WM-Pokal, Olympia-Gold, Masters-Jackett Was die begehrtesten Trophäen der Sportwelt wert sind

Andreas Brehme mit Thomas Häßler (rechts) und WM-Pokal

Andreas Brehme mit Thomas Häßler (rechts) und WM-Pokal

Foto: Frank Kleefeldt/ dpa

Wenn der Weltmeister-Kapitän am Abend des 15. Juli die goldene Trophäe in den Moskauer Abendhimmel reckt, sollte er den Moment besser genießen - viel mehr Zeit bleibt dem neuen Weltmeister mit dem echten Pokal nicht.

Nach der Feier auf dem Platz graviert die Fifa zwar den Landesnamen auf den Pokal, sackt die 36,8 Zentimeter hohe und 6,1 Kilogramm schwere Trophäe aber auch gleich wieder ein. Der neue Weltmeister erhält eine Replik - drei davon stehen mittlerweile im Fußballmuseum in Dortmund (1954 hatten Fritz Walter und Co. noch den "Coupe Jules Rimet" überreicht bekommen, der heute verschollen ist).

Was die Original-Trophäe (aus 18-karätigem Gold) und die Nachbildungen (laut Medienberichten aus vergoldeter Bronze) wert sind, verrät die Fifa auf Nachfrage nicht. Zur WM 2014 hatte die "Welt"  zumindest den Materialwert des WM-Pokals errrechnet. 1974, als der Pokal erstmals vergeben wurde, hätten 3,675 Kilogramm Gold etwa 24.224 Euro gekostet - beim heutigen Goldpreis (Stand Anfang Juni 2018) müsste der Weltfußballverband gut 130.891 Euro ausgeben. Den Sammlerwert beziffern einige Quellen, etwa der US-TV-Sender NBC , hingegen ihn auf bis zu 20 Millionen Dollar (gut 17 Millionen Euro).

War der WM-Pokal mit gut 24.000 Euro Materialkosten eher günstig? Oder eher teuer und damit zurecht dauerhaft unter Verschluss im Weltfußballmuseum der Fifa? Wir blicken auf die begehrtesten Trophäen im Weltsport:

Der verschollene Vorgänger des WM-Pokals

In den späten 60er Jahren ein Star in Großbritannien: der Hund Pickles (links)

In den späten 60er Jahren ein Star in Großbritannien: der Hund Pickles (links)

Foto: Getty Images

Der Verbleib des ersten Fußball-Weltmeister-Pokals, des "Coupe Jules Rimet", gehört zu den großen Rätseln des Weltsports. Nachdem Brasilien die goldene Statue nach dem dritten Weltmeistertitel 1970 hatte behalten dürfen, brachen 1983 Diebe in das Hauptquartier des Verbands in Rio ein, um das gute Stück einzuschmelzen und zu verkaufen. So lautet zumindest die offizielle Version der Geschichte.

Deutschlands Weltmeister mit dem Coupe Jules Rimet (zum Vergrößern klicken)

Deutschlands Weltmeister mit dem Coupe Jules Rimet (zum Vergrößern klicken)

Foto: Richard Kroll/ picture alliance / Richard Kroll/dpa

Bereits knapp 20 Jahre vorher, zur Weltmeisterschaft 1966 in England, hatte ein Diebstahl der Trophäe Furore gemacht - und einem schwarz-weißen Collie zu Weltruhm verholfen. Im März jenes Jahres hatten Diebe bei einer Ausstellung der Trophäe in Westminster das gute Stück entwendet; Collie "Pickles" fand sie eine Woche später in einem Gebüsch in Südlondon. Sein Halter David Corbett brachte das in Zeitungspapier eingewickelte Paket zur Polizei: "Ich hab' es auf den Tisch geknallt und gesagt: 'Ich glaube, ich habe den WM-Pokal gefunden'", sagte Corbett 50 Jahre später der "BBC" . "Der Polizist guckte mich und die Trophäe an und sagte dann: 'Sie sieht nicht sonderlich WM-pokalig aus.'"

Was wäre die Trophäe heute wert? Mindestens 254.000 Pfund - zumindest zahlte die Fifa selbst 1997 diese Summe, als das Auktionshaus Sotheby's eine offizielle Replik des Coupe Jules Rimet verkaufte. Englands Fußballverband hatte diese nach dem Raub für die Übergabe nach dem WM-Finale anfertigen lassen, um nicht erneut vor aller Welt blamiert zu werden.

Die "Was wäre"-Frage ist auch deshalb interessant, weil verschiedene Experten mittlerweile am Einschmelz-Schicksal der Statue zweifeln. Selbst die brasilianische Polizei, Urheberin der ursprünglichen Version, habe sich mittlerweile von ihr distanziert, schreibt etwa Financial-Times-Journalist Simon Kuper - laut eigener Aussage forscht er seit Jahren zum Schicksal des Pokals.

Meisterschale und DFB-Pokal

Otto Rehhagel mit Meisterschale (Archivaufnahme 1998)

Otto Rehhagel mit Meisterschale (Archivaufnahme 1998)

Foto: Bongarts/ Bongarts/Getty Images

In ihrem ersten Jahr, 1949, durchmaß sie 50 Zentimeter; weil jeder deutsche Fußballmeister seit dem Jahr 1903 auf ihr Platz finden muss, ist sie mittlerweile auf knapp 60 Zentimeter angewachsen: Wie viele Pokale der Sportwelt wächst Deutschlands Meisterschale mit ihren Aufgaben.

"Für die ursprüngliche deutsche Meisterschale wurden Materialien im Wert von circa 9000 Euro verarbeitet", heißt es beim Deutschen Fußballbund: 5,5 Kilogramm Sterlingsilber und fünf große und elf kleine Turmalinsteine. Aktuell beziffert der DFB den Wert der Meisterschale auf etwa 25.000 Euro.

Übertroffen wird die Schale vom DFB-Pokal. Dessen Wert werde von Kunstexperten aktuell auf etwa 35.000 Euro taxiert, so der DFB - er besteht ebenfalls aus Sterlingsilber, bringt aber ein knappes Kilogramm mehr auf die Waage und ist vergoldet. Auch auf dem Pokal werden seine Sieger verewigt - zuletzt wurde dafür im Jahr 1991 die Sockelfläche vergrößert, sie soll nun bis zum Jahr 2020 reichen.

Die Mütter aller Fußball-Pokale

Arsenals jüngst zurückgetretener Trainer Arsene Wenger mit dem FA Cup (Archivaufnahme 2017)

Arsenals jüngst zurückgetretener Trainer Arsene Wenger mit dem FA Cup (Archivaufnahme 2017)

Foto: LEE SMITH/ Action Images via Reuters

Seit 1871 wird der FA Cup ausgespielt. Er ist damit das älteste immer noch bestehende Fußballturnier der Welt. Die älteste Trophäe stellt die FA dabei allerdings nicht - sie ist laut "Guinness World Records" einige hundert Kilometer weiter nördlich zuhause: Der Gewinner des Scottish Cup bekommt seit 1874 dieselbe Trophäe überreicht. Zum Verkauf steht dieses historische Artefakt natürlich nicht; versichert ist sie laut "Scotsman"  allerdings für etwa zwei Millionen Pfund.

Auch der FA Cup kann in siebenstellige Gefilde vorstoßen: Im Jahr 2016 hatte ein Silber- und Antiquitätenexperte  den Wert der dritten FA-Cup-Trophäe, die zwischen 1911 und 1992 zum Einsatz kam, auf über eine Million Pfund taxiert.

Olympische Gold- und Silbermedaillen

Deutschlands Fast-Olympioniken Frank Mauer, Danny aus den Birken und Yannic Seidenberg (von links)

Deutschlands Fast-Olympioniken Frank Mauer, Danny aus den Birken und Yannic Seidenberg (von links)

Foto: Bruce Bennett/ Getty Images

Die olympischen Goldmedaillen von Pyeongchang mögen mit 586 Gramm die schwersten der Sportgeschichte  gewesen sein - die teuersten waren sie nicht. Etwa 570 Dollar Materialwert hätten die Goldmedaillen für die Sieger laut Spot-Preisen Anfang des Jahres gehabt, schreibt "Forbes" ; bei den Spielen 2012 in London seien es 708 Dollar gewesen. Ursache der Preisdifferenz: der Weltmarktpreis für Gold - und der Goldgehalt der Medaillen.

Einen besseren Überblick über den Wert olympischer Medaillen geben allerdings die Beträge, die Menschen tatsächlich bereit sind, für sie auf den Tisch zu legen. Üblicherweise brächten Goldmedaillen zwischen 20.000 und 50.000 Dollar bei Auktionen, zitiert "Time" einen Auktionator ; silberne erhielten zwischen 10.000 und 30.000 Dollar den Zuschlag, bronzene Medaillen blieben meist vierstellig.

Eine der vier Goldmedaillen, die Jesse Owens bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin gewann, brachte 2013 fast anderthalb Millionen Dollar ein. Owens' Leistungen unter den Augen Adolf Hitlers gehören allerdings zu den absoluten Höhepunkten der olympischen Geschichte.

Vince und Larry - Amerikas Trophäen

Big Friendly German Dirk Nowitzki 2011 mit der NBA-Trophäe

Big Friendly German Dirk Nowitzki 2011 mit der NBA-Trophäe

Foto: TIM SHARP/ REUTERS

Im größten Sportmarkt der Welt werden einige ikonische Trophäen vergeben. Die "Vince Lombardy Trophy", die der Sieger im Super Bowl, dem Endspiel der American-Football-Saison mit nach Hause nimmt, wird in jedem Jahr neu bei Juwelier Tiffany handgefertigt . Ihre sieben Pfund Sterlingsilber sind aktuell etwa 1400 Dollar wert.

Wesentlich teurer sind derweil die Ringe, die die Teams anlässlich des Sieges traditionell an Spieler, Trainer, Betreuer und sogar Busfahrer verteilen. 2015 investierten die New England Patriots knapp 5,5 Millionen Dollar in 150 diamantbesetzte Ringe - jeder kostete damit über 36.000 Dollar . Äußerst selten tauchen sie bei Auktionen auf und erzielen dort entsprechend hohe Preise: Ein Ring von Patriots-Quarterback Tom Brady  brachte im Februar knapp 345.000 Dollar.

Ebenfalls von Tiffany & Co kommt in jedem Jahr die "Larry O'Brien Trophy", oben im Arm von "German Wunderkind" Dirk Nowitzki. Amerikanische Medien schätzen ihren Wert auf 13.500 Dollar. Wie im Football werden auch im Basketball Meisterringe verteilt - auch die NBA-Version taucht gelegentlich bei Auktionen auf sorgt dort dann für sechsstellige Umsätze.

Das wertvollste Jackett des Weltsports

Deutschlands Golf-Heroe Bernhard Langer (rechts) im grünen Master-Siegerjäckchen

Deutschlands Golf-Heroe Bernhard Langer (rechts) im grünen Master-Siegerjäckchen

Foto: Getty Images

Es ist eine der bekanntesten Traditionen im Profigolf: Wer auch immer das Masters-Turnier gewinnt, darf in das grüne Jackett schlüpfen, das eigentlich den Mitgliedern des ausrichtenden Augusta National Golf Clubs vorbehalten ist. Ins Jäckchen hinein hilft dabei traditionell der Gewinner des Vorjahres.

Ein Deutscher hat es bislang in dieses wohl bekannteste Sakko der Sportwelt geschafft: Bernhard Langer gewann gleich zweimal im Augusta National Golf Club - auf dem Foto oben gratuliert 1985 Vorjahres-Gewinner Ben Crenshaw.

Zwar sind Golf-Majors wie das Masters seit langem mit üppigen Preisgeldern dotiert; allein das Siegerjackett kann sich aber bereits positiv auf das Vermögen seines Trägers auswirken. Ein Jackett, das ein Unbekannter in den 90er Jahren für fünf kanadische Dollar in einem Second-Hand-Geschäft in Toronto  erworben hatte, wurde im vergangenen Jahr für knapp 140.000 Dollar versteigert - dabei sollen die grünen Kleidungsstücke nur etwa 250 Dollar in der Herstellung kosten.

Wimbledon: Henkelpott mit Ananas

Darf die Trophäe nicht behalten: Roger Federer 2017 in Wimbledon

Darf die Trophäe nicht behalten: Roger Federer 2017 in Wimbledon

Foto: Adrian DENNIS / AFP

Immer wieder William Renshaw. Weil der Brite im späten 19. Jahrhundert zunächst den Field Cup und später den Challenge Cup dreimal infolge gewonnen hatte und die teuren Trophäen der Turniere damit behalten durfte, fasste der All England Lawn Tennis Club (AELTC) im Jahr 1887 eine bis heute gültige Entscheidung: Die Originale bleiben in Südwest-London, die Sieger bekommen nur noch Imitate.

Immerhin hatte der AELTC viel Geld ausgegeben: 100 Guineen hat laut Club-Angaben  die damals neue Männer-Trophäe gekostet, 50 Guineen seien für den "Rosewater Dish", die Trophäe des Damenturniers, ausgegeben worden.

Die Umrechnung dieser Summen bedarf einer kurzen Einführung ins britische Münzsystem: Guineen wurden über 150 Jahre zwischen 1663 und 1813 geprägt, hielten sich (vor allem in besseren Kreisen) aber noch deutlich länger im kollektiven Gedächtnis. Eine Guinee war ein Pfund und einen Shilling wert - für ein Pfund bekam man wiederum 20 Shillings.

Rechnet man die oben genannten Kaufpreise auf dieser Grundlage in heutige Pfund um, so ergeben sich knapp 12.700 Pfund für den Herrenpokal und gut 6.300 Pfund für die Schale des Damen-Wettbewerbs. Sollten sie tatsächlich verkauft werden, dürften die Trophäen allerdings in ähnlichen Dimensionen rangieren wie der vergleichbar historische FA Cup. Auch die Repliken für die Sieger dürften hohe Preise einbringen: Als Björn Borg 2006 öffentlich darüber spekulierte, seine fünf Wimbledon-Pokale zu verkaufen, erwarteten Experten Gebote von 200.000 bis 300.000 Pfund.

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