Short-Seller Vor diesen Finanzmanagern zittert Deutschlands Mittelstand

Von Arne Gottschalck

Deutscher Mittelstand und Finanzmanager haben etwas miteinander zu schaffen? Mit Hedgefonds gar? Oh ja. Denn deutsche Mittelständler agieren global und sind in ihrer Sparte oft wachsender Konkurrenz ausgesetzt. Und damit für manchen Investor ein gefundenes Fressen, der auf eine Veränderung in dieser Sparte setzt.

Welcher Investor bei welchem Unternehmen nun auf fallende Kurse setzt, wird manchmal durch eine kurze Pressemeldung bekannt. Doch viel einfacher ist ein Blick in den Bundesanzeiger. Dort wird, quasi amtlich, verkündet, wer an welchem Unternehmen eine Short-Position in welcher Höhe aufgebaut hat.

Auch den Zeitverzug in Rechnung stellend, der bei der Meldung bei der Behörde und der Eintragung entsteht, gewinnt man ein Bild von jenen Investoren, die auf "abwärts" setzen. Das Auswahlkriterium war die Anzahl der Nennungen eines Investors über den frei gewählten Zeitraum von 1. September bis zum 24. Oktober diesen Jahres. Herausgekommen ist damit eine Art Liste jener Investoren, die Unternehmenslenker auch des deutschen Mittelstands am meisten fürchten. Immerhin ist es auch für die eigene Kariere nicht gerade förderlich, wenn der Aktienkurs des anvertrauten Unternehmens sinkt, weil ein "shortie" aktiv geworden ist und gegen den Erfolg des Unternehmens wettet.

Um zu "shorten", müssen sie sich diese Investoren die entsprechenden Aktien zum Beispiel von einer Bank gegen eine Gebühr leihen - und die Papiere dann sofort verkaufen. Geht die Rechnung der Leerverkäufer auf und die Aktie verliert tatsächlich an Wert, können sie die Papiere später zum dann gesunkenen Kurs zurückkaufen und dem Verleiher zurückgeben.

Die Differenz zwischen ihrem Verkaufskurs und dem niedrigeren Rückkaufkurs ist ihr Gewinn. Ein Geschäft der Stille, wie auch die teilweise unbekannten Namen der Investoren zeigen.

AQR - Clifford Asness wettet nicht nur gegen Hugo Boss

Clifford Asness, AQR

Clifford Asness, AQR

Foto: Bloomberg via Getty Images

An der Spitze von AQR zum Beispiel steht unter anderem einer der Gründer Clifford S. Asness. Asness hatte eine Zeitlang bei Goldman Sachs gearbeitet und sich dort auf die Momentum-Strategie spezialisiert. Deren Kernidee ist es, den Schwung einer Aktie auszunutzen, entweder nach oben oder unten. Im Idealfall kann der Investor damit in jedem Börsenwetter Gewinne einfahren. 1997 macht er sich mit dieser Strategie selbstständig, genauer, gründete mit David Kabiller, John Liew und Robert Krail das Investmentvehikel AQR mit Sitz in Greenwich, Connecticut. Auf 6 Nennungen bringt es AQR im Prüfungszeitraum. Und es traf Unternehmen wie Hugo Boss oder Nordex.

Blackrock - Larry Fink hält wenig von BayWa

Larry Fink, Blackrock

Larry Fink, Blackrock

Foto: Getty Images for New York Times

Blackrock, muss da noch viel gesagt werden? Richtig, Vorstand des Unternehmens ist Larry Fink. Fink, ein Hedgefondsmanager? Nein. Aber als Vorstand zeichnet er nun einmal für das gesamte Imperium von Blackrock verantwortlich. Und dazu gehören nun einmal Unternehmenseinheiten, die auch auf fallende Kurse setzen können, indem sie Aktien "shorten". Und in Zahlen? 14 Nennungen verzeichnet der Bundesanzeiger in genannten Zeitraum. Unter den Zielen? Unternehmen wie Zooplus, BayWa oder Pfeiffer Vacuum.

Citadel - Ken Griffins Wette gegen Freenet

Ken Griffin, Citadel

Ken Griffin, Citadel

Foto: MilkenInstitute ; Youtube

Der Mann hinter Citadel heißt Kenneth Griffin, ein Amerikaner. Citadel hat seinen Sitz in Chicago und ist einer der weltgrößten Hedgefonds, verwaltet rund 25 Milliarden Dollar. Und setzt ganz unterschiedliche Strategien ein. Das musste zum Beispiel auch Freenet erfahren. An dem Unternehmen hat Citadel eine Short-Position aufgebaut. In der Summe bringt es der Fonds auf 4 Nennungen in dem Zeitraum.

JP Morgan ist short bei Rocket Internet und Stroer

Jamie Dimon, JP Morgan

Jamie Dimon, JP Morgan

Foto: DPA

JP Morgan, ist das nicht ...? Richtig, das ist das Finanzhaus, an dessen Spitze der smart auftretende Jamie Dimon steht. Dimon ist keinesfalls ein ausgemachter Hedgefonds-Mann. Aber ähnlich wie Fink bei Blackrock steht er nun einmal an der Spitze eines großen Unternehmens. Mit ganz unterschiedlichen Ansätzen. Elring Klinger gehört zu den Unternehmen, bei denen das Imperium "short" ist, aber auch Rocket Internet  und dem Werbevermarkter Stroer. In der Summe sind 7 deutsche Firmen betroffen.

Marshall Wace macht Druck auf Heidelberger Druck

Paul Marshall, Marshall Wace

Paul Marshall, Marshall Wace

Foto: NBCU Photo Bank via Getty Images

Marshall Wace wurde von Ian Wace und Paul Marshall gegründet, einfacher dürfte ein Firmenname nicht zustande kommen. 1997 wurde Marshall Wace aus der Wiege gehoben. und setzt vor allem auf die Long/Short-Strategie. Die Guten in Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen - sehr frei nach den Brüdern Grimm bedeutet das, Aktien mit Potential herkömmlich zu kaufen und jene, bei denen der Fonds einen Kursrutsch erwartet, zu "shorten". Gleich 9mal hat Marshall Wace im genannten Zeitraum zugegriffen und auf fallende Kurse gesetzt. Betroffen sind neben Dickschiffen des Dax eben auch kleinere Unternehmen wie Heidelberger Druckmaschinen.

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