Montag, 24. Februar 2020

Noch kein Ergebnis zur Sonderprüfung Wirecard steigert Umsatz und Gewinn um rund 40 Prozent - Aktie fällt

Wirecard: Umsatz und Betriebsgewinn steigen jeweils um rund 40 Prozent
Wolfgang Rattay/Reuters
Wirecard: Umsatz und Betriebsgewinn steigen jeweils um rund 40 Prozent

Der weltweit boomende Online-Handel und zahlreiche Kooperationen mit Unternehmen haben Wirecard im vergangenen Jahr die Kassen gefüllt. Der Zahlungsdienstleister steigerte seinen Betriebsgewinn (Ebitda) nach vorläufigen Zahlen um rund 40 Prozent auf 785 Millionen Euro, teilte Wirecard am Freitag mit. Bereinigt um Sonderaufwendungen für Prüfungs- und Beratungs- sowie Rechtsberatungsleistungen hätte das Ebidta 794 Millionen Euro bei einem Wachstum von 42 Prozent betragen. Mit dem bereinigten Ergebnis traf Wirecard die Schätzungen von Analysten. Der Umsatz kletterte um 38 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro.

Wirecard wickelt für Einzelhändler, Flug- und Bahnkonzerne sowie Telekommunikationsfirmen auf der ganzen Welt Zahlungen ab und kassiert dafür Gebühren. Von Partnerschaften wie mit Aldi, dem chinesischen Kreditkartenanbieter Unionpay und dem japanischen Technologieinvestor Softbank erhofft sich Wirecard in den kommenden Jahren kräftiges Wachstum.

Für das laufende Geschäftsjahr 2020 erwartet Wirecard weiterhin einen Betriebsgewinn zwischen 1,0 und 1,12 Milliarden Euro. Trotz des Gewinnsprungs verloren die Aktien von Wirecard Börsen-Chart zeigen im vorbörslichen Handel bis 2,3 Prozent. In der Vergangenheit hat Wirecard seine Gewinn- und Umsatzprognosen mehrfach im Jahr erhöht. Analysten schließen nicht aus, dass Wirecard auch im Laufe von 2020 optimistischer wird.

Noch keine Informationen zur Sonderprüfung

Allerdings wird viel davon abhängen, welches Ergebnis die Wirtschaftsprüfer von KPMG bei der laufenden Sonderprüfung zu Tage fördern. Sie durchforsten derzeit die Bilanzen von Wirecard und den Töchtern im Ausland. Konzernchef Braun hatte die Prüfung in die Wege geleitet, um Vorwürfe der Bilanzfälschung aus der Welt zu schaffen. Die "Financial Times" hatte in der Vergangenheit immer wieder über angebliche Unregelmäßigkeiten in Bilanzen bei Tochterfirmen im Ausland berichtet. Wirecard weist die Vorwürfe zurück.

Mit Blick auf die Zahlen monierte ein Händler in einer ersten Reaktion die insgesamt leicht enttäuschende Profitabilität. Im Fokus stehe momentan allerdings eben die Sonderprüfung. Dazu habe es nichts Neues gegeben. Damit sei zu rechnen gewesen, aber so bleibe bis zum Abschluss der Prüfung weiter Unsicherheit.

Im vergangenen Jahr hätten die Sonderaufwendungen für Prüfungs-, Beratungs- und Rechtsberatungsleistungen bei rund neun Millionen Euro gelegen, teilte der Dax-Konzern am Freitag weiter mit. Das mit Spannung erwartete Ergebnis der Sonderprüfung soll nach früheren Angaben noch im ersten Quartal veröffentlicht werden. Am 8. April will das Unternehmen sein komplettes Zahlenwerk veröffentlichen und sich den Fragen von Journalisten und Analysten stellen. Im Kern geht es bei der Prüfung darum, ob das Unternehmen bei Töchtern in Dubai und Irland Umsätze und Gewinne zu hoch angesetzt hat.

Neuer Aufsichtsratschef: Thomas Eichelmann

Zudem bemüht sich der Konzern, seine Unternehmensführung (Corporate Governance) zu verbessern. Im Januar tauschte der Konzern den Aufsichtsratschef. Der ehemalige Oberkontrolleur Wulf Matthias war wegen des Umgangs mit der Affäre kritisiert worden. Der neue Chef des Aufsichtsgremiums Thomas Eichelmann verbreitete sogleich Optimismus in Sachen Sonderprüfung. "Aus der Tatsache, dass wir noch keine Ad-hoc-Meldung abgegeben haben, können Sie Ihre Schlüsse ziehen", sagte er in seinem ersten Interview nach seiner Berufung dem manager magazin. Also keine sogenannte "Smoking Gun" in den Büchern? Das Ergebnis bleibt zunächst offen.

Die Geschichte hat sich allerdings mit neuen Vorwürfen der "FT" und regelmäßigen Short-Seller-Attacken mittlerweile zum handfesten Börsenthriller ausgewachsen. Wirecard sieht sich als Opfer einer konzertierten Aktion von Spekulanten, die mit fallenden Kursen Geld verdienen wollen. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt aufgrund des Verdachts der deutschen Finanzaufsicht Bafin unter anderem in diese Richtung. Frühere Attacken auf die Wirecard-Aktie waren für die sogenannten Leerverkäufer lukrativ, etwa im Februar 2016.

rei mit Nachrichtenagenturen

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