Miles and More bietet Vielfliegerstatus für neue Zielgruppen Das neue Vielfliegerprogramm der Lufthansa - wie Sie jetzt Vorteile nutzen und Nachteile umgehen

Von Alexander Koenig
Miles and More Vielfliegerprogramm der Lufthansa: Vielflieger werden bevorteilt - auch mit 96 günstigen Economy Class Flügen wird man garantiert Senator

Miles and More Vielfliegerprogramm der Lufthansa: Vielflieger werden bevorteilt - auch mit 96 günstigen Economy Class Flügen wird man garantiert Senator

Foto: Jens Büttner/ picture alliance / Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

In meiner jüngsten Kolumne hatte ich aufgrund der Änderungen im Mileage Plus Bonusprogramm von United Airlines provokant die Frage gestellt, ob dieses Programm das Ende der "Vielfliegerprogramme" einläutet und jetzt die "Vielzahlerprogramme" die Oberhand gewinnen werden. Jetzt hat die Lufthansa eine komplette Neugestaltung der Vielfliegerstatusvergabe im Miles & More Programm verkündet, das ab Januar 2021 greifen soll. Und die Sorge, dass es sich um ein weiteres "Vielzahlerprogramm" handeln werde, war unbegründet. Denn das neue System der Lufthansa bevorteilt ganz klar die Vielflieger.

Punktesystem ersetzt Statusmeilen

Alexander Koenig

Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de ), dem größten deutsch-sprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Ab dem 1. Januar 2021 wird tatt des bisherigen Statusmeilensystems ein Punktesystem eingeführt, das für die Statusvergabe maßgeblich ist. Die Prämienmeilenvergabe, die zu einem Großteil nach einem umsatzbasierten System erfolgt, bleibt davon unberührt.

Punkte sammelt man nur noch in Abhängigkeit von Serviceklasse (Economy, Premium Economy, Business, First Class) und Flugstrecke (kontinental vs. interkontinental). Welches Land dabei zu welchem "Kontinent" gehört, wird hier festgelegt .

Für Kontinentalflüge gilt pro Flugsegment:

· Economy und Premium Economy Class 5 Punkte

· Business und First Class 10 Punkte

Für Interkontinentalflüge gilt pro Flugsegment:

· Economy Class 15 Punkte

· Premium Economy Class 20 Punkte

· Business Class 50 Punkte

· First Class 70 Punkte

D.h. für einen Business Class Flug von München via Frankfurt nach New York gäbe es oneway 60 (10 + 50) Punkte. Und das völlig unabhängig davon, wie teuer das Flugticket ist.

Das ist die bemerkenswerte Änderung: Egal ob man das günstigste oder teuerste Ticket kauft, die Punkteausbeute bleibt je Serviceklasse dieselbe. Im aktuellen Statusmeilensystem werden insbesondere Premium Economy Class Reisende mit hohen Meilengutschriften belohnt. Im neuen System ist das nicht mehr der Fall. Die Premium Economy wird nahezu wie die Economy Class behandelt. Business und First Class werden deutlich nach oben abgegrenzt.

Auch Economy Vielflieger können Senator werden

Um den Frequent Traveller Status zu erreichen, benötigt man in Zukunft 160 Punkte innerhalb eines Kalenderjahres, für den Senator Status 480 und für den HON Circle Status 1.500 Punkte.

Wer bisher zwar jede Woche im Flieger war, aber immer günstige Economy Class Tickets im Inland genutzt hat, hat es am Ende des Jahres nur zum Frequent Traveller Status gebracht. Im neuen System wird man mit 96 Economy Class Flugsegmenten garantiert Senator.

Flüge mit Lufthansa & Co. werden bevorzugt

Doch eine Bedingung gibt es noch. Lufthansa  möchte Flüge mit Carriern der Lufthansa Gruppe fördern. Bisher war es ja möglich, auch ohne jemals mit Lufthansa & Co. geflogen zu sein, den Lufthansa Senator Status zu erlangen. Im neuen System wird zwischen normalen Punkten und sogenannten qualifizierenden Punkten unterschieden.

Während man normale Punkte auch mit allen anderen Star Alliance Carriern wie Singapore Airlines, Turkish Airlines & Co einfliegen kann, erhält man qualifizierende Punkte nur auf Flügen mit den Airlines der Lufthansa Gruppe, also Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines und Eurowings sowie den mitherausgebenden Miles & More Airline Partnern LOT, Croatia Airlines, Luxair sowie Air Dolomiti. Ebenso zählen ausgewählte Swiss Codeshare Edelweiss Flüge dazu.

Für den Frequent Traveller und Senator Status müssen mind. 50 Prozent der notwendigen Punkte qualifizierende sein. Für den HON Circle Status 100 Prozent. Dabei kann man in Zukunft auch auf Economy Class Flügen qualifizierende Punkte für die HON Circle Qualifikation sammeln.

Konkret reichen in der Zukunft für einen Lufthansa Senator Status bereits vier beliebige günstige interkontinentale Business Class Flüge mit Zubringer, wobei zwei davon auch mit Star Alliance Partnern durchgeführt werden können.

Nur noch ein Jahr Statuslaufzeit

Das klingt im Vergleich zur aktuellen und bis Ende 2020 gültigen Regelung, bei der man 100.000 Statusmeilen innerhalb eines Kalenderjahres einfliegen muss, zu schön, um wahr zu sein.

Doch natürlich gibt es einen Haken: Der neue ab 2021 erflogene Status gilt nur noch ein Jahr statt aktuell zwei Jahre. Das relativiert die niedrigeren Senator-Qualifikationshürden wieder. Für viele ist es daher empfehlenswert, noch in 2020 mit optimierten Flügen ab etwa 4.000 Euro den Senator Status im Idealfall bis Februar 2023 einzufliegen. Eine Verlängerung ist für manche aktuelle Senatoren sogar bis Februar 2024 möglich.

Eine Besonderheit gilt ab 2021 bei der Erstqualifikation, denn dort geht die Laufzeit vom Qualifikationszeitpunkt bis zum Februar des übernächsten Jahres, also bei Qualifikation in 2021 bis Februar 2023. Das sind bei idealer Gestaltung zwei Jahre.

Aus Lufthansa-Sicht ist es verständlich, dass man die Laufzeit nach unten anpasst, denn bei fast allen anderen Vielfliegerprogrammen ist es auch so. Und man möchte, dass die Kunden jedes Jahr eine Mindestanzahl an Flügen mit der Lufthansa Gruppe bzw. den mitherausgebenden Miles & More Airline Partnern durchführen.

Neuer Lifetime Status soll Ärger um verkürzte Laufzeit abmildern

Doch um den Ärger über die verkürzte Laufzeit abzumildern, gibt es ab 2021 einen offiziellen Frequent Traveller und Senator Lifetime Status. Denn wer den Status lebenslang hat, muss sich über Laufzeiten keine Gedanken mehr machen. So erhält jeder, der in seinem Miles & More Leben mindestens 7.500 qualifizierende Punkte gesammelt hat, den Lifetime Frequent Traveller Status. Für den Lifetime Senator sind 10.000 qualifizierende Punkte erforderlich und zudem zehn Jahre Senator Status, wobei diese nicht zusammenhängend sein müssen.

Dabei wird der Stand an qualifizierenden Punkten zum 1.1.2021 auf Basis der sogenannten Status Stars Punkte berechnet. Ihnen ist vielleicht einmal aufgefallen, dass Sie, wenn Sie schon länger Vielflieger sind, ein bis fünf Sterne auf Ihrer Lufthansa Vielfliegerkarte haben. Dahinter steht eine bestimmte Anzahl an Status Star Punkten, die man, wenn man aktuell einen Vielfliegerstatus besitzt, auch online einsehen kann. Zum 1.1.2021 wird die Anzahl der Status Star Punkte halbiert und damit in qualifizierende Punkte umgewandelt. Wer drei Sterne hat, wird dann sofort zum Lifetime Frequent Traveller, bei vier und fünf Sternen zum Lifetime Senator.

Fazit: Lufthansa bevorteilt Vielflieger und nicht Vielzahler

Erfreulich: Insgesamt wird das Miles & More Vielfliegerprogramm hinsichtlich Statusvergabe erheblich einfacher und transparenter. Es bevorteilt ganz klar Vielflieger und wird nicht zum Vielzahlerprogramm. Im Gegenteil: Die Suche nach günstigen Flügen wird belohnt, denn die neue Punktevergabe hängt nur noch von der ausgewählten Serviceklasse und Kontinental- vs. Interkontinentalflug ab.

Dabei werden Business und First Class deutlich von Economy und Premium Economy abgehoben, so dass in der Gesamtheit auch der Kauf grundsätzlich teurerer Tickets belohnt wird. Dabei forciert Lufthansa Flüge mit konzerneigenen oder auch das Miles & More Programm nutzende Gesellschaften.

Die verkürzte Statuslaufzeit ist sicherlich ein erheblicher Nachteil, doch diese kann man vorerst durch eine Qualifikation in 2020 nach alten Regeln umgehen. Und aus der Sicht eines Optimierers bietet das neue Programm ab 2021 genügend Ansatzpunkte, so dass vermutlich sogar die Zahl der HON Circle Kunden temporär deutlich steigen könnte.

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