Montag, 24. Februar 2020

Aktie erholt sich von Kursrutsch Varta schafft 600 neue Jobs und baut Lithium-Ionen-Produktion aus

Varta: Stellenabbau im Haushaltsgeschäft, neue Jobs im Bereich Lithium-Ionen-Batterien
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Varta: Stellenabbau im Haushaltsgeschäft, neue Jobs im Bereich Lithium-Ionen-Batterien

Der Batteriehersteller Varta Börsen-Chart zeigen drückt beim Ausbau seiner Produktion aufs Tempo. Um dem rasant steigenden Bedarf nach Lithium-Ionen-Zellen zu decken, will das Unternehmen künftig noch mehr Batterien herstellen als ursprünglich geplant. Dafür schafft Varta rund 600 neue Arbeitsplätze in Deutschland, wie das Unternehmen am Donnerstag in Ellwangen ankündigte. An der Börse legte die im MDax Börsen-Chart zeigen notierte Aktie um rund 5 Prozent zu und nahm wieder die Marke von 90 Euro in den Blick.

Erst Anfang September hatte Varta mitgeteilt, die Produktion bis 2022 auf mehr als 150 Millionen Zellen jährlich auszubauen. Nun legt die Konzernführung um Vorstandschef Herbert Schein noch eine Schippe drauf. Jetzt soll die Produktionskapazität auf 200 Millionen Zellen jährlich wachsen, wobei die Erweiterung schon bis Ende 2021 umgesetzt werden soll. Bereits bis Mitte dieses Jahres will Varta in der Lage sein, mindestens 100 Millionen Zellen jährlich herzustellen.

Lithium-Ionen-Zellen werden unter anderem für kabellose Kopfhörer in der Bluetooth-Technologie eingesetzt: Spekulative Investoren sehen Varta schon als möglichen Zulieferer von Weltkonzernen wie Apple Börsen-Chart zeigen oder Samsung Börsen-Chart zeigen. Der Konzern hatte 2019 mehrfach die Prognosen angehoben und war als einer der großen Kursgewinner des Jahres in den Mittelwerteindex MDax Börsen-Chart zeigen aufgestiegen. Anfang Dezember hatte auch Varta-Großaktionär Michael Tojner den MDax-Aufstieg von Varta zum Anlass genommen, Kasse zu machen und seinen Anteil leicht zu reduzieren.

Varta investiert rund 125 Millionen Euro in Ellwangen und Nördlingen

"Wir verzeichnen weiterhin einen enorm hohen Auftragsbestand", sagte Finanzchef Steffen Munz. Bereits im vergangenen Jahr hatte Varta seine Investitionspläne aufgestockt und sich für den Produktionsausbau im Sommer auch Geld über eine Kapitalerhöhung besorgt. Für das jetzige Vorhaben kündigte der Konzern zusätzliche Investitionen von rund 125 Millionen Euro an, die er auch aus dem operativen Barmittelfluss finanzieren will. Zudem steht den Angaben zufolge eine Kreditlinie zur Verfügung.

Konkret sollen die beiden Hauptstandorte des baden-württembergischen Unternehmens für die Lithium-Ionen-Produktion wachsen. So entsteht in Nördlingen ein komplett neues Fertigungsgebäude. Am Sitz der Zentrale in Ellwangen erweitert Varta zudem die Elektrodenproduktion durch eine neue Produktionshalle. Wie sich die neu entstehenden Arbeitsplätze auf die beiden Standorte verteilen, ließ der Konzern auf Anfrage noch offen.

Kurserholung nach dem Kursrutsch - Sorgen um Konkurrenz aus China

Zuletzt lag sie noch knapp 6 Prozent im Plus bei 87,50 Euro. Damit holte das Papier seine Verluste vom Jahresbeginn ein kleines Stück weit auf. Anfang des Jahreshatten Investoren auf hohem Niveau Kasse gemacht, nachdem Sorgen über Konkurrenzdruck aus China aufgekommen waren.

Hintergrund war eine Analysten-Studie der Commerzbank, durch die am Markt mutmaßliche Probleme des Herstellers bei der Deckung des Bedarfs bekannt geworden waren. Weil das Unternehmen womöglich nicht mit der Produktion hinterherkommt, sollen große Kunden auch auf Batterien anderer Hersteller gesetzt haben.

Nach Angaben von Varta waren außerdem im Dezember Geräte mit Batterien chinesischer Hersteller aufgetaucht, die Patente des deutschen Unternehmens verletzten. Der Konzern hat bereits gehandelt: Varta hat Abmahnungen verschickt und den Adressaten eine Reaktionsfrist bis zu diesem Mittwoch gesetzt. Wie es nun weitergeht, ist zum aktuellen Zeitpunkt nach Unternehmensangaben noch offen.

Stellenabbau in Verbrauchersparte

Parallel zum Ausbau des Lithium-Ionen-Geschäfts streicht Varta in der vor kurzem von Energizer zurückgekauften Verbraucher-Sparte mehr als 200 Stellen. Das sei die Folge der Konzentration auf das Haushaltsbatterien-Geschäft, die mit der Aufgabe von Dienstleistungen - etwa für Hausgeräte - für den ehemaligen Eigner Spectrum Brands verbunden sei. Man versuche, möglichst viele Mitarbeiter aus dieser Sparte künftig in der Lithium-Ionen-Zellproduktion zu beschäftigen.

Lithium-Ionen-Knopfzellen von Varta sind in vielen kabellosen Kopfhörern verbaut

Noch im November und Dezember 2019 hatten stark laufende Geschäfte von Varta die Aktie von Hoch zu Hoch getrieben. Anfang Dezember erreichten sie ihre vorläufige Bestmarke von 128 Euro - von dem sie nun wieder ein gutes Stück entfernt ist. Varta-Großaktionär Michael Tojner hatte Ende 2019 Kasse gemacht und seinen Anteil an Varta ein wenig reduziert.

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