Montag, 18. November 2019

Bericht: Umsätze zu hoch ausgewiesen Wirecard verliert bis zu vier Milliarden Euro Börsenwert

Wirecard ist wieder mal in den Schlagzeilen

Der Bezahldienstleister Wirecard hat am Dienstag nach erneuten Vorwürfen der "Financial Times" hinsichtlich der Geschäftspraktiken an der Börse zeitweise fast vier Milliarden Euro an Wert verloren. Dabei brach der Aktienkurs im Tief mit 107,80 Euro um beachtliche 23 Prozent ein. Nachdem eine Konzernsprecherin die neuen Vorwürfe zurückwies, konnten sie einen Teil der Verluste aufholen. Am Ende stand aber immer noch ein herbes Minus von fast 13 Prozent auf der Kurstafel.

Damit brachte es Wirecard noch auf eine Marktkapitalisierung von rund 15,2 Milliarden Euro. Eine Wirecard-Sprecherin wies die neuen Vorwürfe der "FT" zurück: Der Artikel in der Zeitung sei "eine Zusammenstellung einer Reihe von falschen und irreführenden Behauptungen", die vom Autor der Geschichte in anderen Artikeln zuvor aufgestellt und die bereits vollständig widerlegt worden seien, erklärte der Konzern am Dienstag.

Auch die Anleihen des Finanzdienstleisters Wirecard warfen die Anleger in hohem Bogen aus den Depots. Dies trieb die Rendite der bis 2024 laufenden Papiere des Zahlungsabwicklers von 0,841 auf 2,658 Prozent.

Gewinne in Dubai und Irland womöglich zu hoch ausgewiesen

Die britische Zeitung berichtete am Dienstag, interne Dokumente von Wirecard sowie Korrespondenz hochrangiger Manager der Finanzabteilung erweckten den Anschein, als könnten Umsätze und Gewinne in Dubai und Irland zu hoch ausgewiesen worden sein.

Zudem weckten die Dokumente den Anschein, dass versucht worden sein könnte, den Wirtschaftsprüfer EY zu täuschen. Eine Wirecard-Sprecherin bezeichnete den Bericht als "falsch und verleumderisch". Alle Zahlen des Konzerns, auch die in Dubai, seien im Rahmen des Konzernabschlusses geprüft.


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Bereits Anfang des Jahres hatten Berichte der "FT" rund um Bilanzunregelmäßigkeiten in Singapur für Unruhe gesorgt. Die Aktie war damals innerhalb einer guten Woche teils um fast die Hälfte abgerutscht auf bis zu 86 Euro. Gänzlich davon erholt hatten sich die Papiere davon seither nicht mehr.

Wirecard hatte damals einräumen müssen, dass einige Posten bei einer Tochter tatsächlich falsch verbucht wurden, allerdings in geringerem Umfang als von der "FT" suggeriert. Einige Mitarbeiter könnten sich in Singapur strafbar gemacht haben, systematische Luft- und Falschbuchungen schließt Wirecard aber aus.

Der Fall beschäftigt weiter die Behörden. In Deutschland gehen Staatsanwaltschaft und Finanzaufsicht Bafin dem Verdacht unerlaubter Marktmanipulation durch Spekulanten nach. Das Unternehmen geht auch rechtlich gegen Mitarbeiter der britischen Zeitung vor, weil sie womöglich mit Spekulanten unter einer Decke stecken sollen.

Die "FT" sieht sich allerdings nach Untersuchungen einer beauftragten Anwaltskanzlei entlastet von den Vorwürfen.

rei/dpa/Reuters

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