Freitag, 15. November 2019

Piketty-Diskussion Die wundersame Auferstehung des Wirtschaftsbuchs

Der Ökonom Thomas Piketty hat es mit seinem Buch geschafft, Fragen nach einer weltweiten Vermögensteuer in die Mitte der Gesellschaft zu stoßen. Er ist nicht der einzige, der mit Wirtschafts- und Gesellschaftsthemen Furore macht. Eine Spurensuche von Thomas Piketty über Nassim Taleb bis Michael Lewis.

Hamburg - Das hätte der Ökonom sich nicht träumen lassen. Thomas Piketty hat mit seinem Buch "Capital in the 21st Century" einen Sturm entfacht. Einen Sturm, der ihn in Talkshows trug und in die Büros der Mächtigen der Welt wie zum Beispiel des US-Finanzminister Jack Lew. Ein Erfolg, der Ideen wie einer globale Vermögensteuer wieder Aufwind verschaffte.

Dabei hatte Piketty nichts anderes gemacht als jene Thesen zu Papier zu bringen, die er schon lange klar benannte. Thesen, mit denen er auch Zugang zu Ségolène Royale hatte, 2007 immerhin Präsidentschaftskandidaten der Sozialisten. Damit markiert Piketty ein Phänomen - die Renaissance der Wirtschaftsbücher.

Comeback der Wirtschaftsbücher

Ein bestimmtes Buch, als Kondensat von Ideen oder Vorschlägen, kann zur rechten Zeit erhebliche Wirkung entfalten. Einige Jahre früher oder später bleibt es nur ein Buch unter vielen. Das zeigt auch der Fall Piketty. Die Franzosen nämlich nehmen das Buch weitaus gelassener als die Amerikaner, bei denen das Werk schon als "wichtigstes Buch des Jahrhunderts" gilt, berichtet der New Yorker.

Freilich sind Wirtschaftsthemen Themen der Zeit. Immerhin waren es Banken und die Wirtschaftspolitik, die die Finanzkrise und in deren Folge die Euro-Krise auslösten und noch immer wieder Schockwellen durch die Welt senden. Aber erklärt das allein das Comeback des Wirtschaftsbuchs? Nein.

"Zwei der menschlichen Grundbedürfnisse sind die nach Bestimmtheit und die nach Kompetenz", sagt der Kommunikationsexperte Hasso Mansfeld. "Bestimmheit ist der Wunsch, zumindest ungefähr Bescheid zu wissen, auch über die Zukunft. Dinge eben einordnen zu können. Fehlt das, dann sucht man nach Kompetenz. Diese Kompetenz können Bücher wie das von Piketty & Co liefern. Ob sie damit Recht haben, ist eine andere Frage." Tatsächlich gibt es mehr Gründe für die Renaissance der Wirtschaftsbücher.

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