Martin Shkreli Wie dieser Pharma-CEO zum meistgehassten Mann der USA wurde

Verteidigt seine Geschäftspraxis bei Bloomberg: Turing-CEO Martin Shkreli

Verteidigt seine Geschäftspraxis bei Bloomberg: Turing-CEO Martin Shkreli

Foto: bloomberg.com

"Aus dem Weg, Walter Palmer. Es gibt einen neuen Anwärter auf den Titel des meistgehassten Mannes des Internets."

Folgt man dem britischen Independent , so hat ein junger Pharma-CEO aus den USA tatsächlich Walter Palmer, den jagenden Zahnarzt und Schützen des Löwen Cecil, vom Spitzenplatz der Wanted-Liste des Internets verdrängt: Als Verkörperung exorbitant hoher Medikamentenpreise. Auch CNN Money  nennt Martin Shkreli den "meistgehassten Mann in Amerika".

Shkreli, ein ehemaliger Hedgefonds-Manager Anfang 30, hat mit seinem Unternehmen Turing vor kurzem die Rechte an Daraprim gekauft, einem Medikament, mit dem die gefährliche Infektionskrankheit Toxoplasmose behandelt wird. Ende vergangener Woche hat Turing den Preis pro Dosis mehr als verfünfzigfacht - von 13,50 Dollar auf 750 Dollar.

Shkreli hat diese Entscheidung mittlerweile teilweise zurückgenommen. Zuvor hatte er sie allerdings massiv verteidigt: Während er auf Bloomberg TV noch versucht, seine Entscheidung damit zu rechtfertigen, dass Daraprim immer noch günstiger als vergleichbare Produkte sei und die höheren Preise künftige Forschung finanzierten, wird er auf Twitter ausfallend.

Shkreli schießt zurück - mit Eminem

Einen Journalisten, der von ihm einen Grund für den Preisanstieg erfragt, bezeichnet er als Idioten ("moron"). Kritische Tweets beantwortet er mit einem Stinkefinger-Zitat aus einem Lied des US-Rappers Eminem. Shkreli selbst hat seine Tweets mittlerweile verbergen lassen - verschiedene Medien haben sie jedoch bereits dankbar aufgegriffen.

Aufgebracht hat Shkreli damit jedoch nicht nur die Netzgemeinde; auch Hillary Clinton hat sich zu Turings Geschäftsgebaren geäußert. Die US-Präsidentschaftsbewerberin kündigte an, sie wolle im Falle eines Wahlsiegs die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente für chronisch Kranke bei 250 Dollar pro Monat deckeln. Biotech-Papiere gaben daraufhin an US-Börsen massiv nach - laut "Financial Times" verloren sie allein am Montag 38 Milliarden Dollar an Börsenwert. Valeant, ein Unternehmen, das ebenfalls für steile Preisanstiege bekannt sei, hat laut FT seit Wochenbeginn über 10 Prozent an Aktienwert verloren.

Shkreli hat damit via Clinton auch den Unmut seiner eigenen Branche auf sich gezogen: Brent Saunders, CEO des Pharmaherstellers Allergan, sagte, es sei niemals gut, wenn "irgendwer in deiner Branche etwas Rücksichtsloses tut".

Shkreli galt als Wunderkind - und hatte schon mit 19 die SEC am Hals

Shkrelis Lebenslauf liest sich wie der eines Wunderkinds: Laut CNN Money kaufte er im Alter von 12 Jahren seine ersten Aktien: "Als Kind kannten meine Freunde die Spielstatistiken aller Yankees- und Mets-Spieler und wie viele Home-Runs sie geschlagen haben. Ich wusste alles über börsennotierte Unternehmen." Mit 16 begann er als Praktikant beim Star-Investor Jim Cramer.

Dort sorgte der Teenager erstmals für Aufsehen: Auf Shkrelis Empfehlung hin shortete das Unternehmen eine Biotech-Aktie - und strich laut Bloomberg Businessweek damit deutliche Gewinne ein. Der Securities and Exchange Commission kam der Deal allerdings komisch vor; mit 19 Jahren fand sich Shkreli damit im Fokus der Börsenaufsicht wieder. Gefunden hat die SEC damals allerdings nichts.

Ironischerweise hat der Mann, der Anfang der Woche einen massiven Ausverkauf bei Biotech-Titeln eingeleitet hat, auch in seiner weiteren Hedgefonds-Karriere vor allem von Short-Wetten auf diese Branche profitiert.

Von der eigenen Firma verklagt

2011 wechselte er Shkreli dann allerdings die Seite: Der Biotech-Shorter wurde zum Biotech-Unternehmer. Mit 29 Jahren gründete er Retrophin, ein Unternehmen, mit dem er Therapieverfahren für seltene Krankheiten entwickeln wollte. In einem 2014er Porträt zitiert Bloomberg Businessweek Susan Hayflick, eine Molekulargenetikern der Oregon Health & Science University, mit den Worten, Martin sei zwar ungestüm, "aber seine Ideen sind originell und sie könnten Leben retten."

Schon im Herbst jenes Jahres entledigte sich Retrophin allerdings seines Chefs - und schob im August dieses Jahres noch eine Klage hinterher. Shkreli habe das Unternehmen allein aus dem Grund gegründet und an die Börse gebracht, um mit den Aktien die Investoren seines mittlerweile insolventen Investmentfonds MSMB auszuzahlen. Für Shkreli ist das weiterhin schwelende Verfahren allerdings voller "spekulativer Schlüsse und Halbwahrheiten". Ohnehin hatte er zwischenzeitlich schon sein nächstes Unternehmen gegründet - Turin, das nun im Zentrum der neuen Aufregung steht.

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