Samstag, 25. Januar 2020

Chefaufseher Wulf Matthias gibt Amt ab Wirecard wechselt Aufsichtsrat aus

Wirecard-Chef Markus Braun
Michael Dalder / REUTERS
Wirecard-Chef Markus Braun

Der Zahlungsdienstleisters Wirecard beginnt das neue Jahr mit einem personellen Paukenschlag. Der Aufsichtsratsvorsitzende Wulf Matthias habe sein Amt mit sofortiger Wirkung abgegeben, teilte das Unternehmen am späten Freitagabend mit. Der bisheriger Leiter des Prüfungsausschusses Thomas Eichelmann leite nun das Gremium.

Matthias werde bis zum Ende seiner Amtszeit im Sommer 2021 dem Aufsichtsrat als gewöhnliches Mitglied angehören, hieß es weiter. Begründet wurde das Vorgehen mit dem Wunsch des 75-jährigen Matthias, einen Generationenwechsel einzuleiten.

Anleger reagierten erleichtert auf den Wechsel im Aufsichtsrat. Der Zahlungsdienstleister aus München leidet seit Jahren unter regelmäßigen Attacken von Short-Sellern, die dem Unternehmen falsche Bilanzierung vorwerfen. Solange Wirecard seine Corporate Governance nicht verbessert und für mehr Transparenz sorgt, dürfte es das Unternehmen schwer haben, die Angriffe zu kontern. Anleger werten den Schritt von Wirecard, den Chefaufseher auszuwechseln, daher als Schritt in die richtige Richtung. Die Aktie legte am Montag rund 4 Prozent zu.

Wirecard: Der Kontrollverlust - was Markus Braun ändern muss

Wirecard steht seit geraumer Zeit unter Beschuss, vor allem die britische "Financial Times" ("FT") veröffentlicht rund um das Unternehmen aus Aschheim bei München seit längerem kritische Berichte. Vor einem knappen Jahr sorgte ein Artikel zu Unregelmäßigkeiten und möglichen Scheinbuchungen in Singapur dafür, dass der Aktienkurs binnen gut einer Woche um fast die Hälfte abstürzte.

Wirecard musste nach der Prüfung durch eine beauftragte Anwaltskanzlei kleinere Buchungsfehler wegen "Qualitätsmängeln" einräumen, sah sich aber vom Vorwurf systematischer Falschbuchungen entlastet.

Abgang: Wirecard-Aufsichtsratschef Wulf Matthias
imago/Manfred Siebinger
Abgang: Wirecard-Aufsichtsratschef Wulf Matthias

Dennoch könnten sich in Singapur Mitarbeiter strafbar gemacht haben, die Behörden im Land ermitteln noch. In Deutschland gehen die Staatsanwaltschaft München und die Finanzaufsicht Bafin dem Verdacht nach, dass Wirecard einer von Spekulanten orchestrierten Aktion zum Opfer gefallen sein könnte, mit der sogenannte Leerverkäufer an sinkenden Aktienkursen verdienen wollen - wie es auch schon in der Vergangenheit der Fall war. Nach Ansicht des Unternehmens könnten Verantwortliche der "FT" mit den Shortsellern unter einer Decke stecken, Wirecard geht rechtlich gegen die Zeitung vor. Diese wiederum sieht sich nach eigens in Auftrag gegebenen Untersuchungen von diesem Vorwurf entlastet.

Wirecard hat nach neuerlichen Vorwürfen in der britischen Wirtschaftszeitung zu angeblichen Scheinbuchungen bei Töchtern in Dubai und Irland eine Sonderprüfung der Bilanzen eingeleitet, neben dem regulären Wirtschaftsprüfer EY durchleuchten nun auch die Spezialisten von KPMG die Bücher des Unternehmens. Laut Finanzchef Alexander von Knoop dauert die Sonderprüfung bis voraussichtlich Ende des ersten Quartals 2020. Danach sollen die Ergebnisse in einem Bericht veröffentlicht werden.

la/dpa

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