Mittwoch, 1. April 2020

Wechsel an der Bayer-Aufsichtsratsspitze Die Geburt eines Dominators

Werner Baumann: Nach dem Abschied Wennings wird CEO Baumann den Bayer-Konzern dominieren

Dies ist kein Nachruf. Werner Wenning (73) ist bei guter Gesundheit, und auch nach seinem Abschied als Aufsichtsratschef von Bayer wird er als Kontrolleur bei Siemens noch eine wichtige Rolle in der deutschen Wirtschaft spielen. Seine große Zeit als die über 20 Jahre lang prägende Figur des Leverkusener Pharma- und Agrarchemieproduzenten jedoch ist vorbei.

Übergibt er also Bayer zum richtigen Zeitpunkt? Und an den Richtigen?

Klar ist, Wenning ging freiwillig. Kein Investor hat ihn gedrängt, auch wenn er bei der Hauptversammlung 2019 sehr viel Kritik einstecken musste. Damals hatten die Aktionäre den Vorstand nicht entlastet. Sie waren sauer, weil die Übernahme von Monsanto zu einem Kursverfall geführt hatte. Bayer Börsen-Chart zeigen wirkte überfordert im Umgang mit den Schadensersatzprozessen und der Öffentlichkeit. Inzwischen hat sich der Aktienkurs ein wenig erholt, die Einigung mit den Klägern scheint kurz bevorzustehen. Ein guter Zeitpunkt also, um zu gehen. Wenning klebt nicht an seinem Stuhl, das verdient Respekt.

Nachfolger Winkeljohann kennt Bayer bislang nur über die Zahlen

Die Nachfolgelösung allerdings überzeugt nicht auf Anhieb. Der Wirtschaftsprüfer Norbert Winkeljohann (62) kennt das Unternehmen nur über die Zahlen. Von der Branche versteht er wenig. Als deutscher und europäischer Chef des Wirtschaftsprüfers PwC hat Winkeljohann einen guten Job gemacht, aber niemals als Vorstand ein Industrieunternehmen geführt. Auch im Umgang mit den - bei Bayer extrem kritischen - Medien und Investoren hat er kaum Erfahrung.

Werner Wenning: Scheidender Vorsitzender des Aufsichtsrats

Es hätte zwei mögliche andere Kandidaten für den Chefposten im Aufsichtsrat gegeben: Zum einen den früheren Bayer-Vorstand Wolfgang Plischke; doch der ist mit 68 Jahren schon zu alt, er hätte allenfalls fünf Jahre an der Spitze stehen können. Zum anderen Simone Bagel-Trah (51), bei Henkel Aufsichtsratsvorsitzende. Sie wäre ein gutes Signal gewesen im insgesamt sehr männerlastigen Bayerhaus, das zurzeit nicht einmal eine Frau im Vorstand hat. Zwei Aufsichtsratsvorsitze wären aber für sie wahrscheinlich zu viel geworden, zumal Henkel Börsen-Chart zeigen derzeit schlechte Ergebnisse liefert.

So gab es am Ende offensichtlich keine bessere Lösung als Winkeljohann. Für Vorstandschef Werner Baumann ist das ein Einschnitt. Wenning hat ihn nicht nur unterstützt, er hat auch die Strategie mit formuliert.

Nun wird Baumann der unumstrittene Dominator des Konzerns sein. Und er wird viel mit sich oder seinen Vorständen ausmachen müssen. Das bedeutet viel Macht, aber auch verdammt viel Verantwortung für einen Mann.

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