Die größten Übernahmen vor K+S Was aus den verkauften deutschen Firmen wurde

Kali und Salz, einen noch spröderen Klang kann ein Unternehmensname doch gar nicht haben. Und doch: Um K+S entfaltet sich ein spannender Wirtschaftskrimi, wie ihn Deutschland lange nicht gesehen hat - komplett mit echten Polizeirazzien.

Dass der einzige Rohstoffkonzern im Dax vom kanadischen Wettbewerber Potash Corp. of Saskatchewan  geschluckt wird, wollen Politiker vom CDU-geführten Hessen bis zum links regierten Thüringen verhindern. Die Kanadier, die seit Juli mit ihrem 8,7-Milliarden-Dollar-Gebot cool abwarten, bringen nun auch eine feindliche Übernahme ins Gespräch.

Einen vergleichbaren Angriff eines ausländischen Unternehmens auf einen deutschen Konzern hat es mindestens seit dem Griff des spanischen Baukonzerns ACS nach Hochtief 2011 nicht gegeben - und in dieser Dimension viel länger nicht. Der K+S-Deal würde nach Angaben des Finanzdatenanbieters Thomson Reuters locker zu den Top Ten der Verkäufe deutscher an ausländische Firmen in den vergangenen 20 Jahren zählen. Lesen Sie hier, was aus den anderen Groß-Deals wurde.

Dea

Warum gibt es eigentlich keinen deutschen Ölmulti à la Shell  oder Exxon ? Zugegeben, in Zeiten niedriger Ölpreise  ist das kein Gewinnerthema. Dennoch gibt es immer wieder Versuche in dieser Richtung. Ernsthafte Ambitionen des Chemiekonzerns BASF  mit seiner Tochter Wintershall wurden von den Russland-Sanktionen ausgebremst.

Genau umgekehrt lief es für den Energieriesen RWE : Der zieht sich aus dem Geschäft zurück, doch das wäre fast an eben diesen Sanktionen gescheitert. Der Verkauf der Hamburger Öl- und Gastochter Dea für fünf Milliarden Euro an den russischen Milliardär Michail Fridman ging im März dieses Jahres über die Bühne. Bis dahin hatte die britische Regierung ihr Veto eingelegt: Gasreserven in der Nordsee sollten nicht an einen Russen fallen, der sich schon mit BP  angelegt hatte.

Im Gegensatz dazu schien die deutsche Bundesregierung fast erleichtert den Deal durchzuwinken, der dem RWE-Konzern mit seinen vielen kommunalen Aktionären beim Schuldenabbau hilft. In der Dea wurde die Freiheit von RWEs Finanznöten herbeigesehnt. Fridman verspricht, den mit dem Namen Deutsche Erdoel AG verbundenen Anspruch zu erfüllen.

Viterra

Das neueste Mitglied im Dax heißt Vonovia . An den ebenso neuen Namen werden wir uns erst gewöhnen müssen, aber als Deutsche Annington war das Unternehmen auch nicht gerade landläufig bekannt - und doch Deutschlands größter Vermieter.

Den wichtigsten Beitrag zu diesem sagenhaften Aufstieg lieferte ein Acht-Milliarden-Dollar-Deal im Jahr 2005. Der Energiekonzern Eon  stieß seine vor allem aus ehemaligen Werkswohnungen im Ruhrgebiet bestehende Immobilientochter Viterra an die Deutsche Annington ab, damals ein Fonds der britischen Private-Equity-Firma Terra Firma - und damit qualifiziert als ausländischer Firmenkäufer, auf Rang 8 der größten Zukäufe in Deutschland und in der Sphäre des K+S-Deals.

E-Plus

Otelo - oder o.tel.o, so die firmeneigene Schreibweise - hat den Klang der Neunziger. Tatsächlich endete die Existenz des von RWE und Veba aus der Taufe gehobenen Telefonanbieters im Februar 2000. Das Versprechen auf neue Möglichkeiten im Neuen Markt galt immer noch und lockte andere Käufer für die E-Plus Mobilfunk GmbH, den nach dem Verkauf des Festnetzgeschäfts verbliebenen Teil von Otelo, an.

Ein Konsortium aus Bell South und dem niederländischen Telekomanbieter KPN  bekam nach einem Bieterkampf für 9,4 Milliarden Dollar den Zuschlag. Rivale Vodafone  verdiente mit, nachdem er zwischenzeitlich bei E-Plus eingestiegen war. Nun wurde das Geld für größere Pläne gebraucht - dazu später mehr. Bald übernahm KPN die alleinige Kontrolle von E-Plus. Was daraus wurde? Ein Kandidat für den nächstgrößeren Deal.

Noch einmal E-Plus

Im Oktober 2014 endete die Ära von E-Plus als Deutschland-Tochter der KPN. Die Niederländer ließen sich die Firma für 11,25 Milliarden Dollar wieder abkaufen - vom Wettbewerber O2 , der zum spanischen Telefonica-Konzern gehört .

Beide Mobilfunker hatten zuvor als kleine Angreifer der dominanten Anbieter Deutsche Telekom  und Vodafone  den Wettbewerb im deutschen Markt angeheizt. Nun, in Zeiten hoher Datenabrufe im mobilen Netz und daher nötiger teurer Investitionen, soll die Zusammenlegung der Netze die nötige Größe erzeugen.

Kabel Deutschland

Auch auf Platz 5 des Rankings dreht sich alles um Kommunikationsnetze, die heute wieder ähnlich stark die Fantasie der Dealmaker anregen wie um die Jahrtausendwende. Im Oktober 2013 verstärkte sich der britische Mobilfunkriese Vodafone mit 11,4 Milliarden Dollar (laut den Thomson-Reuters-Daten einschließlich Nettoschulden) um Kabel Deutschland, erst drei Jahre zuvor mit großer Fanfare an die Börse gegangen.

Die Grenzen zwischen Festnetz-, Mobilfunk- und Fernsehkabelnetzen und Internet verschwimmen. Die Anbieter sehen sich unter Druck, den Kunden alles aus einer Hand bereitzustellen. Und Kabel Deutschland (einst von der Deutschen Telekom abgespalten) ist als Pionier der Glasfasertechnik der Platzhirsch, was Breitbandkabel angeht.

Viag Interkom

Der Name Viag Interkom ist wieder etwas für Nostalgiker der New-Economy-Euphorie. Die einstige Staatsholding Viag hatte mit Hilfe der British Telecom 1995 einen eigenen Mobilfunker ins Leben gerufen.

Im Zuge der Fusion von Viag und Veba (wie bekannt mit Otelo/E-Plus ebenfalls im Geschäft) zu Eon  wurden solche Randbereiche der Energieriesen abgegeben. Die BT übernahm im Februar 2001 für 13,8 Milliarden Dollar die volle Kontrolle der Interkom und führte im Folgejahr die globale Mobilfunkmarke O2 ein.

Die wiederum verkaufte sie wenige Jahre später an Telefonica . Der Wert dieses Deals übertrifft mit 26 Milliarden Euro den ursprünglichen Verkauf an die BT, taucht in der Statistik aber nicht als Übernahme einer deutschen Firma auf. Ironie der Geschichte: Telefonica Deutschland  bringt mit O2 und E-Plus heute die Mobilfunkgeschäfte von Viag und Veba zusammen, die in der Eon-Fusion keinen Platz hatten - und ist nach Börsenwert fast so groß wie der strauchelnde Stromversorger .

HypoVereinsbank

Die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit des deutschen Geschäfts war eine wichtige Bedingung des Aufsichtsrats, als er 2005 dem Verkauf der Bayerischen Hypotheken- und Vereinsbank an den Unicredito Italiano zustimmte. Die Aktionäre der HVB konnten sich über mehr als 18 Milliarden Dollar freuen.

Heute ist die Rolle der Münchener im inzwischen Unicredit  genannten Konzern immer noch ein Thema, aber eigentlich geklärt: die HVB ist nicht mehr als der deutsche Unicredit-Standort. Allerdings ist die von den Mailändern verfochtene Idee einer grenzüberschreitenden europäischen Großbank schon an Grenzen gestoßen.

Während der Finanzkrise verbot die deutsche Bankenaufsicht Bafin den Italienern, die mit Krisen in allen möglichen Ländern kämpften und Multi-Milliardenbeträge an neuem Kapital brauchten, den Griff in die eigentlich ihnen gehörende Münchener Kasse.

Hoechst

Ebenso wie im Fall HypoVereinsbank wurde auch beim Verkauf von Hoechst im Jahr 1999 das Wort Fusion statt Übernahme gewählt. Es suggeriert einen Zusammenschluss unter Gleichen. Völlige Gleichheit unter den Unternehmenspartnern ist allerdings äußerst selten.

Immerhin bekam Hoechst-Chef Jürgen Dormann, der den traditionsreichen Chemiekonzern zuvor schon weitgehend entkernt und auf das Pharmageschäft konzentriert hatte, den Aufsichtsratsvorsitz der mit Rhône-Poulenc gebildeten neuen Firma Aventis. Der Konzernsitz wurde symbolträchtig in Straßburg (genauer, im Vorort Schiltigheim) angesiedelt, zwischen den Standorten Lyon und Frankfurt als Platz einer deutsch-französischen Ehe im damaligen Rekordwert von 28,4 Milliarden Dollar.

Keine fünf Jahre später war das Modell aber schon wieder passé. Der Pariser Wettbewerber Sanofi-Synthélabo kaufte Aventis. Seit 2011 heißt das Gebilde nur noch Aventis. Von Hoechst redet kaum noch jemand, aber das Erbe des Dax-Konzerns lebt im größten Pharmahersteller der EU mit großer Forschungsabteilung in Frankfurt-Höchst weiter.

Mannesmann

Während der Zusammenschluss von Hoechst und Rhône-Poulenc noch lief, begann im November 1999 die Mutter aller Übernahmeschlachten - und diese, die mit dem Wert von 203 Milliarden Dollar wohl noch lange unübertroffen bleiben wird, wurde lange feindlich geführt - mit entsprechenden Schlagzeilen in der Presse, der Angst vor dem Ausverkauf der deutschen Industrie.

Im April 2000 war der Deal aber dann doch besiegelt. Der für seine nahtlosen Stahlrohre bekannte Ruhrkonzern Mannesmann, der das Traditionsgeschäft zuvor schon weitgehend zugunsten des Mobilfunks verlassen hatte, ging an die britische Vodafone  (die sich zeitgleich von E-Plus trennte).

Rekordverdächtig waren die Abfindungen für das Mannesmann-Management um Klaus Esser, aber auch die folgenden Untreue-Prozesse und Abschreibungen auf Seiten von Vodafone. Gerade, als der Deal abgeschlossen wurde, platzte die New-Economy-Blase. Vodafone ist aber weiterhin eine der großen Nummern auf dem deutschen Markt (und international einer der führenden Mobilfunker). Der Name Mannesmann lebt übrigens in zahlreichen anderen Unternehmen weiter. Manche davon fertigen auch noch Stahlrohre.


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