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Wärmepumpen: Revival der Stromheizung

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Heiztechnik Wenn die Wärmepumpe zur Kostenfalle wird

Die meiste Energie verwenden die Deutschen zum Heizen. Binnen weniger Jahre sind Wärmepumpen zur zweitwichtigsten Technik im Markt aufgestiegen, weil sie Kosten senken und zugleich die Umwelt schonen könnten. Doch nicht immer gehen diese Versprechen auf. Ein Erfahrungsbericht.

Hamburg - Drei Finger erhoben, Daumen und kleiner Finger eingeklappt, so geht der Gruß der Wärmepumper. Die drei Finger stehen für "sparsam, komfortabel, zukunftssicher", propagiert der Bundesverband Wärmepumpe (BWP). Es gibt auch "Wärmepumper des Jahres": Leute wie Andreas Schäfer aus dem schwäbischen Zwiefalten, der seine Heizung mit den Worten "plüschig warm, kuschelig gut, bärenstark" lobt - und dazu die drei Finger streckt.

Was wie eine obskure Sekte wirkt, ist eine der großen Hoffnungen der Energiewende. Denn mehr als die Hälfte der Energie nutzen wir zum Heizen, meist mit Gas oder Öl. Hat die neue Technik im Bestand noch einen verschwindend geringen Anteil, wird schon jede vierte Neubauwohnung mit einer Wärmepumpe beheizt. Die wird zwar mit Strom betrieben, was nicht unbedingt sparsamer und ökologischer ist als Öl oder gar Gas, vervielfacht die Energie aber mit in der Umwelt gespeicherter Wärme: im Boden, im Wasser, in der Luft oder auch mal im Abwasser.

Auch ich könnte mich Wärmepumper nennen, seit meine Familie ein Haus mit bereits installierter Wärmepumpe bewohnt. Mit dem Drei-Finger-Gruß wird man mich aber nicht sehen, und auch keine Lobhudelei lesen wie die über meine (überwältigend positiven) Erfahrungen mit einem Erdgasauto.

Nicht nach der ersten Jahresstromabrechnung im neuen Haus. Im Nachhinein erscheint es mir selbst naiv, aber die Nachforderung von einigen Tausend Euro war ein Schock. Der Versorger hatte bis dahin nur den Haushalts-, nicht den Heizstrom abgerechnet, und die bereits gezahlte Summe erschien uns hoch genug für alles.

Drei haltlose Versprechen

Wir mussten uns erst vorrechnen lassen, dass die Heizkosten in einem Haus unserer Größe auch mit modernem Gasbrennwertkessel wohl noch höher ausfielen - restlos überzeugt bin ich davon immer noch nicht. Auf Werbeseiten der Wärmepumpenindustrie verbreitete Aussagen, "dass sich die Heizkosten ab dem ersten Tag nahezu halbieren", sehe ich jetzt jedenfalls mit anderen Augen.

Sicher, Heizöl wurde 2012 im Durchschnitt um 10 Prozent teurer, Erdgas um 5 Prozent. Doch die Strompreise der Haushalte stiegen zuletzt noch stärker, die Nachttarife für Heizgeräte besonders.

Komfort ist eine weitere Werbeformel. "Stellen Sie die Wärmepumpe nicht gerade an die Schlafzimmerwand", empfiehlt die Stiftung Warentest. Das ist sehr freundlich formuliert. Das "leise Summen" ist zumindest in unserem Fall eher ein lautes Brummen - was aber auch beruhigen kann: So versichern wir uns nachts öfter, dass die Anlage noch läuft.

Gern wird die Wärmepumpe auch als wartungsfrei beworben. Der Aufwand für den Monteur am Gerät mag tatsächlich vergleichsweise gering sein, aber jährlich nachschauen muss er doch - und weil der nächste Experte für unser Modell eine Anreise von 150 Kilometern hat, schlägt so ein Termin mit 500 Euro zu Buche, selbst wenn nichts zu tun ist.

Angst vor dem Wärmepumpen-GAU

Doch diese laufenden Kosten erscheinen seit Dezember wie eine Lappalie. Denn gerade, als es kurz vor Weihnachten richtig kalt wurde, fiel einer von zwei Verdichtern aus - und damit die ganze Anlage. Es war gar nicht so leicht, am vierten Adventssonntag einen auf Wärmepumpen spezialisierten Elektriker über vereiste Straßen zu uns zu lotsen, der auch nur mit telefonischer Anleitung die Steuerung so weit auszutricksen vermochte, dass der verbliebene Verdichter das Haus über die Feiertage wenigstens etwas wärmte.

Der Ersatz des Geräts kostete schließlich rund 4000 Euro. Weil es das vor rund fünf Jahren eingebaute Modell nicht mehr gibt, musste die Installation angepasst werden. Wollten wir dem Fehler auf den Grund gehen, hätte das Zerlegen und Analysieren des Geräts noch einmal eine vierstellige Summe gekostet.

So bleibt es bei der Information, dass die Maschine kaputt ist - und dass zusätzliche Ausgaben auf uns zukommen, weil die Konzentration des Frostschutzmittels in der Sole, die Wärme vom Erdreich in unseren Heizungsraum leitet, zu gering ist. Ein eingefrorenes Bohrloch wäre der Wärmepumpen-GAU - dann wäre eine weit größere Investition wertlos als nur der Verdichter. Also musste die Sole im Labor analysiert werden, und uns steht noch ein aufwändiger Austausch des Gemischs bevor (weil es um größere Mengen geht, wird dafür ein Pumpwagen benötigt).

"Schäden passieren. Man weiß nie, wann"

"Schäden passieren", sagt der Monteur. "Man weiß nie, wann." Es gebe Wärmepumpen, die seit 30 Jahren tadellos ihren Dienst verrichten, und andere, die nach einem Jahr den Geist aufgeben. Ein Feldtest von Wärmepumpen der "lokalen Agenda-21-Gruppe" im Schwarzwaldort Lahr ergab neun Ausfälle bei 38 Geräten, davon fünf gravierende (Verdichter kaputt). "Die Handwerker waren vielfach überfordert und durchblickten die teilweise zu komplexen Anlagen nicht", berichtet der Physiker Falk Auer.

Wir sind also nicht allein - auch wenn es ausweislich vieler begeisterter Einträge in Foren und Blogs oder der Jubelberichte der Verbandskampagnenseite eine Menge Wärmepumpenfans gibt.

Mag sein, dass wir mit unserem Modell oder der Installation einfach Pech haben. Zur Marke "Spartec" sind jedenfalls auffallend viele Beschwerden im Netz zu finden. Der Hersteller, die mecklenburgische Güstrower Maschinenbau GmbH, wechselte in den vergangenen Jahren zweimal den Besitzer. 2006 übernahm die Hamburg Solarfirma Conergy , die kurz darauf selbst in die Krise geriet. 2011 ging das Unternehmen weiter an Smartheat , eine im US-Staat Nevada registrierte Firma von Chinesen, die sich vornehmlich an den chinesischen Markt richtet - und deren Aktie inzwischen auch nur noch ein Pennystock ist.

Starker Wettbewerb, aber nicht um die Qualität

Doch solche Wanderungen der Zuständigen sind in der zersplitterten Branche nicht ungewöhnlich. Selbst große Markennamen schützen nicht davor. Siemens  etwa zählte schon in den 70er Jahren mit dem Kulmbacher Klimageräte-Werk zu den Pionieren der Technik. Das fränkische Unternehmen wurde aber 1990, auf dem Tiefpunkt der Wärmepumpennachfrage, an die irische Glen-Dimplex-Gruppe verkauft.

Die zehn Kilometer entfernt in Kasendorf produzierende Alpha-Innotec GmbH blieb noch bis 2001 im Konzern, ging dann an die zur Schweizer Schulthess-Gruppe gehörende Novelan. Die Schweizer gliederten das Wärmepumpengeschäft 2008 in die Tochter Calmotherm ein, als sie Novelan - ohne Wärmepumpen - an die Sibir Haushalttechnik verkauften. Trotzdem ist bis heute der Name "Siemens-Novelan-Wärmepumpen" zu finden.

2012 schließlich wurde Schulthess von der schwedischen Nibe  übernommen, nach eigenen Angaben dem größten Wärmepumpenhersteller in Europa, und die Alpha Innotec mit der Kraus Kälte- und Klimatechnik zu KKT Chillers zusammengelegt. Verwirrung komplett? Zweifellos funktioniert der Kundendienst aber perfekt.

Auch die Maschinen des Technikführers können abbrennen

Ein anderes Beispiel: Die dänische Danfoss-Gruppe hat 2005 den schwedischen Wärmepumpenpionier Thermia mit dem Anspruch gekauft, "Europas führender Hersteller zu werden". Die Fertigung von Kompressoren für Haushalte, die hauptsächlich in Kühlschränken, aber auch in Wärmepumpen zum Einsatz gekommen, in Flensburg wurde 2009 aber geschlossen, das Geschäft im Jahr darauf unter dem Namen Secop an die Beteiligungsgesellschaft Aurelius  abgegeben. Thermia verspricht immer noch führende Technik - zuletzt warnte die irische Verbraucherschutzbehörde aber vor Brandgefahr in zwei Modellen der Danfoss-Marke.

In einer Marktanalyse des Geothermiezentrums Bochum wird ein "sehr heterogener Markt mit vielen verschiedenen Herstellern" beschrieben. Etabliert haben sich neben Dimplex und Nibe vor allem mittelständische Heizungsfirmen wie Stiebel-Eltron, Vaillant, Viessmann oder die Bosch Thermotechnik mit den Töchtern Buderus, Junkers und IVT. Als reiner Wärmepumpenhersteller profiliert sich Ochsner aus Österreich, dessen Chef Karl Ochsner auch dem europäischen Branchenverband vorsteht.

Die Vielfalt spricht für starken Wettbewerb, der aber mehr um den Preis als die Qualität geführt wird. Die Leistungszahlen neuer Geräte stagnieren seit Mitte der 90er Jahre, heißt es in der Bochumer Analyse. "Bei der Entwicklung neuer Gerätegenerationen steht möglicherweise die Kostenoptimierung und weniger die Effizienzoptimierung im Vordergrund." Natürlich, wenn Sparen das Hauptargument für den Kauf ist. Inzwischen werden vor allem Luftwärmepumpen verkauft, die weniger bringen als Boden- oder Wasserwärmepumpen, in der Anschaffung aber billiger sind.

Kohleheizung im neuen Gewand?

Beim Sparen von Heizkosten, Energie und Klimagasemissionen hilft die Technik wegen der gebremsten Innovation aber nur bedingt - viel hängt von allerlei Randbedingungen ab. Das Geothermiezentrum Bochum nennt "vor allem die genutzte Wärmequelle und das vorhandene Wärmeverteilsystem".

Die Ausgangstemperatur muss möglichst hoch, die für das Heizsystem benötigte Vorlauftemperatur möglichst niedrig sein. Ideal sind perfekt gedämmte Neubauten mit großflächigen Fußbodenheizungen. In Altbauten mit traditionellen Radiatoren sind Wärmepumpen eher ineffizient. "Daneben spielen jedoch ebenfalls die Komplexität der Anlage, der Anlagenstandort, das Nutzerverhalten und die Qualität der Installation eine wichtige Rolle", bemerken die Experten.

Ein Maß für die Effizienz ist die Jahresarbeitszahl, das Verhältnis von erzeugter Wärmeenergie zu eingesetzter elektrischer Energie. Das Bundeswirtschaftsministerium sieht erst Anlagen mit mindestens Faktor 3,5 als "nennenswert energieeffizient" an. Die seit 2008 stark erhöhten staatlichen Subventionen gibt es für Bodenwärmepumpen auch erst ab einem Wert von 4.

Schwacher Trost: Dem Umweltbundesamt geht es nicht besser

Laut einer Studie des Freiburger Fraunhofer-Zentrums für Solare Energiesysteme wird, je nach System, im Mittel ein Faktor von 2,5 bis 4 erreicht, in guten Einzelfällen auch mehr als 5, in schlechten nur 2. "De facto handelt es sich bei solch niedrigen Jahresarbeitszahlen um eine verkappte Stromheizung und eine offensichtliche Verschwendung von kostbarer Primärenergie", urteil der Bund der Energieverbraucher, spricht gar von "Klimakillern im Schafspelz".

Der Branchenverband beruhigt. "Durch den wachsenden Anteil regenerativer Energien im Strommix wird die Ökobilanz einer heute installierten Anlage auch ohne neue Investitionen immer grüner", sagt BWP-Geschäftsführer Karl-Heinz Stawiarski. Das Umwelbundesamt zeigt sich in einer Studie von 2007 allerdings skeptisch: "Die bis 2030 zu erwartenden strukturellen Veränderungen in der Stromerzeugung reichen nicht aus, dass Wärmepumpen ihre technische Reife als umweltbezogenen Vorteil voll ausspielen können."

Im eigenen Haus, der neu errichteten Dessauer Zentrale, verteidigt die Behörde eine verwandte Technik aber. Auch mit dem Wärmetauscher, der Außenluft durch das Erdreich leitet und das Bürohaus so wärmt oder kühlt, werde der Bau dem "Anspruch an ökologisches Modellvorhaben gerecht", teilt das Umweltbundesamt mit, und dass "immer weniger Strom und Wärme zugekauft werden muss".

Der Bundesrechnungshof hatte nämlich in seinem Jahresbericht 2012 ausgerechnet hier Verschwendung gewittert: "Die Wärme- und Wartungskosten waren fast doppelt so hoch wie bei der Planung angenommen", es gebe keinen Betriebskostenvorteil gegenüber herkömmlichen Verwaltungsgebäuden, bemängeln die Rechnungsprüfer. Wir sind also wenigstens in guter Gesellschaft.

Ratgeber: 18 Tipps zu Wärmepumpen

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