Samstag, 7. Dezember 2019

Vorwürfe gegen Zahlungsabwickler Wirecard-Chef Braun - "Für uns ist die Sache abgeschlossen"

Wirecard-Chef Markus Braun: "Habe nicht an Rücktritt gedacht"

Wirecard-Chef Markus Braun hat wegen der Diskussion über mögliche Rechtsverstöße des Zahlungsabwicklers in Singapur nicht mit dem Gedanken gespielt, seinen Posten aufzugeben. "Nein, ich habe nicht an Rücktritt gedacht", antwortete er auf eine entsprechende Frage in einem TV-Interview des Nachrichtensenders n-tv. "Ich habe ja vollen Einblick in die operative Seite und die fundamentale Seite der Geschäftsentwicklung, die ist sehr stark."

Er betrachte die Vorwürfe finanzieller Unregelmäßigkeiten in Singapur als Kapitalmarktspekulation, sagte Braun, der auch Großaktionär von Wirecard Börsen-Chart zeigen ist. "Ich traue mir zu, in den nächsten zehn Jahren dieses Unternehmen noch einmal in eine ganz andere Region zu bringen, wirklich zu einem globalen Spieler in diesem Bereich zu machen, das ist unser Ziel."

Eine von Wirecard in Auftrag gegebene Untersuchung durch eine Anwaltskanzlei hatte die Vorwürfe zu großen Teilen nicht bestätigt und nur kleinere Unregelmäßigkeiten in den Büchern von Wirecard entdeckt. Wirecard prüfe, ob man noch weitere Details des Berichts veröffentlichen könne, aber alle wesentlichen Ergebnisse lägen auf dem Tisch. "Für uns ist diese Sache damit abgeschlossen."

Wirecard-Aktie leicht im Plus - Unsicherheit nach FT-Bericht bleibt

Die Aktie von Wirecard notierte am Mittwoch in einem freundlichen Marktumfeld rund 1 Prozent im Plus und pendelte um die Marke von 110 Euro. Damit blieb sie trotz des jüngsten Kursrutsches hinter dem Dax Börsen-Chart zeigen zurück, der 1,3 Prozent zulegen konnte.

In der vergangenen Woche hatten neue Berichte der Finanzzeitung "Financial Times" (FT) neue Unsicherheit unter Anlegern geschürt. Die FT stellt nun die Glaubwürdigkeit von Wirecards Geschäfts- und Lizenzpartnern in Frage.

Die Zeitung behauptet in ihrer Freitagsausgabe, dass ein Teil des Geschäfts von Wirecard in Asien auf Scheinumsätzen mit zweifelhaften Partnerfirmen wie etwa "Cone Pay" beruhe. Das Blatt berief sich dabei auch auf die Ermittlungen, die die Polizei in Singapur wegen des Verdachts finanzieller Unregelmäßigkeiten in der dortigen Wirecard-Niederlassung angestrengt hat.

Im Interview: Wirecard-Chef Markus Braun

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Bild: Florian Generotzky für manager magazin

Wirecard hatte den Bericht scharf zurückgewiesen. Es handle sich um "falsche und irreführende Informationen", erklärte eine Konzernsprecherin. "Die heute veröffentlichten ungenauen Informationen wurden von der 'FT' absichtlich falsch zitiert, um Tatsache und Fiktion weiter zu verzerren." Der Anteil von Transaktionen, die Wirecard Börsen-Chart zeigen über Lizenzpartner wie Cone Pay abwickle, nehme zudem kontinuierlich ab.

Wirecard weist Vorwürfe zurück - und verklagt die FT auf Schadenersatz

Wirecard hat die Behauptungen der FT mehrfach als unzutreffend und verleumderisch zurückgewiesen und zuletzt sogar eine Schadenersatzklage gegen die Zeitung und den Autor der Berichte eingereicht. Eine externe Untersuchung durch die Anwaltskanzlei Rajah und Tann habe die von der FT berichteten Vorwürfe weitgehend entkräftet - Wirecard sieht sich daher entlastet. Die Aktie von Wirecard war nach Veröffentlichung der Zusammenfassung des Berichts zeitweise um 25 Prozent auf 130 Euro gestiegen, gab am Freitag einen Großteil ihrer Gewinne wieder ab.

Auch Finanzaufsicht Bafin ermittelt gegen FT-Autor

Der Autor der Berichte ist auch unter den Beschuldigten in einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München wegen des Verdachts der Marktmanipulation durch Außenstehende. Dieses Verfahren in Zusammenarbeit mit der Finanzaufsicht Bafin dauere an, sagte eine Sprecherin der Behörde am Freitag. Dagegen gebe es unverändert keine Anhaltspunkte für Straftaten bei Wirecard selbst, zumindest nicht in Deutschland.

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