Sonntag, 25. August 2019

Skandal um Hauptstadtflughafen Verkehrsminister stellt Flughafenchef Mehdorn externe Prüfer an die Seite

Angezählter Flughafenchef Mehdorn: Unabhängige Wirtschaftsprüfer sollen die Kontrolle über das Großprofjekt Hauptstadtflughafen übernehmen

Im Skandal um den Hauptstadtflughafen sollen jetzt externe Kontrolleure Flughafenchef Mehdorn auf die Finger schauen. Der Ex-Chef der Deutschen Bahn gerät nach Korruptionsvorwürfen gegen seinen Technikchef in Bedrängnis. Seit heute Morgen steht er Rede und Antwort.

Berlin - In einer Sondersitzung berät der Aufsichtsrat der Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft seit heute Morgen (08.00 Uhr) über Konsequenzen aus der Korruptionsaffäre im Unternehmen. Der mittlerweile beurlaubte Technikchef soll für die Vergabe eines lukrativen Auftrags für den neuen Hauptstadtflughafen 500.000 Euro verlangt haben. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn will den Aufsichtsrat über den Stand der Erkenntnisse informieren. Er kündigte an, dass ein Expertenteam weitere Aufträge prüfen solle, die vom Ex-Technikchef vergeben wurden.

In den nicht endenden Skandal um geplanten Hauptstadtflughafen schaltet jetzt auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ein. Der Minister will laut "Süddeutscher Zeitung" die Baukosten des Projekts künftig von einer unabhängigen Stelle kontrollieren lassen.

Der Minister dringt demnach darauf, ein "externes Controlling" einzurichten, das ab sofort, "direkt und ausschließlich an die Eigentümer berichtet", schreibt die Zeitung. Ein entsprechendes Konzept sollten Ministeriumsfachleute bis zum Wochenende erarbeiten.

Nach der Vorstellung des Ministers soll eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft künftig die Projektfortschritte begleiten und den Kostenrahmen sowie die Vergabe weiterer Aufträge kontrollieren.

Externe Wirtschaftsprüfer sollen die Kontrolle übernehmen

Der Bund gehört wie die Länder Berlin und Brandenburg zu den Eigentümern des Flughafens. Der bisherige Technikchef Jochen Großmann steht unter dem Verdacht der Bestechlichkeit im Zusammenhang mit einer Auftragsvergabe.

Die Fertigstellung des milliardenteuren Airports Berlin Brandenburg hat sich wegen einer Serie von Bau- und Planungsfehlern bereits um Jahre verschoben, der Zeitpunkt der Eröffnung ist ungewiss.

Die Korruptionsaffäre setzt auch Flughafenchef Hartmut Mehdorn unter Druck, der dem Aufsichtsrat heute in einer Sondersitzung Rede und Antwort stehen soll. Aufsichtsratschef und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nahm am Sonntagabend im RBB-Fernsehen Mehdorn ausdrücklich in Schutz. Dieser habe nicht versucht, etwas zu vertuschen und "die Lage im Griff". "Gegen Korruption ist keiner gefeit", meinte Wowereit.

Der Vorsitzende des Flughafen-Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus, Martin Delius (Piraten-Parei), Mehdorn in der Mitverantwortung. Die Auftragsvergaben durch Großmann könnten nur mit Absolution durch Mehdorn erfolgt sein, sagte er am Montag im Inforadio des RBB. Es habe bereits in der Vergangenheit "pragmatische Lösungen" bei der Auftragsvergabe ohne Ausschreibungen gegeben.

Der haushaltspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Sven-Christian Kindler, hatte bereits zuvor gefordert, die Entlassung von Mehdorn auf den Weg zu bringen.

rei/dpa/dpa-afx

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