Donnerstag, 17. Oktober 2019

Schlagabtausch auf Uniper-HV Uniper weist Verdacht von Großaktionär Fortum zurück

Finanzvorstand Christopher Delbrück: "Übernahme von Uniper durch Fortum hat gravierende Risiken"

Hat das Uniper-Management in Russland aktiv gegen den Deal mit Eon gearbeitet? Der finnische Großaktionär Fortum hegt diesen Verdacht und will den Vorstand erneut nicht entlasten. Der scheidende Finanzchef Christopher Delbrück weist den Vorwurf zurück und zieht seine "rote Linie" für jegliche Form der Kooperation mit dem ungeliebten Großaktionär.

Der Energiekonzern Uniper Börsen-Chart zeigen hat die Vorwürfe des finnischen Großaktionärs Fortum im Zusammenhang mit dem russischen Veto gegen eine Komplettübernahme zurückgewiesen. Uniper habe Fortum "bereits frühzeitig auf die russische Gesetzgebung hingewiesen, wonach ein ausländischer Staatskonzern in Russland keine sogenannten strategischen Assets betreiben darf", sagte der scheidende Finanzvorstand Christopher Delbrück am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Konzerns. Uniper habe "transparent und verantwortungsvoll gehandelt".

Die Finnen, die knapp 50 Prozent des aus dem Eon -Konzern hervorgegangenen Kraftwerksbetreibers Uniper halten, wollen die Entlastung des Uniper-Vorstands erneut verschieben lassen. Hintergrund ist der Verdacht, das Uniper-Management habe in Russland aktiv gegen den Deal mit Eon gearbeitet. Eine Komplettübernahme durch Fortum, wie zunächst von Investoren erhofft, ist derzeit nicht möglich - sie wird von einem Veto der russischen Kartellbehörden blockiert.

Delbrück warnt vor Komplettübernahme durch Fortum

Dass Delbrück nach wie vor wenig übrig hat für eine Übernahme durch Fortum, daraus machte er am Mittwoch keinen Hehl: Die Sicherstellung eines stabilen Investmentgrades sei die "rote Linie" für jegliche Form der Kooperation, so der scheidende Finanzchef. "Dass eine Übernahme von Uniper durch Fortum gravierende finanzielle Risiken für unsere Geschäftsaktivitäten haben kann, hat auch die Rating-Agentur Standard & Poor's in ihrem letztes Jahr veröffentlichten Bericht festgestellt." Demnach könne das Rating herabgesetzt werden, wenn Fortum die Mehrheit übernehme und die Unabhängigkeit von Uniper verringert würde.

Zwar sollen zwischen Fortum und dem noch amtierenden Uniper-Management Versöhnungsgespräche laufen, doch bleibt das Verhältnis zu dem Großaktionär angespannt: Fortum halte es "nicht für angemessen, den Vorstand zu entlasten, solange unsere Bedenken nicht ausgeräumt wurden", heißt es in einer Mitteilung der Finnen vom Vortag.

Delbrück bedauerte den Vorstoß der Finnen. Der Finanzvorstand, der zudem Aufgaben des derzeit krankheitsbedingt pausierenden Konzernchefs Klaus Schäfer übernommen hat, wird wie Schäfer das Unternehmen Ende Mai verlassen.

Bereits am Vortag hatte auch der Aufsichtsrat die Vorwürfe zurückgewiesen. Das Vorgehen des Vorstandes sei umfassend analysiert sowie externe Gutachter beauftragt worden, hatte Gremiumschef Bernhard Reutersberg erklärt. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass alles, was Uniper in diesem Zusammenhang unternommen habe, rechtmäßig war und im Interesse des Unternehmens und seiner Aktionäre gelegen habe. Der Finanzvorstand von Fortum habe in seiner Eigenschaft als Mitglied des Uniper-Aufsichtsrats "vollen Zugang" zu diesen Analysen gehabt.

Der aus dem Eon-Konzern Börsen-Chart zeigenhervorgegangene Kraftwerksbetreiber ist einer der größten Stromerzeugerin Europa. Das Management hatte sich lange gegen die Übernahme durch Uniper gewehrt. Ein neues Management um den ehemaligen Thyssenkrupp-Manager Andreas Schierenbeck soll die Beziehung zu Fortum auf eine neue Grundlage stellen.

Hedgefonds Elliot zieht brisanten Antrag zurück

Am Dienstag hatten zwei Finanzinvestoren die Lage ein wenig zu entschärfen versucht und ihre brisanten Anträge für die Hauptversammlung zurückgezogen. Der Hedgefonds Elliot hatte gefordert, dass Uniper einen Beherrschungsvertrag mit Fortum vorbereiten soll. Knight Vinke verlangte von Uniper die Abspaltung des russischen und des schwedischen Stromerzeugungsgeschäfts. Die Gewerkschaft Verdi hatte deshalb vor einer Zerschlagung des Konzerns und dem Verlust von Arbeitsplätzen gewarnt.

Elliott hält letzten Angaben zufolge knapp 18 Prozent an Uniper, Knight Vinke ist mit rund 5 Prozent beteiligt. Fortum begrüßte die Ankündigungen. "Wir wollen ein konstruktiver und zuverlässiger Aktionär sein", heißt es in einer Fortum-Mitteilung.

rei/dpa

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