Sonntag, 21. April 2019

Wirecard-Aktie knickt erneut ein - Aktie fällt unter 100 Euro Wirecard-Chef Braun twittert, Hedgefonds erhöht Druck, US-Kanzleien klagen

Wirecard-Werbung auf einer Messe in Köln: Der Konzern befindet sich unter Druck, seit die "Financial Times" über angebliche Bilanzfälschungen berichtet hat

Neuer Kursrückschlag bei der Aktie von Wirecard Börsen-Chart zeigen: Automatische Verkaufsorders haben das Papier des Zahlungsdienstleisters am Dienstag zeitweise wieder kräftig unter Druck gesetzt. Die Papiere des im Fokus von Vorwürfen stehenden Zahlungsabwicklers rutschten in der Spitze um bis zu 8 Prozent ab und fielen damit wieder unter die runde Marke von 100 Euro. Bis zum Nachmittag erholten sie sich jedoch wieder ein wenig und reduzierten ihr Minus auf rund 3 Prozent bei 99,70 Euro. Bislang ist es Wirecard-Chef Markus Braun nicht gelungen, das Vertrauen der Mehrzahl der Anleger zurückzugewinnen und die erneute Short-Seller-Attacke zurückzuschlagen. In der Vergangenheit war Wirecard Börsen-Chart zeigen bereits mehrfach dem Angriff von Leerverkäufern ausgesetzt, hatte sich bislang aber immer wieder dagegen behaupten können.

Der Besessene: So tickt Wirecard-Chef Markus Braun

Als Auslöser für die "rasierten Stops" am Dienstag nannten Börsianer die Meldung über eine deutliche aufgestockte Leerverkaufsposition des Hedgefonds Slate Path Capital sowie eine skeptische Studie des US-Hauses Guggenheim Securities. Die britische Zeitung "Financial Times" hatte jüngst eine neue Vorwurfslawine in Gang gebracht. Am Freitag waren dann Untersuchungen der Polizei in Singapur publik geworden. Das Unternehmen hatte in der Vorwoche fortgeschrittene Untersuchungen eingeräumt, aber betont, dass sich schlüssige Feststellungen hinsichtlich eines Fehlverhaltens nicht ergeben haben.

Tweet von Markus Braun: Möglicher neuer Rekord im ersten Quartal

Der Zahlungsabwickler Wirecard sieht sein Geschäft unbeeinträchtigt von den jüngsten Anschuldigungen gegen das Unternehmen. "Die Januar-Zahlen deuten auf einen Rekord im ersten Quartal hin, und wir freuen uns auf ein höchst erfolgreiches Jahr 2019", erklärte Vorstandschef Markus Braun am Dienstag auf Twitter. Ähnlich optimistisch hatte sich der Manager bereits im Januar im Reuters-Interview über den Auftakt und die Aussichten des laufenden Jahres geäußert.

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Bild: Florian Generotzky für manager magazin

Der weltweite Boom von Online-Handel und Bezahlen per Smartphone-App befeuert seit Jahren das Wachstum des Unternehmens und bescherte ihm im vergangenen Jahr den Aufstieg in den Dax. Der Betriebsgewinn soll im laufenden Jahr auf 740 bis 800 Millionen Euro steigen, nachdem er im vergangenen Jahr um 38 Prozent auf 568 Millionen Euro zugelegt hatte.

US-Kanzleien bereiten Anlegerklagen gegen Wirecard vor

Das Wachstum des Unternehmens aus dem Münchner Vorort Aschheim wurde in der Vergangenheit wiederholt von Vorwürfen unlauterer Geschäfte begleitet, die von Wirecard regelmäßig zurückgewiesen wurden. Von den heftigen Aktienkursreaktionen profitieren vor allem kurzfristige Investoren.

Auslöser der Turbulenzen waren mehrere Artikel der "Financial Times" über angebliche Bilanzfälschungen durch Mitarbeiter des IT-Konzerns in Singapur. Wirecard wies die Vorwürfe zwar bereits in der vergangenen Woche zunächst per Statement und dann in einer rasch anberaumten internationalen Telefonkonferenz entschieden zurück. Zudem geht das Unternehmen inzwischen juristisch gegen die Zeitung vor.

Auf die Vorwürfe gegen Wirecard, gegen die sich das Unternehmen ebenfalls wehrt, stützen sich mittlerweile mehrere auf Anleger-Klagen spezialisierte US-Anwaltskanzleien. Sie reichten in den USA Sammelklagen gegen Wirecard ein, um wegen der jüngsten Aktienkursverluste Schadenersatz zu erstreiten.

la/dpa/reuters

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