Naturkatastrophe Flut könnte Allianz 350 Millionen Euro kosten

Das Hochwasser in Deutschland könnte die Allianz teurer zu stehen kommen als die Jahrhundertflut 2002: Einer Studie zufolge schlägt die Katastrophe mit 350 Millionen Euro zu Buche. Damit bleibt die angepeilte Schaden-Kosten-Quote der Allianz erreichbar.
Meißen: Die Porzellanstadt ist überflutet - ein Fall für Versicherungen

Meißen: Die Porzellanstadt ist überflutet - ein Fall für Versicherungen

Foto: Arno Burgi/ dpa

Frankfurt am Main - J.P.-Morgan-Analyst Michael Huttner veranschlagt die Schadensumme für den deutschen Marktführer im Inland in einer Kurzstudie auf 350 Millionen Euro. Das wäre mehr als die 330 Millionen Euro, die vor elf Jahren die Flut an Elbe und Oder die Allianz gekostet hatte.

Europaweit wird der Schaden für die Allianz  nach Huttners Berechnungen aber geringer ausfallen als damals: Einschließlich Tschechien und Österreich könnten 460 Millionen zu Buche stehen. Zum Vergleich: 2002 waren es 710 Millionen Euro. Damit sei die angepeilte Schaden-Kosten-Quote von 94 Prozent in diesem Jahr weiter erreichbar.

Eine Allianz-Sprecherin sagte, für eine Bilanz sei es noch zu früh: "Es regnet schon wieder, und wir versuchen immer noch, in die betroffenen Gebiete vorzudringen."

Die Munich Re , die als weltgrößter Rückversicherer einen guten Überblick über die gesamte Branche hat, erklärte, es werde noch Wochen dauern, bis verlässliche Schadenschätzungen vorlägen. Sie hatte für 2002 einen versicherten Schaden von 3,5 Milliarden Euro errechnet.

DIW drängt auf Versicherungspflicht

Immer mehr deutsche Versicherer gehen inzwischen von höheren Kosten des Hochwassers aus. Nach Erwartungen der Württembergischen Versicherung dürften die Schadenszahlungen bundesweit diesmal bei rund 50 Millionen Euro liegen, damals waren es rund 44 Millionen Euro.

"Zwar werden viele der aus den Erfahrungen der Flutkatastrophe 2002 eingeleiteten Schutzmaßnahmen greifen", teilte der Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) am Montag in Stuttgart mit. "Jedoch sind diesmal auch andere Landstriche betroffen."

Zudem sorgten höhere Preise in der Baubranche für höhere Kosten. Allein im Südwesten seien 90 Prozent aller Gebäude gegen Hochwasserschäden versichert.

Eine ähnliche Tendenz wie W&W hatte am Freitag schon die Gothaer Versicherung genannt.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) brachte eine Versicherungspflicht gegen Naturkatastrophen ins Gespräch. "Würde diese möglichst umfassend definiert, könnte sie schnell akzeptiert sein", teilte das DIW mit. "Denn von Sturm oder Starkregen kann jeder getroffen werden." In einigen der vom Hochwasser betroffenen Gebiete sind Versicherungen nur gegen horrende Prämien oder gar nicht erhältlich.

ts/rtr/dpa-afx
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