Freitag, 19. April 2019

Kurssturz Wirecard verklagt Financial Times

Die seriöse Londoner Wirtschaftszeitung "FT" lässt Wirecard nicht vom Haken, muss sich nun aber einer Klage erwehren

Der Zahlungsanbieter Wirecard verklagt die "Financial Times" (FT) nach deren Berichten über einen angeblichen Bilanzskandal bei dem Unternehmen. "Wirecard geht rechtlich gegen FT und seine unethische Berichterstattung vor", erklärte der Dax-Konzern aus Aschheim bei München am Freitag.

In den vergangenen Tagen hatten mehrere Berichte der Zeitung die Wirecard-Aktie mehrfach zum Absturz gebracht, Milliarden an Börsenwert wurde vernichtet. Wirecard hat die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen. Von der FT war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

In dem jüngsten, am Donnerstag veröffentlichten Artikel, würden "Wirecard-Mitarbeiter mit unbewiesenen und falschen Behauptungen verleumdend verurteilt", erklärte das Unternehmen am Freitag. "Wir werden alle verfügbaren rechtlichen Mittel einsetzen, um das Unternehmen und insbesondere unsere Mitarbeiter und deren Persönlichkeitsrechte zu schützen."

Die "FT" hatte am Donnerstag nachgelegt und mit einem weiteren Bericht ihre Vorwürfe gegen führende Mitarbeiter des bayerischen Unternehmens in Singapur bekräftigt. Dem Bericht zufolge sollen ranghohe Manager in der deutschen Konzernzentrale zumindest Kenntnis von einigen geplanten Zahlungsvorgängen eines Mitarbeiters aus Singapur gehabt haben, der in den Vorwürfen die zentrale Rolle spielt.

Der für Asien zuständige Finanzchef von Wirecard habe sechs Kollegen in Singapur gezeigt, wie man die eigenen Bücher manipulieren könne, um die Behörden in Hongkong davon zu überzeugen, Wirecard eine Lizenz zu geben, hieß es in dem Bericht. Er habe dazu in einem Zahlungskarussell Umsätze mit Kunden vorgespiegelt. Dabei sei es auch darum gegangen, interne Ertragsziele zu erfüllen, hieß es in dem Bericht. Das System sei möglicherweise in ganz Asien über Jahre hinweg betrieben worden. Zwei Führungskräfte in Deutschland hätten von der "zumindest etwas Kenntnis" gehabt.

rei mit Nachrichtenagenturen

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