Sonntag, 15. September 2019

US-Trendgetränk Kokoswasser Die Glücksritter der Kokosnuss

Kampf um die Regale: Angebot von Vita Coco in New York

Wie Kokosnusswasser zum Trendgetränk werden konnte, ist eine erstaunliche Geschichte. Den Anfang machten vor zehn Jahren zwei Gründer in New York. Auf Inlineskates begann ein verbissener Kampf um den Markt. Selbst Coca-Cola konnte ihn nicht entscheiden.

New York - Von "Material für die Fallstudie einer Business School" schreibt die "New York Times". Die Zeitung hat im Detail den "Straßenkampf" beschrieben, der zur Verbreitung des Trendgetränks Kokosnusswasser führte.

Getragen wird die Geschichte von zwei Protagonisten, die beide vor ziemlich genau zehn Jahren - laut "Times" "eine oder zwei Wochen nacheinander" - mit derselben Idee auf die kleinen Eckläden Manhattans losgingen.

Michael Kirban, ein Studienabbrecher, dessen Freund nach einem Flirt nach Brasilien gezogen war und dort das frische Getränk entdeckt hatte; auf der anderen Seite Mark Rampolla, der als Veteran des US-Friedenscorps sowie der Getränkeverpackungsindustrie mit seiner Frau aus Costa Rica heimkehrte, ebenfalls vom dortigen Kokosnusskonsum inspiriert.

Kirban zog abends auf Inlineskates mit Proben seiner Firma Vita Coco durch die Bodegas, wie in New York die Kioske heißen (nicht zu verwechseln mit den spanischen Weinkellern). Um die gleiche Klientel, ebenso wie um Yoga-Clubs oder Bioläden, bemühte sich Rampolla mit dem Kleinbus und der Marke Zico. Beide machten große Versprechen bezüglich der Gesundheit ihrer Wunderprodukte, die sie zwischenzeitlich teilweise zurücknehmen mussten.

Der Marktmacht von Coca-Cola getrotzt

Jahrelang duellierten sich die beiden, ohne sich jemals persönlich zu begegnen. Da wurden die Preisschilder von den Produkten des Gegners entfernt, um sie unverkäuflich erscheinen zu lassen. Da bekamen Bodega-Besitzer mit unverschämten Massenrabatten so viele Kartons in ihre kleinen Läden gestellt, dass einfach kein Platz für anderes mehr blieb. Hula-Hoop-Tänzerinnen bekamen ebenso ihren Einsatz wie Vertreter, die sich selbst als "Psychopathen" bezeichnen.

Inzwischen sorgt das Getränk für einen Jahresumsatz von 400 Millionen Dollar, von dem auch zahlreiche Nachahmer etwas abhaben wollen. Daraus werde sicher ein Milliardengeschäft, zitiert die "Times" John Craven, den Chef des Branchenmagazins Bevnet. Kokosnusswasser werde sich dauerhaft durchsetzen und nicht als nächstes Trendgetränk wieder verschwinden.

Der Durchbruch kam, als die großen Getränkekonzerne auf die Startups aufmerksam wurden. Als Coca-Cola Börsen-Chart zeigen sich 2009 mit 20 Prozent an Zico beteiligte (im vergangenen Jahr übernahm der Konzern die Firma komplett), sah Kirban sich und Vita Coco schon am Ende.

Doch mit Hilfe von Promis wie Madonna oder Demi Moore und dem bedeutend kleineren Getränkekonzern Dr Pepper Snapple, wo Vita Coco eine größere Rolle spielte als Zico im großen Coke-Reich, gelang das Comeback. Kirbans Firma führt den Markt heute klar an und konnte Mitte Juli eine neunstellige Summe für einen weiteren Anteilsverkauf einsammeln: an Red Bull China, die das Getränk nun im ganz großen Stil vermarkten wollen.

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