Samstag, 18. Januar 2020

Umstrittenes Investment VW entscheidet über neue Türkei-Fabrik erst im Februar

Ob VW ein neues Werk im türkischen Manisa nahe Izmir baut, ist weiter offen. Kritik an dem Vorhaben wurde laut, weil die Menschenrechtslage in der Türkei als heikel gilt
picture alliance / dpa
Ob VW ein neues Werk im türkischen Manisa nahe Izmir baut, ist weiter offen. Kritik an dem Vorhaben wurde laut, weil die Menschenrechtslage in der Türkei als heikel gilt

Volkswagen lässt sich mit seiner Entscheidung über das umstrittene neue Werk in der Türkei noch mehr Zeit. Man werde frühestens ab der Mitte des ersten Quartals 2020 zu einer abschließenden Bewertung kommen, hieß es am Freitag aus Konzernkreisen in Wolfsburg.

Zuvor hatte die "Automobilwoche" berichtet, dass dies "nicht vor Februar" anstehe. Der Konzern hatte den Beschluss eigentlich schon für den Herbst 2019 geplant, wegen der Militäraktionen der Türkei in Nordsyrien dann aber auf Eis gelegt. Es gab Kritik an dem Vorhaben, ausgerechnet in einem Land mit heikler Menschenrechtslage eine neue Mehrmarken-Fabrik zu eröffnen. In China allerdings, wo die Menschenrechtslage nicht minder umstritten ist, produziert Volkswagen mittlerweile rund 40 Prozent des gesamten Konzernabsatzes.

Volkswagen stoppt Produktion in Algerien

Derweil teilte Volkswagen am Freitag mit, die Produktion in Algerien aufgrund der politischen Krise im Land vorerst auszusetzen. Auch Lieferungen an den Partner im Land, Sovac, seien ausgesetzt. Hintergrund sind Korruptionsermittlungen der algerischen Justiz auch gegen den Geschäftsführer von Sovac, Mourad Oulmi. Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Volkswagen AG seien VW nicht bekannt.

Sovac ist seit zehn Jahren der offizielle Partner von Volkswagen im flächenmäßig größten afrikanischen Land. Seit 2016 betreibt der deutsche Autokonzern in einem gemeinsamen Joint Venture ein Montagewerk in Algerien, in dem 2018 etwa 50.000 Fahrzeuge montiert wurden. Algerien befindet sich zur Zeit in einer tiefen politischen Krise. Seit Februar kommt es zu Massenprotesten gegen die politische Führung.

Kippt der Türkei-Plan, könnten Niederlassungen in Osteuropa profitieren

Sollte es am Ende doch nicht auf den in Manisa nahe Izmir gelegenen Standort hinauslaufen, will VW ein schon bestehendes Werk entsprechend erweitern, aber keine komplett neue Standortsuche starten. In diesem Fall sollen Niederlassungen in Osteuropa gute Chancen haben - im Gespräch war unter Branchenbeobachtern zuletzt etwa Bratislava.

Der Konzern will unter anderem die Produktion des bisher in Emden hergestellten Passat und des Skoda Superb an einen anderen Ort verlagern. Zunächst hatten sich auch Rumänien und Bulgarien Hoffnung auf ein mögliches neues Volkswagen-Werk gemacht.

Eine Entscheidung über den Zuschlag wollte VW nach der ersten Verschiebung ursprünglich bis zum Jahreswechsel treffen. Mehrfach hatte es geheißen, man sei in "finalen" Gesprächen. Anfang Oktober gründete der Konzern eine türkische Tochtergesellschaft. Die Firma wurde ins Handelsregister eingetragen und mit einem Kapital von umgerechnet rund 164 Millionen US-Dollar ausgestattet.

Nötig wird das Werk unter anderem, weil VW den Umstieg in die E-Mobilität an deutschen Standorten beschlossen hat. Im sächsischen Zwickau ist die Produktion des Elektro-VW ID.3 Anfang November angelaufen. Die Werke in Emden und Hannover sollen folgen.

rei mit dpa

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