Montag, 6. April 2020

Corona-Virus Autozulieferer Webasto bestätigt Infektion eines deutschen Mitarbeiters

Webasto Zentrale in Stockdorf (Bayern): Der Autozulieferer hat die Infektion eines Mitarbeiters mit dem Corona-Virus bestätigt

Der oberbayerische Autozulieferer Webasto hat die Infektion eines deutschen Mitarbeiters mit dem neuen Coronavirus bestätigt. Demnach wurde ein Mitarbeiter der Unternehmenszentrale im Münchner Vorort Stockdorf von einem Gast aus Shanghai angesteckt, der vergangene Woche zu Besuch war und erst nach seinem Rückflug in China positiv getestet wurde. Beide Mitarbeiter seien stationär in ärztlicher Behandlung, es gehe ihnen den Umständen entsprechend gut, erklärte Vorstandschef Holger Engelmann am Dienstag.

Der Belegschaft in der Stockdorfer Zentrale hat das Management für diese Woche freigestellt, nicht ins Büro zu kommen, sondern zu Hause zu arbeiten. Schon zuvor hatte das Unternehmen sämtliche Dienstreisen nach China für die nächsten zwei Wochen abgesagt.

Webasto stellt hauptsächlich Autodächer und Standheizungen her und hat in China mehr als zehn Standorte. Die größte Fabrik befindet sich in der Millionenmetropole Wuhan, in der die neuartige Lungenkrankheit zuerst ausgebrochen war.

Der 33jährige Mitarbeiter hat sich offenbar bei einer Schulung des Unternehmens in Deutschland angesteckt. "Es geht im recht gut, gestern Vormittag hat er noch gearbeitet", sagte der Präsident des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf, am Dienstag in München. Der Mann habe an einer Schulung seiner Firma Webasto teilgenommen, an der auch eine Kollegin aus dem Werk des Unternehmens in Shanghai teilgenommen habe.

Die Frau habe vor ihrer Reise nach Deutschland Besuch von ihren Eltern gehabt, die aus der besonders betroffenen Region Wuhan stammen. Sie sei am 23. Januar wieder zurückgeflogen und habe sich auf dem Heimweg krank gefühlt.

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Bild: REUTERS

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist von dem Auftreten des Erregers in Deutschland nicht überrascht. Es war zu erwarten, dass das Virus auch Deutschland erreicht", erklärt er. Deutschland sei gut vorbereitet, und die Gefahr für die Menschen in Deutschland bleibe nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts gering.


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Bayern schaltet nach dem Bekanntwerden des ersten bestätigten Coronavirus-Falls in Deutschland eine Hotline für besorgte Bürger. Das teilte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Dienstag in München mit. Die Behörden nehmen "die Lage sehr ernst, aber wir sind auch gut vorbereitet". "Die Kontaktpersonenermittlung läuft auf Hochtouren." Weitere Maßnahmen würden in Erwägung gezogen, sagte Huml. Gemeinsam mit dem Bund werde beraten, "ob es sinnvoll sein kann, an Flughäfen Fieber zu messen". Auch die Barmer-Krankenkasse hat bereits eine Hotline geschaltet.

la/dpa

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