Microsoft-Gründer Wo Bill Gates' Microsoft-Milliarden heute stecken

Bill Gates ist nicht mehr der größte Microsoft-Aktionär. Am Ranking der reichsten Menschen ändert dies jedoch nichts. Schließlich hat Gates seine Milliarden gezielt investiert - auch in Deutschland. Ein Überblick.
Von Kristian Klooß
Bill Gates: Der Software-Milliardär, Investor und Philanthrop verkauft im Schnitt 80.000 Microsoft-Aktien - pro Börsentag

Bill Gates: Der Software-Milliardär, Investor und Philanthrop verkauft im Schnitt 80.000 Microsoft-Aktien - pro Börsentag

Foto: LUCAS JACKSON/ REUTERS

Hamburg - Wer an Bill Gates denkt, denkt an Microsoft. Und wer an den Softwarekonzern denkt, bringt ihn noch immer mit Bill Gates in Verbindung. Dennoch gehören Gates und Microsoft nicht mehr so eng zusammen, wie mancher glauben mag - für Gates gibt es ein Leben außer Software.

Der reichste Mann der Welt twittert zum Beispiel häufiger über Entwicklungshilfe in Afrika als über die Zukunft des Cloud Computings. Und auch als Microsoft-Aktionär hat sich der Konzernmitgründer weitgehend zurückgezogen. Seit Jahren verkauft er Quartal für Quartal im Schnitt fünf Millionen Anteilsscheine, rund 80.000 an jedem Börsentag.

Dies hat jetzt dazu geführt, dass der 58-Jährige nicht mehr der größte Einzelaktionär des IT-Giganten ist.

Größte Anteilseigner: Ballmer vor Gates

Gates hält derzeit noch 330 Millionen Aktien von Microsoft , was einem Börsenwert von rund 13,1 Milliarden Dollar entspricht. Größter Aktionär des Konzerns ist inzwischen der im Februar zurückgetretene Ex-CEO Steve Ballmer, der aktuell 333 Millionen Microsoft-Aktien hält. Knapp dahinter folgen institutionelle Investoren wie Vanguard, State Street und Blackrock.

Für Gates macht dies finanziell indes keinen Unterschied. Denn auch jenseits von Microsoft weiß er, wie er sein Geld vermehren kann. Das zeigt nicht zuletzt das jährliche Ranking der reichsten Menschen der Welt, dass der Milliardär und Philanthrop seit diesem Jahr wieder anführt.

Mit einem von Bloomberg geschätzten Vermögen von 77,1 Milliarden Dollar (55,6 Milliarden Euro) liegt Gates aktuell vor dem mexikanischen Telekommunikationsunternehmer Carlos Slim und dem spanischen Textilmagnaten Amancio Ortega.

Doch wenn nur noch gut ein Sechstel des Reichtums von Bill Gates seinem Microsoft-Aktienbesitz entspringt, woher stammt dann der Rest?

Gates' Vermögen: Cascade und die Blue Chips

Ein Großteil von Gates Vermögen liegt vor allem in jener Investmentgesellschaft, die Bill Gates 1994 gegründet hat: Cascade. In ihr lässt der Multimilliardär seit zwei Jahrzehnten seine Beteiligungen jenseits von Microsoft verwalten - und das denkbar konservativ. Für diesen Konservativismus steht der Portfoliomanager Michael Larson, ein Value-Investor vom Schlage Warren Buffetts.

Unter den Ende 2013 verzeichneten 22 Beteiligungen der Gesellschaft - Gesamtwert rund 21,1 Milliarden Dollar (15,2 Milliarden Euro) - befindet sich das Who-is-Who der amerikanischen Industrie. Darunter Aktien von Coca-Cola  (Gesamtwert: 1,4 Milliarden Dollar), McDonald's  (1,1 Milliarden Dollar), der Kaufhauskette Wal-Mart  (914 Millionen Dollar), des Baumaschinenherstellers Caterpillar  (1,17 Milliarden Dollar) und des Mineralölkonzerns Exxon Mobil  (879 Millionen Dollar).

Gates' Stiftung und Buffetts Erbe

Einer der größten Posten im Portfolio von Bill Gates ist zudem der Mischkonzern Berkshire Hathaway . Die gut 82 Millionen Aktien (Wert: 10,5 Milliarden Dollar) gehen auf die so genannte Zustiftung des Multimilliardärs Warren Buffett zurück.

Buffett gab 2006 bekannt, dass er bis zu seinem Tode 85 Prozent seines Vermögens an die Bill & Melinda Gates Foundation verschenken werde. Die Stiftung - derzeitiges Vermögen: gut 40 Milliarden Dollar (30 Milliarden Euro) - widmet sich unter anderem der Bekämpfung der wichtigsten Krankheiten in Entwicklungsländern sowie der Förderung von Bildungsprojekten.

In den vergangenen Jahren überschrieb Buffett jeweils Aktien im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar an die von Gates gegründete Stiftung beziehungsweise an den von ihr verwalteten Investmentfonds, der ebenfalls von Gates Vermögensmanager Michael Larson verwaltet wird.

bgC3 und die Startups des Milliardärs

Das Geld von Bill Gates fließt überdies immer öfter in Startups. Zählte das US-Blog Crunchbase 2011 noch drei solche Beteiligungen, waren es 2012 vier und 2013 sechs. Darunter vor allem Unternehmen, die sich auf Medizintechnik (Nimbus Discovery, Schrodinger, Foundation Medicine) oder Energiegewinnung (Varentec, TerraPower, Ambri, Aquion) konzentrieren.

Aquion zum Beispiel entwickelt eine Batterietechnik zur Serienreife, die Natrium-Ionen statt Lithium-Ionen nutzt und damit doppelt so lange Akkulaufzeiten erreichen will wie herkömmliche Batterien. 55 Millionen Dollar haben Gates und einige andere Investoren dem Startup zur Verfügung gestellt. Einer der ersten Abnehmer der Akkus ist der deutsche Siemens-Konzern.

Mit einem deutschen Startup ist Gates ebenfalls eng verknüpft. Researchgate heißt das 2008 in Hannover gegründete und auf Forscher spezialisierte soziale Netzwerk, in das der Multimilliardär im vergangenen Sommer gemeinsam mit weiteren Investoren 35 Millionen Dollar investiert hat. Für seine Investitionen in Wissenschaft, Forschung und Innovationen dient Gates' meist das Investmentvehikel bgC3, das einerseits als Think Tank und andererseits als Holding seiner Beteiligungen dient.

Kritik am reichsten Philanthropen der Welt

Doch nicht alles, was der reichste Philanthrop der Welt anfasst, kommt an. Zwar schließt die Bill & Melinda Gates Stiftung Investitionen etwa in Tabakkonzerne aus, weil dies offenkundig mit dem Ziel kollidiert, die weltweite Gesundheit zu fördern. Gleichzeitig ist Gates mit seiner Investmentgesellschaft unter anderem an Ölkonzernen wie BP und Exxon oder Fastfoodförderern wie Coca-Cola und McDonald's beteiligt. Kritik zog die Stiftung auch durch die Zusammenarbeit mit dem Saatgutkonzern Monsanto  auf sich, dessen Patente auf Pflanzen umstritten sind.

Eine Welle der Kritik schwappte der Bill & Melinda Gates Stiftung auch entgegen, als kürzlich bekannt wurde, dass 110 Millionen Pfund (134 Millionen Euro) des Stiftungsvermögens in einer Beteiligung am britischen Sicherheitskonzern G4S stecken. G4S verkauft Sicherheitsdienstleistungen und Ausrüstung für israelische Gefängnisse.

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Die Reichsten der Reichen: Die globale Geldelite auf einen Blick

Foto: Pascal Le Segretain/ Getty Images




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