US-Studie Warum 65-jährige Manager häufiger ihre Unternehmen verkaufen

Es klingt kurios. Firmen, deren CEOs 65 Jahre alt sind, werden häufiger gekauft als Unternehmen mit Jüngeren an der Spitze. Das ist das Ergebnis einer US-Studie. Die Forscher glauben: Alte haben weniger zu verlieren.
Siesta: Wer kurz vor dem Ruhestand steht, sträubt sich weniger stark gegen Übernahmen.

Siesta: Wer kurz vor dem Ruhestand steht, sträubt sich weniger stark gegen Übernahmen.

Foto: Corbis

Hamburg - Es klingt wie ein Forschungsartefakt, wie ein Produkt des Zufalls. Unternehmen, deren Chef 65 Jahre alt ist, so postuliert eine Studie der US-Eliteuni Stanford, erhalten mit fast 40 Prozent größerer Wahrscheinlichkeit ein Übernahmeangebot als Firmen mit einem 63-Jährigen an der Spitze. Gut 30 Prozent größer ist ihre Chance, danach auch tatsächlich gekauft zu werden.

Fast 4000 Übernahmen von US-Firmen haben Dirk Jenter und Katharina Lewellen für ihre Studie untersucht. Das Ergebnis: Insgesamt haben Unternehmen mit CEOs unterhalb des traditionellen Ruhestandsalters von 65 jährlich eine Chance von 4,4 Prozent, aufgekauft zu werden. Sind die CEOs aber zwischen 64 und 66 Jahren alt, schnellt dieser Wert signifikant auf 5,8 Prozent hoch - das entspricht einer Steigerung von 32 Prozent.

So kurios sie auch klingen mögen: Die Ergebnisse stützen Jenters Theorien. Der Stanforder Finanzprofessor vertritt eine auf den einzelnen Menschen fokussierte Betriebswirtschaftslehre. Er untersucht, wie Interessen von Einzelnen - hier etwa von CEOs - die Entscheidungsfindung in Unternehmen beeinflussen. Standard-Management-Modelle gingen davon aus, dass unterschiedliche Entscheider in ähnlichen Situationen ähnliche Lösungen fänden; Jenter sieht das anders.

Jüngere sträuben sich gegen Verkäufe

Der Forscher interpretiert seine Ergebnisse nicht als letzten Versuch alter Manager, noch einmal Geld zu verdienen. Vielmehr sei die junge Generation zu zögerlich. "Jeder denkt intuitiv, dass die älteren Kerle etwas falsch machen müssen", wird Jenter auf der Homepage der Stanford Graduate School of Business zitiert. "Aber wir haben überhaupt keine Hinweise darauf, dass die Deals der 65-Jährigen schlechte Geschäfte sind. Sie sehen genauso gut aus wie die der Jüngeren." Die eigentliche Frage sei, weshalb CEOs unter 65 weniger stark verkauften: "Aus Aktionärssicht mag ich die älteren Kerle sehr."

Jenter glaubt, die persönlichen Kosten eines Verkaufs seien für jüngere Chefs zu hoch. Nach der Zusammenführung zweier Unternehmen bliebe dem CEO des aufgekauften Unternehmens häufig keine Karriere in der neuen Firma. Entsprechend sträubten sie sich gegen Verkäufe; ihre Aufsichtsräte unterstützten sie dann darin, wertsteigernde Deals auszuschlagen. "Allgemeiner gesprochen deuten unsere Ergebnisse an, dass Eigeninteressen von Managern Übernahmen seltener stattfinden lassen, als es im besten Interesse der Aktionäre wäre."

Investmentbanker stützen Jenter

Natürlich gehen Übernahmen nicht immer vom bald in den Ruhestand gehenden Chef eines Übernahmekandidaten aus. Jenter vermutet, dass ein solcher Prozess eher bei Investmentbankern und übernahmewilligen Firmen losgehe. Unternehmen und Banker auf der Suche nach Übernahmeopfern suchten dann bewusst nach Unternehmen mit so gut wie berenteten CEOs, weil jene Firmenlenker weniger zu verlieren hätten und deshalb weniger kampfeslustig seien.

"Ich habe diese These mit Investmentbankern diskutiert", sagt Jenter, "und sie sagen, dass es klar sei, über Anreize für den Ruhestand nachzudenken. Wenn sie jüngere CEOs betrachten, gehen sie von einer schmutzigen Übernahmeschlacht aus."