Samstag, 18. Januar 2020

Gewinneinbruch - teure Jagd auf Netflix und Co Auch "Avengers" können Disney-Gewinn nicht retten

Avengers-Darstellerin Scarlett Johansson: Trotz des erfolgreichsten Films der Kinogeschichte weist Disney einen Gewinneinbruch aus
Willy Sanjuan/ Invision/ AP
Avengers-Darstellerin Scarlett Johansson: Trotz des erfolgreichsten Films der Kinogeschichte weist Disney einen Gewinneinbruch aus

Der US-Unterhaltungsriese Walt Disney hat die Erwartungen im vergangenen Geschäftsquartal trotz des Erfolgsfilms "Avengers: Endgame" klar verfehlt. Verglichen mit dem Vorjahreswert brach der Gewinn um fast 40 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar (1,6 Mrd Euro) ein, wie der Konzern am Dienstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Auch die Erlöse blieben trotz eines - auch dank Zukäufen - sehr starken Anstiegs um fast ein Drittel auf 20,2 Milliarden Dollar unter den Prognosen.

Anleger reagierten enttäuscht und ließen die Aktie nachbörslich zeitweise um knapp sechs Prozent fallen. Seit Jahresbeginn war der Kurs aber auch schon um 29 Prozent gestiegen.

Zwar lieferte Disney mit dem Superhelden-Blockbuster "Avengers: Endgame" - der im Juli "Avatar" als erfolgreichsten Film der Kinogeschichte abgelöst hatte - im abgelaufenen Quartal einen riesigen Kassenschlager. Auch sonst legten die Erlöse in allen Sparten zu. Belastet wurde die Bilanz von Sonderkosten durch die Integration zugekaufter Geschäfte von 21st Century Fox und hohen Investitionen in den Auf- und Ausbau von Streaming-Diensten wie Disney+ und Hulu sowie der Online-Version des kriselnden Sportsenders ESPN. Insgesamt kletterten die Ausgaben um 55 Prozent auf 17,5 Milliarden Dollar. Disney hat zur Aufholjagd auf Streamingdienste wie Netflix und Amazon Börsen-Chart zeigen geblasen, doch dies erfordert hohe Investitionen.

Jagd auf Netflix und Amazon: Ausgaben klettern auf 17,5 Milliarden Dollar

In der Filmsparte - wo im Berichtszeitraum auch "Aladdin" und "Toy Story 4" erschienen - stand dem "Avengers"-Erfolg mit dem von Fox übernommenen Marvel-Actionstreifen "Dark Phoenix" ein Flop gegenüber, der Disney eine Abschreibung einbrockte. Auch das normalerweise florierende Geschäft mit Vergnügungsparks enttäuschte diesmal. Analysten hatten fest damit gerechnet, dass die mit großem Spektakel als Ergänzung zum Disneyland-Resort in Kalifornien eröffnete Themenwelt "Star Wars: Galaxy's Edge" ein Hit wird. Doch stattdessen gingen Besucherzahlen und Betriebsgewinn in den USA zurück.

In einer Konferenzschalte mit Investoren erklärte Disneys Finanzchefin Christine McCarthy, dass die Parks in Florida wohl weniger Gäste angezogen hätten, da diese die dort anstehende Eröffnung des "Star Wars"-Bereichs abwarten würden. Konzernchef Bob Iger sagte, er habe keine langfristigen Sorgen hinsichtlich der Sternenkrieger-Attraktionen. In Kalifornien sei großer Andrang befürchtet worden, zudem hätten die Hotels die Preise erhöht. Deshalb seien einige Menschen ferngeblieben, denen es einfach zu teuer wurde. Das dürfte die Geschäfte jedoch nicht dauerhaft belasten, sagte Iger.

Abigail Disney hält Igers Millionengehalt für "geisteskrank"

Disney-Chef Iger ist in jüngster Zeit ohnehin Kummer gewohnt. Die Enkelin des Disney-Co-Gründers Roy Disney, Abigail Disney, hatte im Frühsommer das Chefgehalt Igers in Höhe von 65 Millionen Dollar für das Jahr 2018 als "geisteskrank" ("insane") kritisiert. Iger sei zwar ein brillanter Unternehmensführer, doch stehe diese Summe in keinem Verhältnis zu der Bezahlung der übrigen Angestellten. Iger verdiene mehr als das Tausendfache eines durchschnittlichen Angestellten im Disney-Konzern, kritisierte Abigail Disney. Mit dieser Summe hätte man auch eine Lohnerhöhung von 15 Prozent für jeden Disney-Angestellten finanzieren können: Es wäre sicherlich sinnvoller, den großen Erfolg des Konzerns gleichmäßiger zu verteilen, so Disney in ihrer Kritik.

la/reuters/ap

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