Sonntag, 13. Oktober 2019

Neues Stadion Konservatives Fundament - wie der SC Freiburg oben bleiben will

60 Jahre altes Freiburger Schwarzwaldstadion: Keine Loge, 97 Prozent Stadionauslastung - nicht mehr wettbewerbsfähig

Um in der Fußballbundesliga wettbewerbsfähig zu bleiben, will der SC Freiburg ein neues Stadion bauen. Die Finanzierungspläne sind konservativ, aber durchdacht. SPONSORS hat im Breisgau hinter die Kulissen geschaut.

Mit dem bisherigen Stadion an der Schwarzwaldstraße ist ein Abstieg des SC Freiburg in die 2. Fußballbundesliga nur noch eine Frage der Zeit. Davon sind die Verantwortlichen des Sport-Clubs überzeugt. Denn so "heimelig", wie die Südbadener sagen, das 60 Jahre alte ehemalige Dreisamstadion auch ist, so wenig entspricht es mittlerweile den Standards einer modernen deutschen Fußballarena.

Die Auslastung des 24.177 Zuschauer fassenden Schwarzwaldstadions, wie die Heimspielstätte des Sport-Clubs seit dieser Saison heißt, lag in den vergangenen Spielzeiten bei 97 Prozent. Zudem spielen die Freiburger als einziger Bundesligist neben Aufsteiger SC Paderborn in einem Stadion ohne Loge. Seit Jahren behilft sich der Sport-Club mit Umbaumaßnahmen und improvisierten VIP-Zelten - das ist alles andere als zeitgemäß. Entsprechend ist der Hospitality-Bereich stets nahezu komplett vermarktet. Das ist zwar schön, aufgrund der fehlenden individuellen Logen für Unternehmen ist bei den Vermarktungseinnahmen aber noch sehr viel Luft nach oben.

Ein Blick auf die Umsätze des SC Freiburg in der Saison 2013/14 zeigt den Nachholbedarf des Vereins bei der Stadion-Vermarktung. Von den rund 70 Millionen Euro Gesamtumsatz kommt fast die Hälfte aus der zentralen Medienvermarktung der Deutschen Fußball Liga (DFL). Die Vereinsoberen wissen: Um in der Bundesliga wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die Erträge im Sponsoring (zehn bis zwölf Millionen Euro) sowie aus den Spieltagseinnahmen und dem Hospitality-Bereich (zwölf bis 15 Millionen Euro) auf Dauer näher an die Medienerlöse heranrücken.

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Heft März 2019

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Damit sich die Einnahmen aus der Stadion-Vermarktung aber steigern lassen, muss in Freiburg ein neues Stadion her. Ein Umbau der bestehenden Heimspielstätte an der Schwarzwaldstraße ist für den Sport-Club keine Alternative, dies wurde vor zwei Jahren bereits umfassend geprüft und entschieden. Für einen Neubau und damit gegen einen Umbau sprechen unter anderem folgende drei Gründe:

  • Erstens: die "liebevollen, gestückelten Baumaßnahmen der vergangenen Jahre", wie man in Freiburg sagt. Diese hat der Verein alle selbst finanziert. Ein Umbau würde dazu führen, dass das Stadion sukzessive abgerissen und wieder komplett neu aufgebaut werden müsse. Problem: Das wäre ökonomisch auf einem ähnlichen Niveau wie ein Neubau.
  • Zweitens: Bei einem kompletten Umbau oder einer Sanierung am aktuellen Standort wäre die Kapazität der SC-Heimspielstätte aufgrund von baurechtlichen Beschränkungen wie bislang auf 25.000 Zuschauer beschränkt (siehe Grund drei). Die Mehreinnahmen in den Bereichen Ticketing und Spieltag würden sich demnach in Grenzen halten.
  • Drittens: die schwierige rechtliche Genehmigungsfähigkeit. Das Schwarzwaldstadion liegt in einem Wohngebiet. Zuletzt wurden zur Saison 1999/2000 Klagen von Anwohnern aufgrund von Lärmschutzbeschwerden nur mühevoll im Rahmen eines Vergleichs in der zweiten Instanz vor dem Verwaltungsgerichtshof abgewehrt. Einen weiteren Rechtsstreit will der Sport-Club definitiv vermeiden.

Letzte Hürde Bürgerentscheid

Aufgrund der verschiedenen Nachteile und Bedenken hat sich der SC Freiburg dazu entschieden, ein neues Stadion an einem anderen Standort zu bauen. Mitte November votierte der Freiburger Gemeinderat für den Standort am Wolfswinkel (Foto, oben), der sich in direkter Nachbarschaft zur neuen Messe und der Universität befindet.

Doch damit ist der Weg noch nicht frei. Am 1. Februar muss der Sport-Club eine alles entscheidende Hürde nehmen. Auf Initiative des Gemeinderats wird die Freiburger Bevölkerung im Rahmen eines Bürgerentscheids über die Realisierung des Bauprojekts abstimmen. Stimmt eine Mehrheit für das neue Stadion, so wird das Stadion gebaut.

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