joint Venture mit Fujifilm verabschiedet.  Ein Joint Venture, über das der Druckerhersteller Jahrzehntelang seine Produkte im asiatischen und pazifischen Raum vertrieben hatte.

Das Ende der Partnerschaft spült Xerox 2, 3 Milliarden Dollar in die Tasche und beendet einen länger schwelenden Rechtsstreit. Es reißt aber auch eine massive Vertriebslücke, die zu stopfen teuer, aufwendig und langwierig werden könnte. Hier könnte eventuell die Präsenz von HP für Xerox interessant sein, die unter anderem in China bereits zahlreiche Kooperationen und Niederlassungen betreiben. 

Einen Eindruck, welche Synergien eine vertiefte Zusammenarbeit bringen könnte, haben beide schon gewinnen können. Im Juni verkündeten HP und Xerox bereits eine enge Vertriebskooperation, in dessen Zuge der jeweils eine Produkte beziehungsweise Dienstleitungen des anderen in sein Portfolio aufnahm.

Zukunftswette 3-D-Geschäft

Zum anderen dürfte auch HPs 3-D-Druck Geschäft für Xerox sehr attraktiv sein. Bislang sind die Umsätze daraus zwar noch gering. Doch HP hat es im Businessbereich in die Top-Liga geschafft - ein Segment, dass sich nach Einschätzung von Experten zu einem massiven Ertragbringer entwickeln könnte.

Rund zwei Milliarden, schreibt das "WSJ" unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen, könnten an Synergien für die beiden drin sein.

Eine valide Zukunftsstrategie sind solche Einsparungen nicht. Das ist auch dem von Xerox-Investor Carl Icahn eingesetzten CEO John Visentin bewusst. Visentin, der das Unternehmen seit etwas über einem Jahr leitet, will das Traditionsgeschäft nutzen, um Xerox mit Innovationen zukunftsfähig zu machen.

Neben dem noch verhältnismäßig kleinen, aber potenziell extrem lukrativen 3D-Druck-Geschäft entwickelt Xerox dabei Anwendungen im Bereich der künstlichen Intelligenz, die in der Medizindiagnostik oder zur Überwachung öffentlicher Infrastruktur genutzt werden können.

Dass es hier auf Geschwindigkeit ankommt, da macht Visentin sich keine Illusionen. Womöglich könnte daher auch eine mögliche HP-Übernahme schnell über die Bühne gehen.

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