Dienstag, 17. September 2019

FIS bietet 35 Milliarden Dollar für Zahlungsabwickler Milliardenpoker um Wirecard-Konkurrenten Worldpay

Wirecard: FIS will den Wirecard-Konkurrenten Worldpay für 35 Milliarden Dollar übernehmen

Neue Fusionsphantasien und die Hoffnung auf eine Konsolidierung im Sektor haben am Montag die Aktien von digitalen Zahlungsdienstleistern angetrieben. Zu den Profiteuren gehörte auch der deutsche Zahlungsdiensleister Wirecard Börsen-Chart zeigen. Anlass für die Kursgewinne: Der US-Finanzdienstleister Fidelity National Information Services (FIS) will den Zahlungsabwickler Worldpay für rund 35 Milliarden Dollar kaufen. Inklusive Schulden wird der Konkurrent des deutschen Zahlungsabwicklers Wirecard damit in der Transaktion mit etwa 43 Milliarden Dollar bewertet, wie die Unternehmen am Montag mitteilten.

"In unserer sich schnell wandelnden Branche kommt Größe eine besondere Bedeutung zu", erklärte FIS-Vorstandschef Gary Norcross. Worldpay selbst hatte sich erst vor knapp zwei Jahren mit dem US-Kreditkartenspezialisten Vantiv in einem rund 10,6 Milliarden Dollar schweren Übernahmedeal zusammengetan.

Übernahme wäre der bislang größte Deal der boomenden Branche

Der Kauf durch FIS wäre der bislang größte Deal im boomenden Markt für Zahlungsabwickler. Dieser profitiert von der weltweiten Verlagerung der Geldströme ins Internet. Die Unternehmen wickeln mit Online-Technologie für andere Firmen den Zahlungsverkehr ab und kassieren dafür Provisionen. Erst im Januar hatte die amerikanische Fiserv den Kauf des Rivalen First Data für 22 Milliarden Dollar angekündigt.

Der Besessene: So tickt Wirecard-Chef Markus Braun

Worldpay-Aktien haussieren

Die geplante Übernahme von Worldpay gab zu Wochenbeginn der Konkurrenz an der Börse weltweit Auftrieb. Die Aktien von Wirecard Börsen-Chart zeigen , Worldline und Ingenico gewannen jeweils zwischen 2 und 5 Prozent an Wert. Worldpay-Papiere stiegen im US-Geschäft um mehr als zehn Prozent auf ein Rekordhoch von 109,24 Dollar. Die Titel von FIS brachen zunächst ein, konnten ihre Verluste im Anschluss jedoch wieder aufholen.

Die Einzelheiten des Übernahme-Deals: Die Aktionäre von Worldpay sollen für jede gehaltene Aktie 0,9287 FIS-Anteilsscheine sowie elf Dollar in Bar erhalten. Das Unternehmen wird damit mit 112,12 Dollar je Aktie bewertet, ein Aufschlag von 14 Prozent zum Schlusskurs am Freitag. Nach dem Zusammenschluss sollen FIS-Aktionäre 53 Prozent und die Anteilseigner von Worldpay rund 47 Prozent an dem kombinierten Unternehmen halten.

Stabilisierung für Wirecard

Das Übernahmeangebot sorgte auch für eine leichte Stabilisierung bei der zuletzt unter Druck geratenen Aktie von Wirecard. Nach dem erneuten Rutsch vom Freitag haben sich die Papiere etwas stabilisiert und sind über die Marke von 107 Euro gestiegen. Bei den Anlegern sorgte vor allem die hohe Übernahmeprämie, die FIS zu zahlen bereit ist, für Aufmerksamkeit. Vor dem Wochenende hatten Wirecard-Papiere einmal mehr unter Berichten über eine Untersuchung in Indien sowie einer Verkaufsempfehlung der Citigroup gelitten.

la/reuters

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung