Sonntag, 31. Mai 2020

Keine Einigung mit Banken und Aktionären Vapiano meldet Insolvenz an, Aktie verliert zwei Drittel an Wert

Vapiano-Restaurant in Köln: Die Restaurantkette hatte bis zuletzt gehofft, aufgrund einer Einigung mit Banken und Aktionären Hilfe beim Staat beantragen zu können und damit die drohende Insolvenz zu verhindern
Oliver Berg/DPA
Vapiano-Restaurant in Köln: Die Restaurantkette hatte bis zuletzt gehofft, aufgrund einer Einigung mit Banken und Aktionären Hilfe beim Staat beantragen zu können und damit die drohende Insolvenz zu verhindern

Inmitten der Coronavirus-Krise will die angeschlagene Restaurantkette Vapiano SE beim Amtsgericht Köln einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen Zahlungsunfähigkeit stellen. Das habe der Vorstand der Vapiano SE entschieden, teilte das Unternehmen am späten Mittwochabend in Köln mit. Zugleich werde geprüft, ob Insolvenzanträge für Tochtergesellschaften der Vapiano-Gruppe gestellt werden müssten.

Sämtliche durch die Vapiano SE betriebenen Restaurants blieben wegen der Corona-Krise unverändert bis auf Weiteres geschlossen, hieß es weiter. Deutsche und internationale Franchisenehmer seien aber von der Insolvenz der Vapiano SE unmittelbar nicht betroffen. Die Vapiano SE betreibt weltweit eigenen Angaben zufolge 230 Restaurants, in Deutschland 55.

Die Aktien Börsen-Chart zeigen des Unternehmens sanken auf am Donnerstag mit 0,241 Euro auf ein Rekordtief. Dabei verloren die Papiere des Schnellrestaurants fast zwei Drittel an Wert. Zum Vergleich: Das Rekordhoch der Aktie hatte im Januar 2018 noch bei 25,20 Euro gelegen.

Das Unternehmen hatte bereits am 20. März mitgeteilt, zahlungsunfähig zu sein und erklärt, dies sei aufgrund des drastischen Umsatz- und Einnahmenrückgangs eingetreten. Zugleich hatte das Unternehmen einen "dringenden Appell an die Bundesregierung zur schnellen Umsetzung der wirtschaftlichen Hilfen in der Covid-19-Krise" gerichtet. Damit hoffte der Vorstand, den innerhalb einer Frist von drei Wochen gebotenen Insolvenzantrag doch noch abwenden zu können.

Seitdem sei aber keine Lösung für den zuletzt aufgrund der Covid-19-Krise nochmals signifikant gestiegenen Liquiditätsbedarf von insgesamt zusätzlich circa 36,7 Millionen Euro gefunden worden, teilte Vapiano nun mit. "Insbesondere konnte keine abschließende Einigung mit den finanzierenden Banken und wesentlichen Aktionären über die Beiträge zu der angestrebten umfassenden Finanzierungslösung erzielt werden", schrieb Finanzvorstand Lutz Scharpe in der Pflichtmitteilung für die Börsen.

Größter Aktionär von Vapiano ist die Beteiligungsfirma der ehemaligen Tchibo-Eigentümerfamilie Herz, Mayfair, mit 47,4 Prozent. Die Banken hatten gedrängt, das Mayfair-Aktienpaket an einen Treuhänder zu übergeben, bis die Sanierung abgeschlossen sei. Vapiano-Gründer Gregor Gerlach und die Wella-Erben Hans-Joachim und Gisa Sander kommen zusammen auf knapp 35 Prozent. Darauf konnte man sich offenbar nicht einigen.

Vapiano schon länger ein Sanierungsfall

Dadurch konnten auch die in Aussicht stehenden Finanzmittel aus staatlichen Covid-19-Unterstützungsprogrammen nicht beantragt werden. Die Bundesregierung hatte unter anderem ein unbegrenztes Kreditprogramm beschlossen, um in der Corona-Krise die Liquidität der Firmen sicherzustellen. Allerdings werden nicht jedem Unternehmen Notkredite gewährt, da die Banken, über die die Kredite vergeben werden, das Risiko zum Teil selbst mittragen.

Daher gibt es derzeit eine Debatte um die Frage, ob der Bund eine 100-prozentige Garantie auf die Hilfskredite geben sollte. Einerseits könnten dann Gelder mit weniger aufwendigen Prüfungen schneller und umfassender fließen. Andererseits steigen ohne eingehende Prüfungen die Risiken für den Fiskus. Der Staat könnte dann etwa auch für Unternehmen gerade stehen, die auch ohne die Corona-Krise in Schwierigkeiten wären.

Das jedenfalls trifft auf Vapiano zu. Die Restaurantkette musste zuletzt herbe Verluste ausweisen, auch eine abgespeckte Menükarte oder neue Bestellterminals brachten nicht die erhoffte Wende. Schon seit längerem schreibt die Kette rote Zahlen. In den ersten drei Quartalen 2019 wies die bundesweit einzige börsennotierte Restaurantkette bereits einen Verlust von 46,1 Millionen Euro aus und damit deutlich mehr als ein Jahr zuvor (minus 29,4 Millionen Euro).

Jahrelang florierte das Geschäft der Kette, doch bei der Expansion übernahm sich das Unternehmen. Viele neue Restaurants wurden zu Verlustbringern. Hinzu kam, dass Konkurrenten wie L'Osteria stärker wurden - diese Kette setzt auf Bedienung am Tisch, bei Vapiano hingegen müssen sich die Gäste das Essen selbst am Tresen bestellen und holen.

mg/dpa-afx

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