Medien-Kodex für Unternehmen Wie die Großkonzerne auf Medien Einfluss nehmen wollen - und wie gerade nicht

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Über mehrere Monate hatte Jürgen Gramke mit Compliance-Verantwortlichen großer Konzerne an dem Regelwerk gearbeitet. Dazu hatte der ehemalige Politiker und begnadete Netzwerker in seinem Arbeitskreis Corporate Compliance Sittenwächter von Allianz, BASF, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Lufthansa, Deutsche Post, Deutsche Telekom, Eon, MunichRe, RWE und Volkswagen um sich geschart. Als dann das manager magazin den "Kodex für die Medienarbeit" von Unternehmen und dessen Hintergründe in der März-Ausgabe veröffentlichte und auch online in Kurzform unter der Überschrift "Dax-Konzerne starten Initiative gegen verdeckte Manipulation von Medien" darüber berichtete, war die Aufregung dennoch groß.

Viele Kommunikationschef der Konzerne hielten den Kodex schon allein deswegen nicht für repräsentativ, weil sie selbst nicht an der Diskussion beteiligt waren. Das allerdings ist zum Teil auch das Besondere an dem Regelwerk: Er wurde eben nicht in erster Linie von Kommunikations- und Marketingchefs konstruiert, sondern von denjenigen, die abseits der operativen Nöte für sauberen Umgang miteinander sorgen sollen: eben den Compliance-Verantwortlichen.

Die wiederum bekamen zum Teil nach der Veröffentlichung intern mehr oder weniger sanften Druck - und reichten ihn ihrerseits mitunter an Gramke weiter. Der wiederum sah sich jüngst zu einem Rundschreiben an seine Mitglieder genötigt, das manager magazin vorliegt. Es ist ein Kleinod taktischer Lobby-Kommunikation. So schreibt Gramke beispielsweise "Alle Mitglieder des Arbeitskreises Corporate Compliance sind Compliance-Verantwortliche aus den Unternehmen. Mitglied ist kein Unternehmen, sondern nur Personen." Das soll den Konzernen die Möglichkeit eröffnen, sich von dem Arbeitskreis zu distanzieren. Tatsächlich findet sich auf der Website des Instituts for European Affairs, unter dem der Arbeitskreis organisiert ist, keine Liste der Mitgliedsunternehmen mehr. Dass die Compliance-Verantwortlichen der Unternehmen bislang selbstverständlich immer auf Kosten ihrer Unternehmen anreisen - geschenkt.

In dem zweiten Punkt seines Rundschreiben listet Gramke im Detail auf, wie der Kodex genau erstellt wurde. Unter Punkt 2.4. heißt es: "(...) Übersendung des Schlussentwurfes an alle Mitglieder des Arbeitskreises mit der Bitte um Durchsicht und Mitteilung von Ergänzungs- und Änderungswünschen". Das wiederum kontert die Kritik einiger Kommunikationschefs, nicht nur sei man persönlich nicht involviert gewesen, auch die Compliance-Verantwortlichen seien persönlich bei der Verabschiedung des Kodizes Ende Januar in Essen womöglich gar nicht anwesend gewesen. Das stimmt einerseits. Andererseits wäre das in etwa so, als würde ein Mitglied einer Regierungskoalition bei der Verabschiedung eines Gesetzes im Bundestag fehlen - das aber möglicherweise mit vollstem Bewusstsein. Und anschließend würde sich dann ein Parteifreund im Namen, aber möglicherweise gar nicht mit Prokura des säumigen Bundestagsabgeordneten über den ganzen Prozess beschweren.

Wie also ist die Position der Kommunikationschefs großer deutscher Konzerne im Umgang mit Medien? manager-magazin.de hat die Verantwortlichen in einer Umfrage gebeten, ihre Position zu erläutern. Wenn Sie zuvor den Kodex lesen wollen, finden Sie ihn hier.

Adidas

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Jan Runau, Sprecher des Adidas-Konzerns: "Wir nehmen mit unseren Werbebudgets keinen Einfluss auf redaktionelle Berichterstattung. Von daher handeln wir in Übereinstimmung mit dem entwickelten Kodex für Medienarbeit. In unsere allgemeinen Compliance-Richtlinien werden den Kodex für Medienarbeit nicht aufnehmen. Wir nehmen ihn aber gerne in unsere Kommunikations-Grundsätze auf, weil diese für alle unsere Mitarbeiter sind, die sich mit Kommunikation beschäftigen. Nur für diese ist das Thema ja auch relevant."

Allianz

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Allianz  bezahlt nicht für redaktionelle Berichterstattung. Mit dieser Selbstverpflichtung gewährleistet die Allianz einen respektvollen Umgang mit Medien, so dass sie den "Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen" nicht unterzeichnet und daran auch nicht beteiligt ist. Konkret sei das im Paragrafen 5 des Code of Conduct  festgelegt.

BASF

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Stefanie Wettberg, Sprecherin des BASF-Konzerns: "BASF  war an der Erstellung des "Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen"; nicht beteiligt. Die grundsätzlichen Überlegungen, die darin zum Ausdruck gebracht werden, entsprechen unseren unternehmensinternen Standards und Regeln. Aus unserer Sicht bedarf es daher keiner Anpassung oder Ergänzung unserer internen Richtlinien. Eine offene Diskussion über die gemeinsame Verantwortung von Unternehmen und Medien für eine transparente und faire Zusammenarbeit begrüßen wir grundsätzlich." Den Verhaltenskodex von BASF kann man hier  nachlesen. Er werde jeweils intern der Realität der Fachabteilungen angepasst, so Wettberg. Diese internen Regeln veröffentliche BASF aber nicht.

Bayer

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Günter Forneck, Sprecher des Bayer-Konzerns: "Grundsätzlich ist eine Auseinandersetzung über ethische Standards und Compliance in der Medienarbeit begrüßenswert. Allerdings war Bayer  vorab weder in die Erarbeitung des "Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen" eingebunden, noch sind wir hierzu von den Initiatoren angesprochen worden. Die in dem Dokument aufgeführten Empfehlungen lehnen sich inhaltlich stark an bestehende PR-Kodizes sowie an bereits etablierte Compliance-Regelungen an, die im Unternehmen gelebte Praxis sind. Insofern sehen wir auf Basis des neuen Dokuments auch keinen Anpassungsbedarf dieser bestehenden Regelungen." Konkret orientiert sich Bayer laut Forneck am Deutschen Rat für Public Relations (DRPR) .

Beiersdorf

Beiersdorf_Headquarters_Hamburg

Beiersdorf_Headquarters_Hamburg

Foto: Beiersdorf

Bei Beiersdorf  will sich niemand namentlich zitieren lassen. Aus dem Unternehmen also heißt es: "Grundsätzlich ist rechtlich und ethisch einwandfreies Handeln für Beiersdorf sehr wichtig. Auch im Hinblick auf den Umgang mit Medien gibt es klare Regeln, beispielweise das gesetzliche "Verbot der verschleierten Werbung" sowie unseren Code of Conduct und die Anti-Korruptionsrichtlinie, die den Umgang mit Interessenskonflikten, Geschenken und Einladungen regelt." Die Beiersdorf-Verhaltensregeln finden sich hier .

BMW

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Nikolai Glies, Sprecher des BMW-Konzerns: "Die PR-Arbeit der BMW Group ist geprägt von Professionalität und einer weltweit gültigen Verantwortungskultur. Bei unseren Aktivitäten orientieren wir uns an unseren unternehmensinternen "Compliance-Richtlinien" und am "Deutschen Kommunikationskodex". Im internationalen Umfeld erweitern weitere nationale PR-Kodizes diesen Bezugsrahmen. Natürlich richten wir unser PR Organisation, unsere Instrumente und Formate in Abhängigkeit von aktuellen und zukünftigen Entwicklungen in Gesellschaft und Medien ständig neu aus. Dabei orientieren wir uns immer an den relevanten Kodizes."

Commerzbank

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Richard Lips, Konzern-Sprecher: "Wir halten uns als Commerzbank streng an alle bereits bestehenden Verpflichtungen aus Gesetzen, etwa § 8 Hessisches Pressegesetz, und Kodizes, wie die Richtlinie 7.1 des Pressekodex des Presserats. Die strikte Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbung beziehungsweise Anzeigen halten wir für richtig, wichtig und essenziell für den Umgang von Journalisten, Verlegern und Wirtschaftsunternehmen. Danach richten wir uns. Vor diesem Hintergrund erkennen wir im "Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen" keine wesentliche Neuerung, die wir nicht bereits erfüllen würden. Daher müsste unseres Erachtens ein neuer Kodex einen wesentlichen Schritt weiter gehen: zum Beispiel mit konkreten Handlungsempfehlungen für den Umgang mit derzeit bestehenden Angeboten von Verlagen. Hilfreich wäre auch die klare Definition von Formaten, die als kritisch zu sehen sind. In so einem Vorgehen würden wir einen wichtigen Baustein zur weiteren Professionalisierung in der Zusammenarbeit zwischen Journalisten, Verlegern und Wirtschaftsunternehmen sehen."

Continental

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Felix Gress, Sprecher von Continental : "Das INEA-Papier enthält auf den ersten Blick nichts, was nicht schon über den Deutschen Kommunikationskodex ausreichend geregelt und breit akzeptiert wäre. Mir scheint, hier wird aus Raiders Twix - und sonst nix."

Daimler

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Ute Wüest von Vellberg, Daimler-Sprecherin: "Bei Daimler  gibt es schon seit Jahren klare und verbindliche Verfahrensweisen und Regeln für den Umgang mit Medien. Integres Verhalten sehen wir als feste Voraussetzung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Wir wollen "saubere" Geschäftspraktiken, dies gilt auch in der Zusammenarbeit mit Medien. Zentraler Punkt ist dabei, dass wir keine Einflussnahme auf die Berichterstattung über eventuelle Zuwendungen ausüben oder auch nur den Anschein erwecken wollen. Die Daimler-Kommunikation hat in Kooperation mit dem Compliance Bereich einen festen und transparenten Einladungs- und Aufwandentschädigungsprozess für Journalisten etabliert. Auch werden nach einem verbindlichen Prozess Fahrzeuge für Testfahrten der Presse nur für die Berichterstattung zur Verfügung gestellt und zeitlich entsprechend limitiert. Längere Vergaben von Testfahrzeugen gibt es nur bei sog. Dauertests für einzelne Fachmagazine. Dies nur als zwei Beispiele unseres detaillierten, transparenten und verbindlichen Regelwerks im Umgang mit Medien. Unsere Mitarbeiter in der Kommunikation erhalten regelmäßige Schulungen zum Thema Integrität und Compliance."

Deutsche Bank

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"Neben klassischen Werbeanzeigen und anderen Formaten nutzt die Deutsche Bank auch Medienkooperationen, um die Reichweite der Marke Deutsche Bank und ihren Bekanntheitsgrad zu vergrößern. Dies halten wir für ein legitimes Interesse, das von vielen Unternehmen in gleicher oder ähnlicher Weise verfolgt wird. Kooperationen mit Medien können zudem einen Beitrag zur medialen Vielfalt leisten, da sie die wirtschaftliche Basis dieser Medien stärken und ihnen dabei helfen können, weiterhin unabhängige Redaktionen zu unterhalten. Selbstverständlich prüft die Bank im Vorfeld, ob Medien-Partnerschaften mit bestehenden gesetzlichen Regelungen und allgemein anerkannten Verhaltensnormen vereinbar sind. Zu keinem Zeitpunkt hat die Deutsche Bank versucht, über Medienkooperationen Einfluss auf redaktionelle Inhalte und Meinungen ihrer Partner-Medien zu nehmen. Es ist uns außerdem wichtig festzustellen, dass es sich bei dem Papier des "Institute for European Affairs" (IMEA) nicht um einen von der repräsentativen Mehrheit der 30 DAX-Konzerne verabschiedeten Kodex handelt. Vielmehr wurde das IMEA-Papier in keiner Weise ausreichend oder abschließend mit den relevanten Stakeholder-Gruppen diskutiert oder verabschiedet. Von daher gibt es keinen neuen Kodex, der in den DAX-Unternehmen umzusetzen wäre. Im Übrigen verpflichten sich die Deutsche Bank und ihre Mitarbeiter bereits nach den derzeit geltenden Compliance-Richtlinien zu integrem Verhalten. Die Gewährung von unlauteren Vorteilen wird in keiner Weise toleriert, so dass wir insbesondere auch vor diesem Hintergrund keinen Änderungs- bzw. Ergänzungsbedarf erkennen können."

Deutsche Börse AG

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Rüdiger Assion, Sprecher der Deutschen Börse : "Die Deutsche Börse AG respektiert grundsätzlich die allgemein anerkannten Regeln der Medienarbeit - und erwartet dies im Gegenzug auch von Verlagshäusern und Medien. Es ist uns wichtig festzustellen, dass es sich bei dem Papier des "Institute for European Affairs" (INEA) nicht um einen von einer repräsentativen Mehrheit der 30 DAX-Konzerne verabschiedeten Kodex handelt. Vielmehr wurde das INEA-Papier in keiner Weise ausreichend oder abschließend mit allen relevanten Stakeholdergruppen diskutiert oder gar verabschiedet. Von daher gibt es keinen neuen Kodex, der in den 30 DAX-Unternehmen umzusetzen wäre. Inhaltlich bleibt festzustellen, dass selbstverständlich im Umgang zwischen Medien und unserem Unternehmen alle gesetzlichen Regelungen eingehalten werden, sowie die allgemein anerkannten und üblichen Regeln der Medienarbeit."

Deutsche Post

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"Wir möchten zunächst grundsätzlich feststellen, dass Deutsche Post DHL - entgegen anderslautender Berichterstattung zum Arbeitskreis Corporate Compliance und dem daraus verabschiedeten "Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen" - an der Erarbeitung dieses Kodex weder beteiligt war noch ihn verabschiedet hat. Bitte haben Sie daher Verständnis dafür, dass wir uns zu den Details dieses Kodex nicht äußern werden.

Deutsche Post DHL hat bereits seit 2006 Grundsätze zum Umgang mit Medien und Journalisten im eigenen Code of Conduct eindeutig geregelt und orientiert sich darüber hinaus am Kommunikationskodex der Deutschen Public Relations Gesellschaft e.V. (DPRG), der alle wesentlichen Aspekte abdeckt."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes stand, die Deutsche Post habe trotz zweier Anfragen nicht reagiert. Das stimmt nicht, die entsprechende Mail war nur entweder in der Redaktion nicht angekommen oder verloren gegangen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen. Zu dem Kommentar des Konzerns, er sei an dem Kodex nicht beteiligt gewesen, gilt, was in dem einführenden Text steht: Die Konzerne als Institution waren in der Tat nicht beteiligt, wohl aber deren Compliance-Verantwortliche.

Deutsche Telekom

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Andreas Middel, Sprecher Deutsche Telekom : "Wir begrüßen grundsätzlich die genannte Compliance-Initiative. Compliance ist für die Deutsche Telekom von maßgeblicher Bedeutung, wie Sie hier  nachlesen können. Im Übrigen gehen die Regelungen, die sich die Deutsche Telekom schon vor acht Jahren gegeben hat, in vielen Punkten über das hinaus, was jetzt im Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen formuliert wurde: Wir geben keine Journalistenrabatte und veranstalten keine Pressereisen mehr. Presse- und Werbeabteilung sind personell getrennt, es gibt klare interne Regeln, die besagen, dass die Unternehmenskommunikation keinen Einfluss auf die Werbeabteilung nehmen darf und umgekehrt."

Eon

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Carsten Thomsen-Bendixen, Eon -Sprecher: "Wie die Mehrzahl der DAX-Unternehmen war auch EON an der Abstimmung des genannten "Kodex" nicht beteiligt. Unabhängig davon teilen wird die dort festgehaltenen Grundsätze. Sie entsprechen unseren eigenen Compliance-Richtlinien, nach denen wir bereits seit Langem handeln."

Fresenius

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Matthias Link, Leiter der Konzernkommunikation bei Fresenius: "Wir haben die Initiative des Arbeitskreises Corporate Compliance mit Interesse zur Kenntnis genommen. Die Unabhängigkeit der Medien sowie die Trennung von Redaktion und Werbung sind für uns selbstverständlich. Sie bilden die unbedingte Basis glaubwürdiger Unternehmenskommunikation, die angewiesen ist auf eine hohe Reputation der Medien als kritischen Mittlern zwischen Unternehmen und Öffentlichkeit. Die vom Arbeitskreis geforderten Prinzipien entsprechen bei Fresenius bereits gelebter Praxis. Da zudem primär die berufsethischen Grundsätze der Kommunikationsverantwortlichen in unserem Unternehmen betroffen sind, gibt es daher keine Veranlassung, diesen Kodex in unsere für alle Mitarbeiter geltenden Compliance-Richtlinien zu übernehmen." Der Verhaltenskodex von Fresenius findet sich hier . Relevant seien besonders die Regeln auf den Seiten 6,7 und 11.

Henkel

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Wulf Klüppelholz, Henkel-Sprecher: "An der Erstellung des Kodex waren wir nicht beteiligt. Doch wir begrüßen eine offene Diskussion über die gemeinsame Verantwortung von Unternehmen und Medien für eine ethisch einwandfreie Zusammenarbeit. Eine ethisch korrekte Medienarbeit ist bei Henkel gelebte Praxis. Die Grundsätze der Medienarbeit sind eng mit unserem Code of Conduct, ordnungsgemäßer Corporate Governance sowie unserem Compliance Management System verbunden. Die in dem "Kodex" vorgebrachten Kernvorgaben spiegeln den von uns gelebten Umgang mit den Medien wider. Insofern sehen wir diese in unseren Richtlinien abgebildet, die ständig überprüft und weiterentwickelt werden. Aus unserer Sicht bedarf es daher keiner Anpassung oder Ergänzung unserer internen Richtlinien durch diesen "Kodex". Einschlägig hier: Kapitel 7 des Henkel-Regelwerks .

Heidelbergcement

Foto: HeidelbergCement

Heidelbergcement reagierte auf Anfragen nicht.

Infineon

Dax-Konzerne / Infineon / Produktion / Dresden / Labor Bild: PR / Infineon

Dax-Konzerne / Infineon / Produktion / Dresden / Labor Bild: PR / Infineon

Foto: Infineon

Bernd Hops, Infineon-Sprecher: "Das Papier des "Institute for European Affairs" (INEA) ist nicht ein Kodex, der von der Mehrheit der DAX-Konzerne beschlossen worden wäre. Dieses Papier ist vielmehr in keiner Weise ausreichend oder abschließend mit den relevanten Stakeholder-Gruppen diskutiert oder gar von diesen verabschiedet worden. Bei der Sitzung am 30. Januar, auf die das manager magazin verweist, waren von 30 DAX-Konzernen lediglich zwei vertreten. Von daher gibt es keinen neuen Kodex, der in den DAX-Unternehmen umzusetzen wäre. Davon ist unberührt, dass wir selbstverständlich alle gesetzlichen sowie allgemein anerkannten Regelungen zum Umgang zwischen Medien und Unternehmen einhalten."

K+S

Foto: obs / K+S

Michael Wudonig, Sprecher K+S: "Das Institute for European Affairs" ; (INEA) ist uns nicht bekannt und wir waren auch nicht an der Erstellung dieses Kodex beteiligt. Nach unserer Kenntnis kann diesbezüglich auch nicht von einer Initiative der DAX-Konzerne gesprochen werden. Den vorgelegten Kodex werden wir daher zunächst intern prüfen. Konkret folgt K+S folgenden Regeln: keine Irreführung der Medien; kein Ausschluss von Journalisten bei Presseterminen nach kritischen Artikeln; kein Entzug von Werbeschaltungen, falls Journalisten kritisch berichten; kein Verlangen redaktioneller Berichterstattung durch Schalten von Werbeanzeigen; keine Journalistenrabatte; keine Geschenke oder sonstige Zuwendungen für Berichterstattung."

Lanxess

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Ingo Drechsler, Sprecher Lanxess: "Wir werden den Diskurs über den Kodex in den relevanten politischen und wirtschaftlichen Institutionen und Verbänden und die daraus resultierenden Entwicklungen zunächst beobachten und dann über unser weiteres Vorgehen entscheiden."

Linde

Foto: Frank Leonhardt/ picture alliance / dpa

Linde reagierte auf mehrere Anfragen nicht.

Lufthansa

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Barbara Schädler, Sprecherin der Deutschen Lufthansa, antwortete als einzige Kommunikationsverantwortliche konkret auf die Fragen, mit denen sich manager-magazin.de an die Unternehmen gewandt hatte. "Wir prüfen eine Übernahme in eine offizielle Richtlinie der Deutschen Lufthansa AG, damit diese zu einer verbindlichen Handlungsanweisung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lufthansa Gruppe werden, die mit den Medien zusammen arbeiten "über unsere ohnehin gültigen Compliance Regeln hinaus. Grundsätzlich legen wir aber ohnehin großen Fokus auf Compliance-konformes Verhalten all unserer Mitarbeiter." Falls Sie den Kodex ganz oder in Teilen übernehmen: Wird dies voraussichtlich Änderungen Ihrer Medienarbeit nach sich ziehen? Schädler: "Nein, dies wird keine Änderung unserer Medienarbeit zur Folge haben, da die Kolleginnen und Kollegen der Deutschen Lufthansa AG sich ohnehin demgemäß verhalten und dies auch die klare Erwartung des Unternehmens ist. Der Kodex fasst nur nochmals das klar und eindeutig zusammen, was wir mit gesundem Menschenverstand und mit einer ethisch ausgerichteten Unternehmensführung für den geeigneten Umgang mit Medien halten. Im Übrigen sind in unserem Konzern die Kommunikations- und die Marketingfunktion organisatorisch voneinander getrennt."

Merck

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Walter Huber, Merck-Sprecher: "Dieses Regelwerk ist nun wirklich zuviel des Guten. Unsere internen Compliance-Regeln und der Ethik-Kodex unseres Berufsverbandes (DPRG), der "Deutsche Kommunikationskodex" haben ein ausreichendes Regulierungsniveau definiert. Konkret sagt der Deutsche Kommunikationskodex zu dem nach Ansicht des Arbeitskreises oder zumindest nach Ansicht des Autors regelungsbedürftigen Punkt: (7) PR- und Kommunikationsfachleute setzen ihre Kommunikationspartner nicht durch die Androhung von Nachteilen unter Druck und beeinflussen sie nicht durch die Gewährung von Vorteilen. Ich finde das reicht. Diese und alle anderen Regelungen des Deutschen Kommunikationskodex werden von uns ohne Abstriche respektiert. Und sollte es dort eine mir bislang verborgen gebliebene Regelungslücke geben, würde ich Rat suchen bei unseren im täglichen Leben durchaus nützlichen Unternehmenswerten und last but not least auch bei dem von moralphilosophischen Überlegungen nicht ganz freien "gesunden Menschenverstand"."

MunichRe

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Johanna Weber, Sprecherin MunichRe: "Der Kodex hält Grundsätze fest, die heute schon für Medien und Unternehmen gelten (zum Beispiel über die Pressegesetze der Länder, im Pressekodex oder in den Empfehlungen der DPRG)" wir halten das auch für eine gemeinsame Verpflichtung von Medien und Unternehmen, hier auf eine saubere Trennung von Interessen zu achten.

Munich Re verfolgt hier bereits seit langem einen sehr klaren Kurs: "unseren Anspruch und unsere Selbstverpflichtung im Umgang mit Medien haben wir öffentlich auf unserer Corporate Responsibility Website  festgehalten.

Munich Re achtet die Unabhängigkeit von Journalisten und ist an einer sauberen Trennung zwischen Journalismus und PR-Arbeit gelegen. In Fällen, in denen wir mit festangestellten oder freien Journalisten PR-Berater-, Moderatoren- oder Autorenverträge abschließen, achten wir darauf, dass diese Zusammenarbeit keinen Einfluss auf die Berichterstattung über unser Unternehmen oder unser Unternehmen betreffende Themen ausübt. In Deutschland, dem Sitz der Münchener Rückversicherung Gesellschaft AG in München, orientieren wir uns bei der Zusammenarbeit mit Journalisten an der "DPRG-Richtlinie für den Umgang mit Journalisten", die in den Richtlinien der Deutsche Public Relations Gesellschaft e.V. (DPRG), Berlin, und den Statuten des Deutschen Rat für Public Relations festgeschrieben sind. Die Richtlinien stehen im Einklang mit den Richtlinien des Deutschen Presserats und mit den Empfehlungen des Bundesverbands der Deutschen Industrie zur Bekämpfung der Korruption in Deutschland."

RWE

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Brigitte Lambertz, RWE-Sprecherin: "Das Thema Compliance wird bei RWE sehr ernst genommen. RWE hat sich im September 2005 einen eigenen Verhaltenskodex gegeben. Sie finden diesen öffentlich zugänglich auf unserer Internetseite .

Die Regelungen in dem von manager magazin zitierten "Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen" decken sich mit den Regelungen zum Verhalten gegenüber der Öffentlichkeit in unserem Verhaltenskodex. Darin steht z.B. geschrieben, dass wir vollständig, sachlich, inhaltlich korrekt und verständlich kommunizieren. Wir respektieren die Unabhängigkeit von Journalisten und Medien und zahlen auch nicht für Berichterstattung. Insofern ergeben sich aus dem neuen Kodex keine Änderungen im Verhalten von RWE gegenüber den Medien."

SAP

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SAP wollte sich auch auf zweimalige Anfrage nicht zu dem Thema äußern.

Siemens

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Stephan Heimbach, Siemens-Kommunikationschef: "Inhaltlich können wir uns sehr weitgehend mit den vom "Institute for European Affairs" (INEA) erarbeiteten Eckpunkten identifizieren. Wir sehen große Übereinstimmung mit den Grundwerten unserer Medienarbeit, wie sie in ähnlicher Weise auch anderswo und in unseren eigenen Guidelines für die Kommunikation des Unternehmens verankert sind. An der konkreten Erstellung durch INEA waren wir nicht beteiligt. Unsere eigenen Guidelines sind "wie alle internen Richtlinien nicht veröffentlicht"

ThyssenKrupp

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Alexander Wilke, ThyssenKrupp-Sprecher: "Grundsätzlich begrüßen wir den Grundgedanken der Initiative, über deren Inhalte wir zum ersten Mal aus dem MM erfahren haben. Die Initiative und die Details des Kodex waren mit uns im Vorfeld nicht besprochen. ThyssenKrupp fühlt sich bei seiner Unternehmenskommunikation den diversen Ethikregelungen und Kodizes (Deutscher Kommunikationskodex DRPR, Sieben Selbstverpflichtungen DRPR, Code de Lisbonne, Deutscher Werberat, etc.) verpflichtet. Darüber hinaus haben wir bereits 2013 eine umfangreiche Richtlinie für Pressereisen implementiert. Die Richtlinie legt inhaltliche Standards und eindeutige Prozesse für die Organisation, Durchführung und Dokumentation von Pressereisen fest und ist integriert in das ThyssenKrupp Compliance-System. Wir haben diese Richtlinie im Vorfeld mit zahlreichen Dax-30 Unternehmen sowie Professor Bentele vom Deutschen Rat für Public Relations diskutiert. Der DRPR treibt das Thema derzeit weiter. Um einem neuen Kodex die entsprechende Akzeptanz zu geben, sollte diese Initiative aus unserer Sicht mit den Standesverbänden diskutiert und abgestimmt werden. In einem zweiten Schritt wäre eine Diskussion mit den Journalistenverbänden und Verlags-Verbänden sinnvoll. Vor diesem Hintergrund sehen wir für ThyssenKrupp zurzeit keinen akuten Handlungsbedarf, sind einer breiten Diskussion dazu aber sehr aufgeschlossen."

Volkswagen

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Eric Felber, Volkswagen-Sprecher: "Volkswagen war an der Entstehung dieser neuen Richtlinien weder beteiligt, noch wurden diese mit uns abgestimmt. Unabhängig vom Arbeitskreis Corporate Compliance gilt für Volkswagen: Compliance steht bei Volkswagen für regel- und gesetzeskonformes Verhalten als Grundvoraussetzung für nachhaltiges Wirtschaften. Wir verfolgen eine an präventiven Compliance-Ansatz und stärken eine Unternehmenskultur, die bereits im Vorfeld potenzielle Regelverstöße ausschließt. Dies gilt selbstverständlich auch für den Umgang mit den Medien. Einige Punkte des neuen Kodex-Papieres sind ohnehin schon Bestandteil unserer konzernweiten Verhaltensgrundsätze. Auf Seite 15 der Verhaltensgrundsätze des Volkswagen Konzerns heißt es beispielsweise: "Wir respektieren und befolgen die Grundsätze der freien Meinungsäußerung, die Grundsätze des Rechts auf Information, der Unabhängigkeit der Medien sowie des Schutzes der Persönlichkeitsrechte." Und weiter: "Jeder unserer Mitarbeiter bedient sich zur Kommunikation und Realisierung von Interessen nur redlicher und legaler Mittel. Wir sind zur Wahrheit gegenüber politischen Institutionen, den Medien und der Öffentlichkeit verpflichtet."

3M

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Stefan Rahn, Sprecher 3M in Deutschland: "3M hat weltweit gültige Compliance-Richtlinien, die den gesetzlichen Anforderungen sowie den strengen 3M Ethik-Grundsätzen zum Business Conduct entsprechen. Ethisch und rechtlich einwandfreies Geschäftsverhalten ist eine wesentliche Grundlage für den Erfolg von 3M. Die in dem "Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen" beschriebenen Grundsätze sind bereits heute für uns selbstverständlich und durch unseren Code of Conduct abgedeckt."

GE-Deutschland

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Bernd Eitel, Sprecher von GE-Deutschland: "Wir haben die Verabschiedung des "Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen" mit Interesse zur Kenntnis genommen. Unsere geltenden Compliance-Richtlinien decken diese Anforderungen im Wesentlichen bereits ab und ergeben sich ohnehin aus gesetzlichen Regelungen. Aber wir werden die Entwicklungen auf diesem Gebiet aufmerksam verfolgen."

Techniker Krankenkasse

Foto: Malte Christians/ picture alliance / dpa

Dorothee Meusch, Pressesprecherin Techniker Krankenkasse: "Die TK misst dem Thema Compliance einen hohen Stellenwert bei, was schon organisatorisch durch die Einrichtung eines eigenständigen Stabsbereichs "Compliance" zum Ausdruck kommt. Er wird auch die Anwendbarkeit des Ende vergangenen Monats verabschiedete Kodexes des Arbeitskreises Corporate Compliance des INEA e.V. auch unter Berücksichtigung möglicher Stellungnahmen der bekannten deutschen Compliance-Verbände prüfen."

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