Private Weltraummission Wie jeder sich für 60 Pfund auf dem Mond verewigen kann

Lunar Mission One heißt das neueste Vorhaben der privaten Raumfahrt. Das britische Unternehmen sammelt im Netz Geld für seine Mondmission. Die Crowdfunder werden mit dem wissenschaftlichen Nutzen geworben - vor allem aber mit der Aussicht, persönlich im All präsent zu sein.
Sehnsuchtsort: Blick auf den Erdtrabanten während einer partiellen Mondfinsternis im Oktober

Sehnsuchtsort: Blick auf den Erdtrabanten während einer partiellen Mondfinsternis im Oktober

Foto: REUTERS

Hamburg - Zehn Jahre Zeit gibt sich Lunar Mission One. Im Jahr 2024 will das britische Unternehmen ein Robotergefährt auf den Mond setzen. Soweit nicht ungewöhnlich - an privaten Weltraummissionen herrscht kein Mangel. Doch was die Macher dazu bewegt, ihr Vorhaben als "das inspirierendste Mondprojekt seit den Apollo-Landungen" zu beschreiben, ist die Art der Finanzierung.

Per Crowdfunding auf der Plattform Kickstarter  sammeln sie seit Mittwoch Geld ein, um in einer ersten Phase das bisherige Freizeitprojekt zu professionalisieren. Wenn bis Mitte Dezember 600.000 Pfund (770.000 Euro) zusammenkommen - ein Ziel, das nach einem Tag schon fast zur Hälfte erreicht ist -, könnte etwas aus der "Mondmission für Jedermann" werden.

Die noch junge Finanzierungsform Crowdfunding könnte damit beweisen, dass sie auch Großes leisten kann - selbst wenn der eingeworbene Betrag noch gegen die Multimillionensummen verblasst, die auf Kickstarter für Computerspiele wie "Star Citizen", das nur virtuell ins All führt, eingehen.

Kleinbeträge ab drei Pfund werden noch eher symbolisch vergütet. Für 5000 Pfund verspricht das Unternehmen einen Zuschauerplatz im Kontrollzentrum. Die meisten Geldgeber spenden 60 Pfund, weil es dafür einen Gutschein für privaten Speicherplatz in einer digitalen "Zeitkapsel" gibt, die im Mondboden verscharrt werden soll. Das Versprechen lautet, dass die Unterstützer sich mit persönlichen Daten auf dem Mond verewigen können.

Milliardenerlös für das Verschicken von Haarsträhnen erhofft

Der gesamte Geldbedarf des Projekts geht natürlich weit über das Kickstarter-Ziel hinaus. Auch mittelfristig soll aber die Botschaft "Das All ist für alle da" die Finanzierung sichern. Auf drei Milliarden Pfund Einnahmen hofft das Unternehmen aus dem Verkauf der "Memory Boxes" einschließlich der Möglichkeit, mit Haarsträhnen das eigene Erbgut auf dem Mond verbuddeln zu lassen. Für den Rest sollen private Sponsoren und öffentliche Zuschüsse aufkommen.

Den ungewöhnlichen Weg der Schwarmfinanzierung begründet Lunar Mission One auf seiner Website  auch mit "zunehmendem finanziellen Druck auf Regierungen"; der Sparkurs gefährde die Raumfahrt. Die Initiatoren sind Forscher von öffentlichen Universitäten, auch ein ehemaliger Wissenschaftsminister von der in London regierenden Konservativen Partei sitzt im Board.

Als eigentliches Ziel nennt Lunar Mission One das Gewinnen neuer geologischer Erkenntnisse über Mond und Erde. Der Mondrover soll am bisher unerforschten Südpol des Monds in noch nicht erreichte Tiefen bohren und Gesteinsproben entnehmen, die nicht von kosmischer Strahlung oder Meteoriteneinschlägen beschädigt sind. Mit dieser Mission allein ließe sich aber wohl kaum so viel Geld einnehmen wie mit dem Versprechen auf ewiges Leben im All.

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