Angus Deaton und andere Nobelpreisträger für Wirtschaft Diese 13 Ökonomen sollten Sie kennen

Montagmittag in Stockholm: Bekanntgabe des diesjährigen Wirtschafts-Nobelpreisträgers

Montagmittag in Stockholm: Bekanntgabe des diesjährigen Wirtschafts-Nobelpreisträgers

Foto: AFP

Der britische Ökonom Angus Deaton erhält in diesem Jahr den Wirtschaftsnobelpreis. Das hat die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montagmittag in Stockholm bekannt gegeben.

Deaton, der an der US-Universität Princeton lehrt, werde für seine Analyse von Konsum, Armut und Sozialhilfe gewürdigt, so die Akademie zur Begründung. Ein Thema, dass angesichts zunehmender Ungleichheiten auf der Welt bestens ins Bild zu passen scheint.

Der 69-jährige Wissenschaftler reiht sich damit ein in eine Galerie renommierter Ökonomen, die die Auszeichnung bereits vor ihm erhielten. Hier die bemerkenswertesten Wirtschaftsnobelpreisträger der vergangenen Jahre:

Jean Tirole - der Mann, der Nestlé, Ikea und Co. bändigte

Kampf gegen Marktriesen: Der Franzose Jean Tirole erhielt den Nobelpreis im vergangenen Jahr

Kampf gegen Marktriesen: Der Franzose Jean Tirole erhielt den Nobelpreis im vergangenen Jahr

Foto: ERIC CABANIS/ AFP

Nestlé , Ikea, Microsoft , Google  - in vielen Bereichen der Weltwirtschaft dominieren heute wenige besonders große Konzerne. Klar, dass das für die Gesellschaft und die Verbraucher nicht nur Vorteile mit sich bringt. Aufgrund ihrer Marktmacht können solche Großunternehmen vielmehr oft Preise bestimmen und kleinere Konkurrenten beinahe nach Belieben auf Distanz halten.

Die Forschung des Franzosen Jean Tirole, für die er im vergangenen Jahr mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet wurde, hat daher einen starken praktischen Bezug: Der Wissenschaftler von der Universität Toulouse hat analysiert, wie Regierungen und Behörden Großkonzerne im Zusammenhang mit Fusionen und Kartellbildungen behandeln können, um einen Schaden von der Volkswirtschaft fernzuhalten.

Der Preis handele vom "Zähmen mächtiger Firmen", sagte der Sekretär der Wissenschaftsakademie in Stockholm vor einem Jahr bei der Bekanntgabe der Auszeichnung. Der Franzose sei "einer der größten lebenden Ökonomen".

Fama, Hansen, Shiller - drei Preisträger, von denen zwei einander widersprechen

Nicht immer einer Meinung: Eugene Fama, Lars Peter Hansen und Robert Shiller (v. l.)

Nicht immer einer Meinung: Eugene Fama, Lars Peter Hansen und Robert Shiller (v. l.)

Foto: AFP

Für große Diskussionen sorgte die Vergabe des Wirtschaftsnobelpreises 2013. Dabei drehte sich die Kontroverse im Kern um die Frage, inwieweit die Preisbildung auf Märkten vorhersagbar ist oder nicht. Als Beispiel-Handelsplatz bietet sich - wie in den Wirtschaftswissenschaften häufig - der Aktienmarkt an, der allgemein als besonders transparent und liquide und damit idealtypisch gilt.

Wie ist es also mit den Aktienkursen? Besitzen alle Marktteilnehmer zu jeder Zeit alle verfügbaren Informationen, und stecken damit alle möglichen verfügbaren Informationen auch zu jeder Zeit in jedem Aktienkurs? Der US-Forscher Eugene Fama, der 2013 zusammen mit seinen Landsleuten Lars Peter Hansen und Robert J. Shiller ausgezeichnet wurde, glaubt, dass es so ist. Fama zufolge ist es daher unmöglich, eine Kursentwicklung vorherzusagen, denn dazu müsste jemand einen Informationsvorsprung haben.

Vor allem viele Privatanleger dürften Fama zustimmen: Sie können sich meist nur darüber wundern, wie sich die Kurse an der Börse entwickeln und dürften kaum glauben, dass jemand das Auf und Ab tatsächlich vorhersagen kann.

"Ein bewundernswerter Weg"

Dennoch galt die Theorie des Amerikaners schon zum Zeitpunkt der Auszeichnung für einen Großteil der Fachwelt als überholt, was die Entscheidung der schwedischen Wissenschaftsakademie merkwürdig erscheinen ließ. Besonders kurios wirkte zudem, dass mit Robert J. Shiller ausgerechnet jener Forscher ebenfalls ausgezeichnet wurde, dem die Widerlegung von Famas These zugeschrieben wird.

Shiller hatte empirisch gezeigt, dass Kursprognosen sehr wohl möglich seien. Der Grund ist, dass sich die Aktienkurse laut Shiller an den Gewinnen der Unternehmen orientieren. Steigt ein Kurs zu stark, so wird er wieder sinken, bis sich ein historisch normales Kurs-Gewinn-Verhältnis einstellt, so Shiller.

Zwei Wissenschaftler, zwei gegensätzliche Aussagen - und doch wurden beide gleichzeitig ausgezeichnet. Der US-Ökonom Paul Krugman, ebenfalls Nobelpreisträger, kommentierte seinerzeit, die Akademie habe einen bewundernswerten Weg gefunden, Fama den zweifellos verdienten Preis zuzusprechen, ohne den Verdacht aufkommen zu lassen, man habe den Kontakt zur Außenwelt vollends verloren.

Vielleicht könnte man aber auch einfach sagen: Die Vorstellung, zu einem Thema gebe es immer nur eine richtige und viele falsche Erklärungen, ist letztlich auch nur eine Illusion, der die weitaus größte Mehrheit der Menschen nachzuhängen scheint.

Ostrom und Williamson - mehr Ordnung nach der Finanzkrise

Kennerin der Gemeinschaftsgüter: Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom starb 2012

Kennerin der Gemeinschaftsgüter: Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom starb 2012

Foto: AFP / University of Stockholm

War es Zufall, dass die US-Forscher Elinor Ostrom und Oliver E. Williamson ausgerechnet im Jahr 2009, kurz nach der großen Finanz- und mitten in der Wirtschaftskrise also, den Nobelpreis für Ökonomie erhielten? Ein Blick auf die Themen der beiden lässt Zweifel zu: Ostrom beschäftigt sich mit der Ökonomie der Gemeinschaftsgüter und Williamson ist Fachmann für die Frage, wann Firmen miteinander handeln, und wann sie sich besser zu einem Unternehmen zusammenschließen und Transaktionen damit internalisieren.

Das kling kompliziert, im Kern geht es bei beiden Forschern aber um grundlegende Fragen der Volkswirtschaft, wie: Warum gibt es überhaupt Unternehmen? Wann und wie stark muss der Staat regulieren? Was ist Aufgabe des Staates, und was können privatwirtschaftliche Unternehmen besser oder effizienter lösen?

Damit wird der aktuelle Bezug klarer: 2007/2008 hatte die US-Finanzindustrie durch ausufernde Hypothekeninvestments die Finanzkrise ausgelöst, aus der später eine weltweite Rezession wurde. Die Rufe nach einer stärkeren Regulierung von Banken und anderen Finanzfirmen wurden immer lauter. Da passen die Forschungen von Ostrom und Williamson ins Bild.

Edmund Phelps - der Mann, der weiß, wann die Arbeitslosigkeit steigt

Forscht an Grundlagen: Edmund Phelps erhielt den Nobelpreis 2006

Forscht an Grundlagen: Edmund Phelps erhielt den Nobelpreis 2006

Foto: ? Brendan McDermid / Reuters/ REUTERS

Schon häufig wurden von der schwedischen Akademie Ökonomen ausgezeichnet, die sich mit dem großen grundlegenden Zusammenhängen der Volkswirtschaft beschäftigt haben. So auch 2006, als der US-Amerikaner Edmund S. Phelps den Preis erhielt.

Eines der wichtigsten Arbeitsfelder von Phelps war lange Zeit die Forschung über die Arbeitslosenquote sowie die Frage, inwieweit Regierungen oder Notenbanken diese mit Eingriffen beeinflussen können. In den 1960er und 70er Jahren beispielsweise gab es eine vorherrschende Meinung, die besagte, dass man die Arbeitslosigkeit reduzieren könne, wenn man im Gegenzug eine höhere Inflationsrate in Kauf nähme. Der seinerzeitige Bundeskanzler Helmut Schmidt prägt in dem Zusammenhang den berühmten Satz: "Lieber 5 Prozent Inflation als 5 Prozent Arbeitslosigkeit."

Phelps jedoch war anderer Meinung. Seiner Ansicht nach ließ sich mit expansiver Geldpolitik, durch die die Inflationsrate steigt, zwar eine zeitlang die Arbeitslosigkeit senken. Langfristig würde die Zahl der Leute ohne Job aber wieder steigen, so der Wissenschaftler. Denn die Unternehmen würden sich seiner Ansicht nach der neuen Umgebung anpassen.

Die Diskussion ist bis heute von Bedeutung: Gerade aktuell muss die US-Notenbank Fed über die Erhöhung der Leitzinsen entscheiden. Die Weltmärkte erwarten den ersten Zinsschritt seit langem ungeduldig. Und bei ihrer Entscheidung blicken Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Kollegen an der Spitze der Notenbank stets auch aufmerksam auf die Daten vom US-Arbeitsmarkt.

Aumann und Schelling - Ökonomen am Spieltisch

Erforscher der Spieltheorie: Nobelpreisträger Robert Aumann

Erforscher der Spieltheorie: Nobelpreisträger Robert Aumann

Foto: TORBJORN CARLSON/ ASSOCIATED PRESS

Traditionell fasst die Wirtschaftswissenschaft den Menschen als sehr rational handelndes Wesen auf, beinahe ähnlich einer Maschine, die Informationen auswertet und dann Entscheidungen trifft. Es gibt jedoch seit einigen Jahren bereits ein Feld der Ökonomie, das weitere, vor allem psychologische Faktoren stärker mit einbezieht: nämlich die Spieltheorie.

Dabei geht es beispielsweise darum, dass zwei Leute, die miteinander einen Preis beispielsweise für einen Oldtimer aushandeln, nicht nur darüber nachdenken, was ihnen dieser Oldtimer wert ist. Vielmehr kalkulieren sie immer auch, was wohl gerade im Kopf des Gegenüber vorgehen mag. Die Situation ähnelt also beispielsweise der zweier Schachspieler, die sich gegenüber sitzen.

Viele Laien mögen die Wirtschaftswissenschaften für eine rein akademische Disziplin halten. In der Spieltheorie jedoch dürfte sich dennoch auch so mancher Skeptiker wiederfinden. ein Bereich sein, bei dem ihnen die Wirtschaftswissenschaft noch am wenigsten realitätsfern vorkommt.

Auch die Akademie in Stockholm hat bereits Wissenschaftler ausgezeichnet, die sich mit der Spieltheorie beschäftigt haben. Zuletzt waren es beispielsweise die US-Ökonomen Robert Aumann und Thomas Schelling im Jahr 2005.

Daniel Kahneman - der Mann, der weiß, warum Anleger Geld mit Aktien verlieren

Angst statt Gier: Daniel Kahneman (r.) wurde 2002 gemeinsam mit dem Amerikaner Vernon Smith ausgezeichnet

Angst statt Gier: Daniel Kahneman (r.) wurde 2002 gemeinsam mit dem Amerikaner Vernon Smith ausgezeichnet

Foto: GGetty Images;Getty Images Burda

Als der Amerikaner Daniel Kahneman 2002 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt, war an den Börsen gerade die Dot-Com-Blase geplatzt. Die Aktienkurse kannten zu jener Zeit also vor allem eine Richtung: abwärts.

Die Auszeichnung Kahnemans ausgerechnet in dieser Zeit kam nicht von ungefähr. Denn das Fachgebiet des Ökonomen, der auch einen israelischen Pass besitzt, ist die Wirtschaftspsychologie. Eine seiner Kernthesen lautet: Trifft der Mensch Entscheidungen an der Börse, so tut er das nicht in erster Linie aus Gier, sondern aus Angst vor Verlusten.

Menschen seien vor allem in schwierigen Situationen, in denen die Folgen unklar seien, unfähig, vernünftige, rationale Entscheidungen zu treffen, so Kahneman. Das Nobelpreiskomitee ließ sich davon überzeugen: Mit Kahnemans Theorien ließen sich die Börsenverluste gut erklären, so eine Begründung für die Preisvergabe. Viele tausend Privatanleger dürften dem nur zustimmen können.

Akerlof, Spence, Stiglitz - die den VW-Skandal erahnten ...

Kenner asymetrische Informationen: George Akerlof erhielt des Nobelpreis 2001 gemeinsam mit Michael Spence und Joseph Stiglitz

Kenner asymetrische Informationen: George Akerlof erhielt des Nobelpreis 2001 gemeinsam mit Michael Spence und Joseph Stiglitz

Foto: Dan Krauss/ Getty Images

Und noch ein Wirtschaftsnobelpreis, der auch bei vielen Lauen außerhalb des akademischen Lebens Zustimmung hervorgerufen haben dürfte: 2001 wurden die US-Forscher George A. Akerlof, A. Michael Spence und Joseph E. Stiglitz prämiert. Die drei beschäftigen sich mit der Theorie ungleicher Verteilung von Informationen auf den unterschiedlichsten Märkten.

Ungleiche Verteilung von Informationen? Das dürfte jedem bekannt vorkommen. Wie viel kostet es eigentlich Apple tatsächlich, ein iPhone zu bauen? Welche Immobilien- oder Pharmafirma erhält am Aktienmarkt das nächste Übernahmeangebot? Und vor allem: Wie um alles in der Welt schaffen es die Ingenieure bei Volkswagen nur, einen so sparsamen und gleichzeitig so sauberen Dieselmotor herzustellen?

Solche und andere Fragen haben sich in der Vergangenheit viele Verbraucher gestellt. Die Antwort war oft viel Geld wert - aber nur wenige kannten sie.

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