Donnerstag, 19. September 2019

Hauptversammlung in München Aktionäre kritisieren Wirecard-Chef und holen Softbank ins Boot

Stellt sich den Investoren: Wirecard-CEO Braun auf der Hauptversammlung in München.

Der Technologiekonzern Wirecard Börsen-Chart zeigen sorgte in den vergangenen Monaten für jede Menge Schlagzeilen - am heutigen Dienstag treffen sich die Aktionäre in München zur Hauptversammlung. Es gibt also viel zu besprechen.

Hier sind die wichtigsten Themen, die Vorstand, Aufsichtsrat und Investoren von Wirecard auf dem Treffen beschäftigen:

1) Softbank-Einstieg

Die Anteilseigner stimmten der Ausgabe einer Wandelanleihe zur Beteiligung des japanischen Mischkonzerns und Tech-Investors Softbank im Umfang von 900 Millionen Euro zu. Das Geld will Wirecard für Investitionen, Aktienrückkaufe und Schuldenrückzahlung verwenden - in welchem Ausmaß jeweils, das ließ CEO Markus Braun offen. Planerisch könne man zwar aktuell mit jeweils einem Drittel rechnen, aber finale Entscheidungen stünden aus und hingen unter anderem vom Aktienkurse ab. Der Aktienrückkauf sei nur eine Option.

Mit dem Geschäft will sich Wirecard nicht zuletzt Zugang zu den Beteiligungen von Softbank sichern, um mit ihnen Geschäft zu machen. Softbank gilt als einer der größten Tech-Investoren weltweit. Der Vorstand schätzt das Gewinnpotenzial aus der Partnerschaft über einen Zeitraum von fünf Jahren laut der Einladung zur Hauptversammlung auf 209 bis 273 Millionen Euro. Hinzukommen soll ein Wert für die darüber hinausgehende langfristige Kooperation, der deutlich höher sei. Dabei setzt Wirecard unter anderem auf Marktzugänge in Japan und Südkorea sowie die Entwicklung gemeinsamer neuer Produkte und Dienstleistungen.

Die Pläne des japanischen Mischkonzerns Softbank Börsen-Chart zeigen, bei Wirecard Börsen-Chart zeigen einzusteigen, waren bereits Ende April publik geworden. Das Vorhaben sorgte sogleich für einen Kurssprung beim Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München.

Die Vereinbarung beider Unternehmen sieht vor, dass Softbank 900 Millionen Euro in eine Wandelschuldverschreibung von Wirecard steckt. Dabei handelt es sich um eine Anleihe, die nach Ablauf einer Frist von fünf Jahren in Aktien umgewandelt werden kann. Käme es dazu, wäre der Softbank-Konzern, hinter dem der japanische Tech-Unternehmer Masayoshi Son steht, mit einem Anteil von etwa 5,6 Prozent einer der größten Anteilseigner Wirecards. Gegenwärtig ist Wirecard-CEO Markus Braun mit einem Anteil von 7 Prozent Hauptaktionär. Weitere wichtige Beteiligte sind Goldman Sachs (ebenfalls knapp 7 Prozent) sowie die Fondsgesellschaft Blackrock (etwa 6 Prozent).

Was hätte Wirecard vom Softbank-Einstieg? Der japanische Konzern ist bekannt dafür, in regional starke Unternehmen zu investieren und sie dann mit anderen Firmen aus seinem Portfolio zu vernetzen. Im Falle Wirecards ruht die Hoffnung vor allem darauf, dass Softbank dem Unternehmen bei der Expansion in Japan und Südkorea hilft. Beide Länder sind bereits weitentwickelt, was das digitale Bezahlen angeht - eine Kernkompetenz Wirecards.

2) Intransparenz und Aktienkursturbulenzen

Die heftigen Kursturbulenzen der Wirecard-Aktie, ausgelöst durch kritische Berichterstattung der "Financial Times", dürften vielen Investoren noch in den Knochen stecken. Zwar hat sich der Aktienkurs inzwischen wieder weitgehend erholt, ein bitterer Nachgeschmack bleibt jedoch. Denn das schwer durchschaubare Geschäftsmodell des Unternehmens sowie die komplexe, weltweit verzweigte Firmenstruktur machen ähnliche Attacken allem Anschein nach jederzeit wieder möglich. Sehr wahrscheinlich werden Aktionäre die Hauptversammlung nutzen, um auch zu diesem Thema ihre Meinung zu sagen.

Wirecard-Gründer Markus Braun: Aus dem Nichts zum Milliardär

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Bild: Florian Generotzky für manager magazin

Einer von ihnen ist Ingo Speich, der als Fondsmanager der Sparkassengesellschaft Deka eigenen Angaben zufolge 1,6 Millionen Wirecard-Aktien vertritt. Wirecard habe ein grundsätzliches Problem, sagt Speich laut Redetext, der manager-magazin.de vorab vorlag, auf dem Aktionärstreffen: Zu wenig Transparenz, sowohl im Geschäftsmodell als auch in der Kommunikation. Die Schwankungsbreite des Aktienkurses sei für ein Dax-Mitglied beängstigend und habe zu einem massiven Vertrauensverlust am Kapitalmarkt geführt. Der Wirecard-Vorstand um CEO Braun dagegen scheine lediglich ein Getriebener der Medien zu sein und reagiere anstatt zu agieren.

3) Machtfülle des Wirecard-Chefs Markus Braun

Einer der Gründe für die beschriebenen Probleme ist laut Speich, dass Wirecard in seiner internen Entwicklung nicht mit seinem rasanten Wachstum Schritt gehalten habe. Das Unternehmen sei inzwischen im Dax Börsen-Chart zeigen gelistet und verfüge über eine Marktkapitalisierung von 18 Milliarden Euro - doch zugleich stecke Wirecard immer noch "in den Kinderschuhen des einstigen Start-ups fest", so Speich. Der Fondsmanager fordert, Wirecard "auf den Qualitätsstandard eines Dax 30-Konzerns" zu bringen. So sei der Aufsichtsrat nach wie vor zu klein und es fehlten Informationen zu den Sitzungen des Gremiums, so der Fondsmanager. Auch die Risiko-, Compliance- und Rechtsexpertise müsse gestärkt werden.

"Man benimmt sich immer noch so, als wäre man ein Startup, obwohl man inzwischen ein Dax-Unternehmen ist", sagte auf der Hauptversammlung auch die Vizechefin der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Daniela Bergdolt. Wirecard habe viel Vertrauen verspielt. "Es reicht nicht, wie ein trotziges Kind mit dem Fuß aufzustampfen und zu behaupten, ich war es nicht, ich hab nichts getan." Sie werde gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat stimmen.

"Die vergangenen Quartale haben deutlich gemacht, dass Wirecard ihre Kapitalmarktkommunikation deutlich verbessern muss", sagte Nicolas Huber von DWS, dem Fondsanbieter der Deutschen Bank. Er werde Vorstand und Aufsichtsrat nur mit der Maßgabe entlasten, dass beide Gremien Führungsstrukturen und Transparenz verbesserten, sagte Huber vor rund 1500 Aktionären.

Fondsmanager Speich wendet sich zudem an Wirecard-CEO Braun persönlich: Es liege bei dem Unternehmen eine Machtkonzentration vor wie bei keinem anderen Dax-Mitglied. Doch angesichts das Wachstums seien Veränderungen erforderlich. "Zunehmende Unternehmensgröße wird selbst für den besten Manager irgendwann zu viel", so Speich. Konkret fordert er, einen neuen, starken Technikvorstand zu installieren. Die Aufgabe erfüllt aktuell Wirecard-Chef Braun neben seiner Tätigkeit als CEO in Personalunion.

Vorstandschef Braun und Aufsichtsratschef Wulf Matthias versprachen indes auf der Hauptversammlung Besserung. Wirecard werde seine internen Kontrollmechanismen ausbauen, betonten sie. Braun hatte bereits bei der Bilanzvorlage angekündigt, deutlich mehr Geld in Qualitätskontrollen zu investieren. Infolge der in Singapur festgestellten Unregelmäßigkeiten, wegen derer Wirecard seine Bilanz korrigierte, drohten keine weiteren Risiken, sagte Braun. "Diese Untersuchung ist final abgeschlossen".

Dividende wird erhöht

Christoph Rottwilm auf Twitter

Die Geschäfte von Wirecard laufen allen Kritikpunkten zum Trotz offenbar gut. Zuletzt hatte Vorstandschef Braun die Gewinnprognose leicht erhöht. Wirecard peilt in diesem Jahr einen Vorsteuergewinn von 760 bis 810 Millionen Euro an. Am Dienstag steigt der Aktienkurs um 2 Prozent auf 155 Euro, womit sich Wirecard unter den größten Gewinnern im Dax-Tagesranking befindet. Die Dividende für die Aktionäre soll in diesem Jahr von 18 Cent je Aktie auf 20 Cent je Aktie ebenfalls steigen.

Mit Material von Nachrichtenagenturen

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