Dienstag, 19. November 2019

Neues Stadion Konservatives Fundament - wie der SC Freiburg oben bleiben will

60 Jahre altes Freiburger Schwarzwaldstadion: Keine Loge, 97 Prozent Stadionauslastung - nicht mehr wettbewerbsfähig

2. Teil: Finanzierung steht

Allerdings müssen auch mindestens 25 Prozent aller wahlberechtigten Bürger am Bürgerentscheid teilnehmen, damit er für den Freiburger Gemeinderat bindend ist. Dabei spricht man von einem Quorum, das zum 1. Januar 2015 möglicherweise landesweit auf 20 Prozent gesenkt wird. Wird das Quorum nicht erreicht, könnte sich der Freiburger Gemeinderat über das Ergebnis des Bürgerentscheids hinwegsetzen und neu abstimmen.

Sport-Club-Vorstand Oliver Leki ist zwar optimistisch, dass die Freiburger Bürger für das neue Stadion stimmen werden. Er weiß aber auch, dass es definitiv kein Selbstläufer wird. Für ihn ist es eine Frage der kommunikativen Mobilisierung. "Es wird davon abhängen, dass wir unsere Argumente gut transportiert bekommen und die Vielzahl der Befürworter dann letztlich auch zur Abstimmung gehen." Denn: "Die Gegner kommen bestimmt", sagt Leki.

Gemeinsam mit SC-Präsident Fritz Keller und Aufsichtsratschef Heinrich Breit hat Leki in den vergangenen Wochen und Monaten eine Vielzahl an Veranstaltungen besucht und Gespräche geführt, um für das Konzept zu werben und es in die Köpfe der Freiburger zu bekommen.

Finanzierung steht

Breit und seine SC-Mitstreiter müssen ganze Arbeit leisten, wenn sie das Konzept für den Stadionneubau den Freiburgern verständlich erklären wollen. Insbesondere das Finanzierungs- und Gesellschaftermodell, das der SC Freiburg gemeinsam mit der Stadt Freiburg umsetzen will, ist keine leichte Kost. Grund genug für SPONSORS, das Konzept unter die Lupe zu nehmen.

Der erste Schritt nach einem positiven Bürgerentscheid wäre die Gründung einer Objektträgergesellschaft (OTG), in welche die Stadt Freiburg das Grundstück des Stadions und der SC Freiburg als atypischer stiller Gesellschafter eine Einlage von bis zu 20 Millionen Euro einbringen würden. "Mit dieser Einlage dokumentieren wir unsere unternehmerische Verantwortung für dieses Projekt", sagt SC-Präsident Fritz Keller.

Bei der atypischen stillen Beteiligung handelt es sich um eine unternehmerische Beteiligung. Der Sport-Club partizipiert voll am Ergebnis - sowohl an den Verlusten als auch an den Gewinnen der OTG.

Die OTG wäre eine rechtlich reinstädtische Stadionbesitzgesellschaft (100 Prozent), die - mit Ausnahme des Stammkapitals (25.000 oder 50.000 Euro) - aus dem Haushalt der Stadt Freiburg ausgelagert wäre.

Für die Baukosten des Stadions kalkulieren Stadt und Sport-Club mit 70 Millionen Euro, wobei Aufsichtsratschef Breit betont, dass er unter dieser "konservativ gerechneten Summe" bleiben will.

Im Detail sollen die 70 Millionen Euro, an denen sich die Stadt Freiburg nicht beteiligt, wie folgt finanziert werden: Bis zu 20 Millionen Euro bringt der Sport-Club als Eigenkapital in die OTG ein. Derzeit ist vorgesehen, dass der Verein zunächst seine bislang gesparten Rücklagen in Höhe von 15 Millionen Euro in die OTG einbringt, um dann ab 2016 über fünf Jahre je eine weitere Million Euro einzuzahlen.

Neben dem Sport-Club gibt es mit der Rothaus Brauerei noch einen typischen stillen Gesellschafter, der sich an der OTG beteiligen würde. Die Staatsbrauerei befindet sich zu 100 Prozent im Besitz des Landes Baden-Württemberg und würde sich im Falle eines Stadionneubaus mit einer Einlage in Höhe von 12,78 Millionen Euro an der OTG beteiligen.

Das Engagement käme nicht von ungefähr: Rothaus beteiligte sich bereits vor 16 Jahren mit 25 Millionen D-Mark (umgerechnet rund 12,78 Millionen Euro) an der "OTG Neue Messe" - einer anderen städtischen Objektträgergesellschaft. Eben diese Rothaus-Einlage will die Stadt Freiburg als Gesellschafterin der Freiburger Messe nun - voraussichtlich bis 2019 - durch einen Kredit ablösen. Dadurch könnten die 12,78 Millionen Euro als Einlage in die Stadion- OTG fließen.

Neben den beiden stillen Gesellschaftern SC Freiburg (bis zu 20 Millionen Euro) und Rothaus (12,78 Millionen Euro) beteiligt sich auch das Land Baden-Württemberg mit "zehn Millionen Euro plus X". Damit bleiben noch rund 27 Millionen Euro für den Stadionneubau, die die OTG über Darlehen finanzieren will. Diese Summe wäre durch eine 80-prozentige Bürgschaft der Stadt Freiburg abgesichert. SC-Vorstand Leki sagt:

"Das aktuell sehr günstige Zinsniveau hilft uns natürlich enorm und zeigt auch, dass das Projekt jetzt gelingen muss."

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