Donnerstag, 14. November 2019

Neues Stadion Konservatives Fundament - wie der SC Freiburg oben bleiben will

60 Jahre altes Freiburger Schwarzwaldstadion: Keine Loge, 97 Prozent Stadionauslastung - nicht mehr wettbewerbsfähig

3. Teil: Der teure Weg

3,6 Millionen Euro Pacht

Über maximal 30 Jahre will der SC Freiburg sein neues Stadion abbezahlen. Dank des zusätzlichen Eigenkapitals von Rothaus hat sich der Fremdkapitalanteil der OTG stark verringert (27 Millionen Euro statt 39 Mil- lionen Euro). Dies wiederum hat Auswirkungen auf die jährliche Pacht des Sport- Clubs, die der Verein als Betreiber des Stadions an die OTG bezahlen würde und mit denen auch die Verbindlichkeiten getilgt werden würden: Laut Freiburgs Finanzbürgermeister Otto Neideck zahlt der Sport-Club in der Bundesliga damit nicht mehr jährlich 3,8 Millionen Euro an Pacht, wie ursprünglich kalkuliert, sondern nur 3,6 Millionen Euro. In der 2. Bundesliga lägen die jährlichen Pachtkosten bei 2,3 Millionen Euro.

Der teure Weg

Die Finanzierung der neuen Freiburger Arena steht also. Bemerkenswert ist dabei, dass der SC dafür keine künftigen Einnahmen vorzeitig liquidieren muss. Dass das unüblich ist, zeigt unter anderem das Beispiel in Stuttgart. Hier floss vor einigen Jahren eine Einmalzahlung der Daimler AG in Höhe von 20 Millionen Euro für das Naming-Right der Mercedes-Benz Arena direkt in die Stadionbesitzgesellschaft.

SC-Vorstand Leki erklärt: "Wir sind wie bei unseren letzten Baumaßnahmen am Schwarzwaldstadion und an unserem Nachwuchsleistungszentrum den teuren Weg gegangen. Wir haben gespart und Steuern in Millionenhöhe bezahlt, um keine Belastungen aus der Zukunft zu haben." Er rechnet vor: "Um ein Eigenkapital in Höhe von 15 Millionen Euro einzubringen, benötigen wir 25 Millionen Euro vor Steuern."

Für Außenstehende ist dieser Weg nur schwer zu verstehen. Schließlich hätte der Sport-Club seine Einnahmen auch in den Profikader investieren können, um die sportliche Wettbewerbsfähigkeit des Vereins zu erhöhen.

Warum also der Sparzwang? Reine Vorsichtsmaßnahme. Vereinspräsident Keller sagt: "Bei uns springt nämlich keiner ein, wenn wir in eine wirtschaftlich-finanzielle Bredouille kommen." Das sei bei Landeshauptstädten oder wirtschaftsstarken Standorten anders.

SPONSORs
Heft März 2019

SPONSORs ist der führende deutschsprachige Informations-dienstleister im Sportbusiness.

Mehr Infos zu SPONSORs
VIP-Bereich als Mensa

Ganz ohne Unterstützung der Stadt geht es aber auch im Breisgau nicht. Für die Infrastrukturkosten des Stadions in Höhe von geplanten 38 Millionen Euro kommt nämlich die Stadt Freiburg auf. Wobei es SC-Präsident Keller wichtig zu betonen ist, dass diese Summe nicht nur für das neue SC-Stadion genutzt werden würde. Die 38 Millionen Euro beinhalten unter anderem auch Gelder für Erschließungsstraßen für den Universitätsausbau, neue Parkplätze und Zufahrten, die auch von Messebesuchern und Studenten der Universität genutzt werden sollen. Dies sei Teil einer "breit angelegten Nutzungskooperation mit erheblichen Synergien". Dazu gehört auch, dass beispielsweise die Uni-Mensa in das Stadion integriert werden soll. Unter anderem sollen Tagungsräume und Logen gemeinsam genutzt werden.

Betrieben würde das Stadion, wenn es dann gegen 2019 fertiggestellt ist, durch den SC Freiburg als Pächter. Es ist aktuell jedoch noch unklar, ob dafür vom Verein eine 100-prozentige Betreibergesellschaft gegründet oder ob der SC Freiburg sein neues Stadion selbst betreiben wird. Fest steht dagegen, dass die Einnahmen aus dem Ticketing, Catering und der Werbe-, Hospitality- sowie Drittvermarktung zu 100 Prozent beim Sport-Club bleiben werden.

Wie hoch diese Einnahmen im Vergleich zu den aktuellen im Schwarzwaldstadion sein werden, können und wollen die Vereinsoberen derzeit noch nicht sagen. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt auch zweitrangig. Die volle Konzentration gilt vielmehr dem anstehenden Bürgerentscheid im Februar. Anschließend wird im Breisgauweiter konservativ geplant.

Diesen Text veröffentlichten wir mit freundlicher Genehmigung von SPONSORs, dem Fachmagazin für Sport-Business. Es erschien in der Januar-Ausgabe von SPONSORs. (Stand: 21.12.2014)

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung