Samstag, 18. Januar 2020

Außerordentliche Hauptversammlung angestrebt Privatanleger verlangen Sonderprüfung bei Wirecard

Alles Gold was glänzt bei Wirecard? Privataktionäre fordern eine Sonderprüfung unabhängig von den Beratern der KPMG

Eine Gruppe von Privataktionären will eine unabhängige Sonderprüfung bei Wirecard durchsetzen. "Wir wollen schnellstmöglichst Klarheit haben, was bei Wirecard los ist", sagte Rechtsanwalt Wolfgang Schirp am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Sonderprüfer solle die Bilanzen von Partnerunternehmen an Orten wie Dubai und Singapur durchleuchten und die in Medienberichten aufgekommenen Vorwürfe der Bilanzfälschung untersuchen.

Die von Wirecard im vergangenen Jahr selbst einberufene Sonderprüfung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG reiche nicht aus. Es sei zu berfürchten, dass der Vorstand und der Aufsichtsrat nicht alle Informationen an die Aktionäre weiterreichten. Bei Wirecard war für einen Kommentar zunächst niemand erreichbar.

Der im Dax gelistete Zahlungsverkehrsspezialist hatte vor ein paar Monaten eine Prüfung durch KPMG gestartet, um den Vorwurf frisierter Bilanzzahlen aus dem Weg zu schaffen. Im Laufe des ersten Quartals will Wirecard Börsen-Chart zeigen die Ergebnisse veröffentlichten. Die "Financial Times" berichtete in der Vergangenheit mehrfach über angebliche Unregelmäßigkeiten bei den Wirecard-Bilanzpraktiken, was an der Börse zu Kurskapriolen geführt hatte. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.

Ob die Anwaltskanzlei mit ihrem Vorhaben Erfolg hat, ist offen. Um eine Sonderprüfung durchzusetzen, will Schirp eine außerordentliche Hauptversammlung beantragen. Dafür braucht er jedoch 5 Prozent des Grundkapitals. Nach eigenen Aussagen vertritt er aktuell lediglich 2,5 Prozent der Anteile. Die ordentliche Hauptversammlung von Wirecard findet am 2. Juli statt.

Bei dem Unternehmen aus Aschheim bei München hat der frühere Deutsche-Börse-Finanzvorstand Thomas Eichelmann überraschend den Chefposten im Aufsichtsrat vom 75-jährigen Wulf Matthias übernommen. Eigentlich wollte Matthias noch bis zur Hauptversammlung im Amt bleiben.

Matthias soll bis zum Ende seiner Amtszeit im Sommer 2021 dem Aufsichtsrat als gewöhnliches Mitglied angehören. Begründet wurde das Vorgehen mit dem Wunsch des 75-jährigen Matthias, einen Generationenwechsel einzuleiten.

rei/Reuters

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