Mittwoch, 27. Mai 2020

Techinvestor sagt milliardenschweren Aktienkauf ab Softbank lässt WeWork hängen

Softbank-Chef Masayoshi Son lässt einen Milliardendeal mit dem Büroraumvermittler WeWork platzen
Kim Kyung-Hoon/ REUTERS
Softbank-Chef Masayoshi Son lässt einen Milliardendeal mit dem Büroraumvermittler WeWork platzen

Die Rettung des Büroraum-Vermittlers WeWork kostete Softbank-Chef Masayoshi Son schon viel Geld - so viel, dass der bekannte Technolgie-Investor mit Softbank Ende 2019 erstmals einen Quartalsverlust ausweisen musste. Gut neun Milliarden Dollar wollte Son in die Firma stecken - in Form von neuen Krediten und Aktienkäufen.

Dafür drückte er bei WeWork einen harten Sparkurs durch und jagte den exzentrischen Gründer Adam Neumann, der die Firma mit vollmundigen Versprechungen hochgejazzt hatte, vom Hof - nicht zum Nachteil von Neumann. Schließlich sollte WeWork-Großaktionär Neumann über die angekündigten Aktienkäufe ein weiteres Mal richtig Kasse machen dürfen: Für gut eine Milliarde Dollar sollte er Son seine Anteile an WeWork verkaufen. Die Risikokapitalfirma Benchmark als einer von 4 weiteren Großinvestoren hätte 600 Millionen Dollar eingestrichen.

Der Plan war umstritten, schließlich war es Neumann, der dem Unternehmen - angetrieben von Softbank - mit seinem halsbrecherischen Wachstumskurs tief in die Schulden geritten hatte. Ein Börsengang sollte viel Cash in die Kasse spülen, doch die Zweifel der Investoren am Geschäftsmodell von WeWork wuchsen. Der Börsengang wurde mangels Interesse der Investoren abgesagt.

Jetzt hat Son seinen Plan noch einmal überdacht. Softbank wird keine weiteren Aktien von WeWork für gut drei Milliarden Dollar kaufen, wie WeWork in der Nacht mitteilte, berichtet unter anderem die "New York Times". Das ist nicht nur ärgerlich für Neumann, sondern auch äußerst problematisch für WeWork. Denn mit dem Rückkauf sollen weitere Kredite von 1,1 Milliarden Dollar verknüpft sein, die WeWork jetzt auch fehlen dürften.

WeWork-Gründer Adam Neumann hätte mit dem Verkauf eines Teils seiner Aktien noch mal rund eine Milliarde Dollar eingestrichen.
Jackal Pan / REUTERS
WeWork-Gründer Adam Neumann hätte mit dem Verkauf eines Teils seiner Aktien noch mal rund eine Milliarde Dollar eingestrichen.

Seitdem das Coronavirus die USA ereilt und zum Hotspot der Seuche gemacht hat, steht das Gros der schicken Büros von WeWork nach US-Medienberichten praktisch leer. WeWork mietet riesige Flächen in Bürogebäuden und vermietet diese dann an Freiberufler, kleine Unternehmen und große Konzerne weiter - in der Regel über langfristige Verträge, aber fast ein Drittel sollen kurzfristige Mietverträge sein.

Um so mehr stellt sich für Investoren die Frage, wie es nach der Pandemie, die jetzt schon Millionen US-Amerikaner in die Arbeitslosigkeit treibt, mit der Vermietung weitergehen wird, wie hoch die Nachfrage nach den zumeist noch teuren Immobilien sein wird. Kündigungen und Mietausfälle im weiteren Verlauf der Krise gelten als sehr wahrscheinlich. Zugleich scheinen dem Büroraum-Vermittler die Kosten weiter davonzulaufen, heißt es in US-Medienberichten.

Laut New York Times und Bloomberg hatte Softbank wohl schon kürzlich mit dem Rückzug vom angekündigten Aktienkauf gedroht. Als Grund hätte Son laufende Untersuchungen von US-Behörden gegen WeWork genannt. Auch habe WeWork mehrere Bedingungen für die Transaktion nicht erfüllt. Der Aktienkauf hätte eigentlich zum 1. April über die Bühne gehen sollen.

Will Softbank in der Krise nur einen besseren Deal durchdrücken?

"Angesichts unserer treuhänderischen Pflicht gegenüber unseren Aktionären wäre es unverantwortlich von Softbank, die Tatsache zu ignorieren, dass die Bedingungen nicht erfüllt wurden, und das Übernahmeangebot dennoch zu vollziehen", zitiert Bloomberg, Rob Townsend, den Chef-Justitiar bei Softbank. Zu besagten Aktionären zählt auch der Hedgefonds Elliott Management, der seine Beteiligung an dem Techinvestor auf 3 Prozent ausgebaut haben soll. Er hatte nicht nur das WeWork-Engagement kritisiert, sondern forderte zuletzt offenbar milliardenschwere Aktienrückkäufe von Softbank, was Sons Investmentpläne weiter einschränken dürfte.

Softbanks Begründung indes dürfte wohl nur vorgeschoben sein. Schließlich war Softbank damals schon neben Neumann größter Aktionär und engstens in die Vorbereitungen des Börsengangs involviert. Es wäre also verwunderlich, wenn die Untersuchungen Softbank wirklich überrascht hätten. Vielmehr dürfte Softbank wohl darauf abzielen, einen besseren Deal herauszuschlagen - wohlwissend dass vermutlich niemand sonst bei WeWork in die Bresche springt. Softbank ist unter anderem auch am chinesischen Internet-Riesen Alibaba und am Fahrdienstvermittler Uber beteiligt.

WeWork selbst zeigte sich nicht nur "überrascht und enttäuscht" von Softbanks Rückzug, sondern prüft nun zusammen mit anderen Aktionären auch rechtliche Schritte gegen Softbank.

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