Mittwoch, 20. November 2019

Wirtschaftsethik Von der Versuchung, "fünf gerade" sein zu lassen

"Gefangenendilemma": Was machen Sie, wenn Sie befürchten müssen, dass Ihre Wettbewerber davonziehen, weil Sie keine "Gefälligkeiten" gewähren?

5. Teil: Was macht das Unternehmen gegenüber einem korrupten Wettbewerb?

Hier komme ich zu meinem Leitmotiv: man muss hier das Recht auf Güterabwägung einräumen: Geht man auf die "unsittlichen" Wettbewerbs-bedingungen ein? Oder verzichtet man auf das Geschäft mit potentiell höchst negativen Auswirkungen auf Unternehmen und Arbeitsplätze, erträgt also die "moralische Ausbeutung"?

Mit dieser Güterabwägung wird kommt es letztlich zu einer Gewissensfrage, der "Ernstfall der Ethik" tritt ein. Kein Zweifel: die Verantwortung für seine Entscheidung muss der Unternehmer tragen.

Wie gesagt, dass das "Können" eines kleinen Unternehmens ist hier sehr begrenzt. Aber die großen, die multinationalen Unternehmen mit globaler Bedeutung, sie müssen "können". Sie können und müssen Vorbild und Vorreiter sein. Sie müssen auf ein nur illegal erreichbares Projekt verzichten und damit Zeichen setzen.

Diese Einstellung in einem großen Unternehmen durchgehend zu erreichen, ist angesichts der früheren Praxis (ich nenne nur die bis vor knapp 20 Jahren steuerlich als Betriebsaufwand akzeptierten "Nützlichen Aufwendungen") nicht leicht und erfordert größte Aufmerksamkeit. Korruption wie auch andere Verstöße wie z.B. Preisabsprachen sind zwar nunmehr vielfach mit der fristlosen Kündigung bewehrt. Aber es gibt natürlich immer wieder die Versuchung, "fünf gerade" sein lassen, um ein besseres Ergebnis, eine höhere Tantieme, einen Wettbewerbsvorteil bei der nächsten Beförderung zu erzielen. Kontrolle ist also unerlässlich. Ich habe jedes Jahr wie meine Kollegen in den anderen Regionen auf Ehre und Gewissen schriftlich versichern müssen, dass mir in meinem Verantwortungsbereich keine Verstöße gegen den "Code of Conduct" bekannt seien.

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