Vorschau auf ID.3-Elektroauto - "VW soll sich anfühlen wie ein Tech-Unternehmen" VW verordnet sich eine Dosis Apple

Bisheriges VW-Logo: Eine aufgefrischte Version wollen die Wolfsburger zum Start der IAA Anfang September präsentieren

Bisheriges VW-Logo: Eine aufgefrischte Version wollen die Wolfsburger zum Start der IAA Anfang September präsentieren

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Mindestens eine kleine Revolution verhieß jene Pressekonferenz, zu der die Topmanager der Marke VW nach Wolfsburg geladen hatten - zweieinhalb Wochen vor der Automesse IAA. "Eine Marke erfindet sich neu", verkündete die Einladung. Allzu offen wollten sich die Wolfsburger dabei aber nicht geben, denn die Veranstaltung stand gleich unter mehreren Sigeln der Verschwiegenheit. Im Shuttlebus reichte man Geheimhaltungserklärungen herum, die ein Foto- und Filmverbot für die Veranstaltung beinhalteten. Am Eingang zum Veranstaltungswort mussten Journalisten sogar ihre Handys abgeben.

Die Wolfsburger taten dies, um mehreren Dutzend Journalisten stolz ein aufgefrischtes Logo, einen neuen Markenclaim und den künftigen Markenauftritt zu präsentieren - und das alles anhand ihres neuen Elektro-Modells ID.3.

Doch schon am Namen des Veranstaltungsorts zeigte sich, wie in Wolfsburg die alte und die künftige Markenwelt aufeinanderprallen. Denn vorgestellt hat VW seinen Weg in die Zukunft in einem Saal mit dem doch sehr germanisch-altmodischen Namen Walhalla. Das suggeriert zwar mindestens eine Ahnengalerie der VW-Konzernchefs an den Seitenwänden samt einem Ölporträt von Ferdinand Piech. Doch weit gefehlt: Ein weißer, schmuckloser Saal mit anthrazitfarbenem Teppichboden und einer überdimensionalen Videowand sollte für die Marke VW den Aufbruch in neue Zeiten markieren.

Das Logo wird - psst - puristischer

Was ändert sich nun künftig im Auftritt der Marke? Zum einen wird das Logo, das wir wie oben beschrieben nicht zeigen dürfen, puristischer - und vielseitiger einsetzbar. Vorbei sind die Zeiten der 3D-Optik, das neue Logo kommt völlig ohne Schatten aus. Und es muss nicht mehr, wie es die internen Designrichtlinien bisher vorschrieben, ausschließlich auf dunkelblauem Hintergrund stehen.

An der Grundform ändert die Marke Volkswagen natürlich wohlweislich nichts - das Logo muss ja auf den ersten Blick von Millionen Kunden wiedererkannt werden. Zugleich verabschiedet sich VW auch von der reinen Zweifarbigkeit in Weiß und Dunkelblau. Künftig wird auf Messeständen, in Anzeigen und auf Websites auch die Farbe Dunkelgelb zu sehen sein. Und auch eine neue, leichter wirkende Schrift gibt es künftig für die Marke Volkswagen.

"VW soll sich anfühlen wie ein Tech-Unternehmen"

All das soll der altehrwürdigen Marke VW eine kräftige Dosis Apple einhauchen. "In weiten Teilen soll sich VW anfühlen wie ein Tech-Unternehmen", gibt VW-Markenchef Ralf Brandstätter die Marsch-Richtung vor. Eine bloße Kopie des Apple-typischen Designpurismus will VW aber offanbar auch nicht. Denn in der Bildsprache soll es künftig luftiger zugehen, mit fröhlichen Menschen und viel Licht. VW demokratisiere Technologie und Premium-Innovationen, heißt es dann auch marketinggerecht in der Präsentation. Dazu passt dann auch die neue Marschrichtung, die VW sich nun auferlegt. Volkswagen sei "auf dem Weg zu emissionsfreier Mobilität für alle". Das soll künftig der Kompass und der innere Antrieb der Marke sein.

Natürlich nutzten auch die VW-Manager auch die Buzzwords der digitalen Welt. Die Ausrichtung an den Kundenbedürfnissen etwa, die 360 Grad-Perspektive - und die künftige direkte Interaktion mit dem Kunden. Das ist ein Novum für den Autoriesen, der bisher nur indirekt über Händler mit den Autokäufern agierte.

Ob das nun alles wirklich ein Aufbruch in neue Zeiten als "New Volkswagen" markiert, wie die Top-Führungsriege der Marke es proklamierte, muss sich noch weisen. Der Aufwand hinter dem neuen Logo ist jedenfalls beträchtlich.

Seite mit neuem Logo soll zum Start der IAA am 9. September online gehen

In Deutschland soll die sichtbarste Komponente des neuen VW-Designs, die umgestaltete Website samt neuem Logo am 9. September, zum Start der IAA, online gehen. Danach sollen die europäischen Länder folgen, ab Oktober erstrahlt die chinesische VW-Webpräsenz in neuem, reduziertem Glanz, danach die USA - und über mehrere Monate hinweg dann sämtliche Landes-Websites in VWs 130 Märkten weltweit. Zehntausende Händler weltweit erhalten ein neues Logo, müssen aber wenigstens nicht ihre Showrooms komplett umbauen. Das wolle man seinen Handelspartnern finanziell nicht zumuten, hieß es dazu von VW-Seite.

Elektromodell ID.3 soll als erstes das verschlankte Logo tragen

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Als erstes Serienfahrzeug wird das neue Elektromodell ID.3 das verschlankte VW-Logo tragen, kündigte VW an. Danach wird das neue Logo auch sukzessive alle anderen VW-Modelle zieren. Bis spätestens 2023, so hieß es bei VW, sollen dieser Prozess weltweit abgeschlossen sein.

War diese Pressekonferenz also ein knapp zweistündiges Fanal nur wegen ein bisschen Purismus im Logo und neuen Corporate-Identity-Vorgaben? Das, so merkten Werbeexperten im Vorfeld gegenüber manager-magazin.de an, wäre zumindest höchst ungewöhnlich. Denn üblicherweise werden aufgefrischte Logos nicht mit Riesen-Bohei angekündigt, sondern einfach umgesetzt und vielleicht in Fachzeitschriften besprochen.

Das dürften wohl auch die VW-Manager geahnt haben, und dafür wären auch die komplizierten Geheimhaltungs-Vorschriften nicht notwendig gewesen. Die VW-Führungsriege nutzte den Termin deshalb für etwas ganz anderes: Für eine Vorab-Präsentation der Serienversion des ID.3 nämlich, den die Wolfsburger der Weltöffentlichkeit erst im September vorstellen wollen. Sie zeigten erstmals ausführlich das Außendesign und den Innenraum - und da bot sich durchaus die eine oder andere Überraschung. Denn innen präsentiert sich die Zukunftshoffnung von VW fast komplett schalterfrei, die meisten Funktionen des Autos werden über einen Touchscreen gesteuert. Und ein innovatives Head-Up-Display, das Navigationspfeile direkt in die in der Windschutzscheibe zu sehende Straße einblenden kann, bekommt der Kompakt-Elektrowagen auch.

Den tatsächlichen Neuanfang bei VW soll also nicht alleine der schlankere Auftritt einläuten - sondern das Volks-Elektroauto ID.3. Rund 27.000 Vorbestellungen habe man seit dem 8. Mai bereits eingesammelt, erklärte VW-Vertriebschef Jürgen Stackmann  nun. Die vorbestellbare "ID.3 First Edition" ist auf 30.000 Exemplare limitiert - und damit bereits jetzt faktisch ausverkauft. Und im übrigen sei man in den Weltmärkten gut unterwegs. In Südamerika bewege sich VW Richtung Break-Even, in Nordamerika entwickle man sich besser als der Markt, und in Russland habe man trotz Rubelabwertung ein positives Ergebnis erreicht.

Mögen andere Autohersteller auch Gewinnwarnungen rausschicken, bei Volkswagen läuft es laut den VW-Managern noch vergleichsweise rund. Mit anderen Worten: VW schaltet wieder auf Angriff nach den Diesel-Mühen der letzten Jahre. Nur, dass es diesmal keiner so laut sagen will wie in der Ära Winterkorn.

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