Donnerstag, 20. Juni 2019

Immobilienkonzern Vonovia gibt Wohngarantie für Mieter ab 70

Arbeitet an seinem Ruf: Deutschlands größter Wohnungskonzern

Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia reagiert mit einer Wohngarantie für ältere Mieter auf die wachsende Kritik an der Branche und am eigenen Unternehmen. Mieter ab 70 Jahren sollen ihre Wohnungen garantiert nicht mehr verlassen müssen.

Wegen seiner Profitorientierung stand Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik. Nun hat Vorstandschef Rolf Buch eine Wohngarantie für älter Mieter angekündigt. "Wir geben Mietern ab 70 die Garantie, dass sie ihre Wohnungen nicht verlassen müssen", sagte Buch vor der Vonovia-Hauptversammlung in Bochum. Das Unternehmen sichere ihnen zugleich zu, "dass ihre Wohnung bei Veränderung der ortsüblichen Vergleichsmiete bezahlbar bleibt". Mieterorganisationen hatten beklagt, dass viele Rentner sich die steigenden Mieten für ihre Wohnungen kaum noch leisten könnten.

Bis zu ein Fünftel der Vonovia-Mieter sind älter als 70 Jahre, erklärte ein Sprecher des Konzerns auf Anfrage von manager-magazin.de. Der Konzern zählt laut eigenen Angaben rund 400.000 Wohnungen und bewirtschaftet für Dritte weitere 80.000 Wohnungen.

Nach Mieterprotesten war der Dax -Konzern Börsen-Chart zeigen bereits im vergangenen Jahr bei der Wohnungsmodernisierung auf die Bremse getreten. Durch Sanierungen soll es keine Mietaufschläge von mehr als zwei Euro je Quadratmeter geben. Der Durchschnitt der Mieterhöhungen nach Modernisierungen habe bei Vonovia im vergangenen Jahr 1,50 Euro je Quadratmeter betragen, sagte Buch. Dagegen habe beispielsweise in Berlin der allgemeine Durchschnitt modernisierungsbedingter Aufschläge zwischen 2012 und 2017 bei 2,44 Euro gelegen.

Buch wies auch die Kritik an der Höhe und der Ermittlung der Betriebskosten für die Vonovia-Wohnungen zurück. "Unser Kostenanteil an den Betriebskosten ist nicht gestiegen", sagte er. Es stimme nicht, "dass Vonovia an den Nebenkosten besonders viel Geld verdient".

Immer wieder Ärger mit den Betriebskostenabrechnungen

Mieter kritisieren immer wieder zu hohe oder nicht nachvollziehbare Forderungen des Konzerns. Vonovia habe im vergangenen Jahr bei rund 6000 Abrechnungen wegen Fehlern oder aus anderen Gründen Geld erstattet, sagte Buch. "Da wollen wir besser werden, aber man muss es ins Verhältnis zu unseren rund 400.000 Wohnungen setzen."

Steigende Mieten und Zukäufe im Ausland hatten Vonovia im Auftaktquartal deutlich mehr Gewinn beschert. Zudem profitierte Vonovia von geringeren Kosten bei der Bewirtschaftung der Wohnungen. Konzernchef Buch hatte bei der Zahlenvorlage zugesichert, das Unternehmen werde sich an der Suche nach einer Lösung für die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt beteiligen.

Vonovia-Chef Rolf Buch

Forderungen nach einer Enteignung von Wohnungsunternehmen hatte Vonovia aber zurückgewiesen. In Berlin fordert ein Volksbegehren derzeit die Enteignung großer Vermieter in der Hauptstadt, zu ihnen gehört auch Vonovia.

Linke für Schutz vor Eigenbedarfsklagen

Nach dem Willen der Linken sollen ältere Mieter auch gesetzlich besser geschützt werden. Für über 70-Jährige soll eine Kündigung durch den Eigentümer wegen Eigenbedarfs gesetzlich ausgeschlossen werden. Das geht aus einem Antrag der Linksfraktion im Deutschen Bundestag hervor.

Immer mehr alte Menschen würden wegen Eigenbedarfs aus ihrer Wohnung gekündigt. Das sei unzumutbar, sagt die stellvertretende Fraktionschefin Caren Lay. "Wie der Volksmund schon sagt: Einen alten Baum verpflanzt man nicht." Um Betroffenen im Falle einer Kündigung einen langfristigen und aufreibenden Klageweg zu ersparen, müsse der Gesetzgeber für Klarheit sorgen, heißt es zur weiteren Begründung in dem Antrag.

rei/cr/dab/dpa-afx

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