Dienstag, 10. Dezember 2019

Trotz zweier Massaker in eigenen Filialen Walmart will weiter Waffen verkaufen

Stilles Gedenken, stiller Protest: Bürger in El Paso, wo ein 21-Jähriger in einem Walmart-Supermarkt 20 Menschen erschossen hatte
Mark Ralston/ AFP
Stilles Gedenken, stiller Protest: Bürger in El Paso, wo ein 21-Jähriger in einem Walmart-Supermarkt 20 Menschen erschossen hatte

Nach drei Massakern mit Schusswaffen in den USA in einer Woche ist die Diskussion um mögliche Verbote des Waffenverkaufs erneut aufgeflammt. Diesmal auch, weil zumindest in einem Fall rassistische Motive eine Rolle gespielt haben könnten. Doch wird sich irgendetwas ändern? Vermutlich nicht. Wir sehr sich die US-amerikanische Gesellschaft an Verrohung und Gewalt gewöhnt hat und wie wenig sie offenbar bereits ist, daraus Konsequenzen zu ziehen, zeigt die Reaktion von Walmart:

Trotz zweier tödlicher Schusswaffenangriffe innerhalb einer Woche in ihren Filialen will die US-Handelskette weiter Waffen verkaufen. Es gebe keine Pläne, den Verkauf von Schusswaffen und Munition einzustellen, sagte Sprecher Randy Hargrove der Nachrichtenagentur AFP.

Ein 21-Jähriger hatte am Samstag in einem Walmart in der US-Grenzstadt El Paso mit einer Schusswaffe 20 Menschen getötet. Vier Tage zuvor erschoss ein Walmart-Mitarbeiter in Southaven im Bundesstaat Mississippi zwei Kollegen. Beides ist laut Sprecher für die größte Einzelhandelskette der USA kein Grund, Waffen generell aus dem Sortiment zu streichen.

Mitarbeiter werden 4 Mal auf Waffenangriffe vorbereitet - am Computer

In der Nacht zum Sonntag, Walmart war diesmal nicht betroffen, hatte ein Mann in einem Ausgehviertel von Dayton in Ohio neun Menschen erschossen.

"Wir konzentrieren uns darauf, unsere Mitarbeiter, unsere Kunden und die Einwohner von El Paso zu unterstützen", sagte Hargrove. Er betonte, dass die Regeln des Unternehmens für den Umgang mit Waffen über geltende US-Gesetze hinausgingen. So werde das Vorstrafenregister eines Kunden vor dem Kauf einer Waffe kontrolliert. Jeder neue Mitarbeiter werde im Umgang mit Schusswaffenangriffen geschult, vier Mal im Jahr, am Computer.

Schon 1993 hatte der Handelsriese Pistolen und Revolver aus dem Sortiment genommen. Seit 2015 verkauft Walmart auch keine halbautomatischen Waffen mehr. Nach dem Schulmassaker von Parkland im Februar 2018 hob Walmart das Mindestalter für den Verkauf einer Waffe auf 21 Jahre an.

Walmart steht wegen seines Waffensortiments regelmäßig in der Kritik, betont aber, sich damit vor allem an Jäger und Sportschützen zu richten. Unternehmenschef Doug McMillon schrieb nach den tödlichen Schüssen von El Paso auf Instagram: "Mein Herz schmerzt". Er bete für die Familien der Opfer. Im Kurzbotschaftendienst Twitter lauteten zahlreiche Kommentare: "Hör auf, Waffen zu verkaufen."

rei/afp

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