Montag, 30. März 2020

"Manager des Jahrhunderts" US-Managerlegende Jack Welch gestorben

Jack Welch (1935 - 2020)
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Jack Welch (1935 - 2020)

Der legendäre US-Manager Jack Welch, jahrelang Chef des Industrieriesen General Electric Börsen-Chart zeigen, ist im Alter von 84 Jahren verstorben. Welch war Anfang der 1980er Jahre an die Spitze von GE gerückt und hatte den Konzern zwei Jahrzehnte lang geführt. Unter seiner Ägide stieg der Börsenwert des Unternehmens von zwölf Milliarden auf 410 Milliarden Dollar.

Welch, der wegen zehntausender Jobs, die unter seiner Leitung abgebaut wurden, auch den Spitznamen "Neutronen Jack" trug, trieb die Expansion von GE durch zahlreiche Zukäufe zielstrebig voran. So weitete der Konzern seine Aktivitäten unter anderem in die Bereiche Finanzdienstleistungen sowie Beratung aus. Mit seinem radikalen, zahlenfokussierten Kurs, der auch auf wilde Finanzspekulationen setzte, bescherte er GE langfristig jedoch Probleme in der Bilanz. Die Tricks belasten den Konzern noch heute.

1935 in Peabody im Staat Massachusetts geboren, fing Welch 1960 bei GE an. Zwölf Jahre später ernannte ihn das Unternehmen zu einem von vielen Vizepräsidenten. 1981 folgte der Sprung an die Spitze, von der er sich 2001 in den Ruhestand verabschiedete.

Zugleich prägte Welch mit seinen Führungsmethoden aber auch das Management moderner Art, wie es heute in vielen Konzernen selbstverständlich ist: flache Hierarchie, schlanke Produktion, schnelle Verwaltung, straffe Personalpolitik. Er knüpfte Boni für Führungskräfte an Sollvorgaben und an die Leistung des Gesamtkonzerns, er stärkte die Bedeutung der "Corporate Culture" und führte Six Sigma ein als Instrument des Qualitätsmanagements.

Unter seiner Regie, stellte er kurz nach Amtsantritt klar, würde GE keine Tochterfirmen dulden, die nicht die Nummer eins oder zwei in ihrem Teilmarkt seien. Sein Ziel: stetiges Gewinnwachstum.


Ein denkwürdiges Porträt aus dem Jahr 2007: Jack Welch - ein ganzer Kerl.


Kritiker, so konstatierte manager magazin schon vor Jahren, warfen dem Chefideologen des Shareholder-Value vor, dass seine Doktrin in den personalpolitischen Darwinismus führe, Firmenstrukturen zerstöre und Exzesse begünstige. Die Besessenheit vom Aktionärsvermögen habe viele Probleme verursacht, angefangen bei der Akquisitionsmanie bis hin zu Bilanzierungstricks. Konzerne, die der Börse im Dreimonatsrhythmus gefallen wollten, verlören den Blick für die große Perspektive. Zudem seien die Weltmärkte in ihrer Entwicklung so unvorhersehbar, der Druck von Hedgefonds und Private-Equity-Investoren so groß, die Konkurrenz aus China und Indien so stark, dass das welchsche Ideal vom Primat der Größe überholt sei.

Welch kannte diese Vorwürfe, doch sie störten ihn kein bisschen. Es sei "nun mal so, dass die Aktionäre Erfolge sehen wollen", so sein Credo. Den großen Hunden, sagt er, gehöre die Straße. "Ich kenne keinen Marktführer, der lieber die Nummer zwei wäre."

1999 wurde Welch von der US-Zeitschrift "Fortune" zum "Manager des Jahrhunderts" gekürt. Die "Financial Times" zählte ihn zu den drei am meisten bewunderten Wirtschaftsführern weltweit.

Nach der Welch-Ära ging es mit dem über 125 Jahre alten GE-Konzern, dessen Wurzeln auf den Glühbirnen-Erfinder Thomas Edison zurückgehen, steil bergab. Unter Welchs Nachfolger Jeff Immelt traten etliche Schwierigkeiten auf. Mitte 2018 stieg GE nach 110 Jahren aus dem US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen.

cr/dpa

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